"Es geht meist um Fiktion"

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  • Mit dem Roadmovie "Vincent will Meer" gelang Florian David Fitz als Autor und Hauptdarsteller ein Kino-Coup. Nach der Komödie "Da geht noch was" kommt der Münchner nun als investigativer Journalist in "Die Lügen der Sieger" in die Kinos. Mit dem Schauspieler hat sich Dieter Oßwald unterhalten. 1/3
    Mit dem Roadmovie "Vincent will Meer" gelang Florian David Fitz als Autor und Hauptdarsteller ein Kino-Coup. Nach der Komödie "Da geht noch was" kommt der Münchner nun als investigativer Journalist in "Die Lügen der Sieger" in die Kinos. Mit dem Schauspieler hat sich Dieter Oßwald unterhalten. Foto: 
  • Florian David Fitz freut sich 2011 über den Filmpreis "Goldene Lola". Das Foto oben zeigt ihn als Journalisten in die "Lügen der Sieger", das Foto rechts bei der Bambiverleihung 2014. Fotos: dpa und Heimatfilm GmbH&Co.KG 2/3
    Florian David Fitz freut sich 2011 über den Filmpreis "Goldene Lola". Das Foto oben zeigt ihn als Journalisten in die "Lügen der Sieger", das Foto rechts bei der Bambiverleihung 2014. Fotos: dpa und Heimatfilm GmbH&Co.KG Foto: 
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Herr Fitz, was könnten investigative Journalisten über Florian David Fitz herausfinden?

FLORIAN DAVID FITZ: Über mich? (Lacht) Ich glaube, die würden sich langweilen! Das würde eine sehr durchschnittliche Story werden. Der aufregendste Teil meines Lebens findet tatsächlich im Beruf statt.

Daniel Brühl ist in "Ein Freund von mir" nackt im Porsche gefahren und hat danach begeistert davon geschwärmt. Hätte Sie dieses Erlebnis bei Ihren 911er-Ausfahrten nicht auch gereizt?

FITZ: Ich bin in den Drehpausen selbstverständlich nur nackt mit dem Porsche gefahren! Ich habe versucht, den Regisseur Christopher Hochhäusler davon zu überzeugen, diese Szenen auch im Film zu verwenden - aber leider war ich mit meiner Bitte nicht sehr erfolgreich. . .

Ist die "Berliner Schule" zu prüde für solches Nacktporschefahren?

FITZ: Ich bin mir nicht sicher, aber in diesem Fall hätten solche Szenen vermutlich etwas zu sehr abgelenkt. . .

Immerhin kann man Sie in anderen Szenen unbekleidet erleben. . .

FITZ: Mir selbst fiel das nicht sonderlich auf, aber in Interviews werde ich öfters darauf angesprochen. Das mag mit der Zeit zusammenhängen. In einem Film aus den 70er Jahren wären Nacktszenen als völlig normal empfunden worden. Heute scheint es ein Thema zu sein. Bedeutet das, dass wir uns ein bisschen amerikanisiert haben? Dass jede Form harmloser Nacktheit in einem sexuellen Kontext gesehen wird? Allerdings muss ich vor zu großen Erwartungen warnen: Sehr viel nackte Haut gibt es in diesem Film nicht zu sehen! (Lacht)

Sie haben sich zur Vorbereitung auf die Journalisten-Rolle in der "Spiegel"-Redaktion umgesehen - wie hat sich Ihr Bild der Medienleute verändert?

FITZ: Das Buch war bereits sehr gut recherchiert, mir ging es bei meinem Besuch in der Redaktion vor allem darum, aus erster Hand zu erleben, wie dort die Abläufe funktionieren. Wie wird miteinander gesprochen? Welche Hierarchien und Hackordnungen gibt es in solchen Büros? Dieses tägliche Miteinander in der Redaktion zu erleben war für mich wahnsinnig spannend und hat in der Vorbereitung sehr geholfen.

Ihre Figur leidet darunter, schon lange keinen Coup einer Titelstory mehr gelandet zu haben. Was war für Sie Ihr letzter großer Coup?

FITZ: Glücklicherweise bin ich kein Journalist und kann solche Einordnungen anderen Leuten überlassen. Als Schauspieler würde man sehr unfrei werden, wenn es in der Arbeit darum ginge, Coups zu landen. Bei uns geht es ja meistens um Fiktion. Um die inneren Wahrheiten von Menschen, wozu es einer gewissen Naivität und Freude am Nichtwissen bedarf.

Sind Sie auf solch einen politischen Film, der nachdenklich machen möchte, mehr stolz als auf Ihre Komödien?

FITZ: Ich müsste lange nachdenken, wann ich die letzte Komödie gemacht habe, die überhaupt nicht zum Nachdenken anregen wollte. Ich glaube schon, dass auch meine Komödien immer einen gewissen Unterbau besitzen. Einen reinen Lachnummer-Film habe ich nicht in Erinnerung.

"Doktors Diary" läuft noch immer als Wiederholung im Fernsehen. . .

FITZ: Stimmt, aber selbst bei "Doktors Diary" wird etwas über Menschen erzählt. Bei aller Unterhaltung ist meine dortige Figur ja als schwer beschädigter Typ unterwegs. Auch diese Serie ist kein Klamauk oder eine reine Persiflage ohne jeden Hintergrund.

Gleichwohl ist politisches Kino hierzulande, im Unterschied zu England oder Frankreich, eine ziemliche Rarität. Woran liegt das?

FITZ: Man muss eben generell die Frage stellen, was bei uns im Kino gewollt ist. Es gibt durchaus eine Limitierung dessen, was die Leute sehen wollen. Der häufige Vorwurf, es gäbe im deutschen Kino ja nur Komödien, trifft allerdings nicht zu. Wenn man etwa die Nominierungen der Deutschen Filmakademie betrachtet, entdeckt man Filme mit sehr unterschiedlichen Themen.

Nur sieht diese Filme kaum jemand im Kino an. . .

FITZ: Da stellt sich die Frage nach den Ursachen. Liegt es an den Filmemachern? Oder am Interesse des Publikums?

Wie politisch würden Sie sich selbst einschätzen?

FITZ: Ich bin politisch interessiert, aber ich bin keiner, der auf Demos geht - was an meiner Faulheit liegen mag. Ich versuche, ein unabhängiger Kopf zu bleiben und meinen Teil dazu beizutragen, dass diese Demokratie funktioniert.

Wie groß ist die Schnittmenge zu Ihrer Figur des Journalisten Fabian?

FITZ: Es gehört ja zu meinem Beruf, die Vorstellungskraft zu trainieren. Je älter man als Schauspieler wird, desto mehr Dinge kann man sich vorstellen, ohne sie selbst erfahren zu haben. Ich kann also einen zuckerkranken Spieler nachvollziehen, ohne solche Dinge selbst erlebt haben zu müssen. Sonst wäre der Beruf ja sehr begrenzt.

Sie könnten damit auch problemlos einen Serienkiller geben?

FITZ: Jeder, der über ausreichend Fantasie verfügt, wird einen Serienkiller irgendwo finden können. Mörder sind schließlich keine Wesen, die vom Mars kommen, sondern Menschen, die auf den Straßen herumlaufen, wie jeder andere auch.

Was ist die wichtigste Qualität für einen Schauspieler?

FITZ: Fantasie.

Und das Schwierigste in diesem Beruf?

FITZ: Wahrscheinlich Struktur. Das ist ein sehr unsicherer Beruf, bei dem man ständig von Entscheidungen anderer Leute abhängig ist. Ein großer Prozentsatz der Schauspieler haben wenig Arbeit und viel freie Zeit - aus dieser Kombination keinen seelischen Schaden zu nehmen ist nicht immer einfach.

Und da wäre noch die Versuchung mit der Werbung. Wie lange mussten Sie überlegen, ob Sie für Zahnbürsten Reklame machen?

FITZ: Man überlegt schon, ob man ein ethisches Problem mit dem Produkt hat, wofür man wirbt - und da reduziert sich die Zahl der Produkte ganz enorm. Wenn man mir Werbung für ein sinnvolles Produkt anbietet, spricht für mich absolut nichts dagegen.

Sie traten mit Til Schweiger auf und spielen demnächst mit Matthias Schweighöfer in "Der geilste Tag". Wie ist das Verhältnis der Spieler in der Championsleague des deutschen Kinos. Freunde oder Konkurrenten?

Fitz: Es ist nicht so, dass wir täglich telefonieren, aber wir mögen uns sehr.

Immerhin gehören Sie zu den wenigen Schauspielern hierzulande, wegen deren Namen das Publikum ins Kino geht. . .

FITZ: Das funktioniert nur in einem bestimmten Maß. Mit dem Star-System von Hollywood ist Deutschland längst nicht zu vergleichen. Natürlich wächst die Aufmerksamkeit für einen Film mit einem bekannten Schauspieler sofort, aber ob das Publikum tatsächlich auch kommt, ist die ganz andere Frage.

Sie geben gern den netten, sympathischen Helden. Würden Sie sich nicht wünschen, einmal den fiesen Bösewicht zu spielen?

FITZ: Na ja, als Sympathieträger bin ich bei "Doctors Diary" nicht in die Annalen eingegangen! (Lacht) Es gab tatsächlich unlängst das Angebot, einen berühmten Entführer zu spielen. Weil bei einer realen Figur die dramaturgischen Möglichkeiten allerdings zwangsläufig beschränkt sind, habe ich mich dann doch dagegen entschieden.

Wäre es nicht verlockend, die menschlichen Abgründe bei einer Rolle herauszukitzeln? Träumt nicht jeder Schauspieler davon, einmal den Hitler oder Richard III zu spielen?

Fitz: Ach, wer den Hitler spielt, kann doch nicht das Monster ins Fenster hängen. Nichts ist langweiliger, als einen Bösen als Bösen zu geben. Die wirklich guten bad guys wurden immer mit großem Charme gespielt, siehe Hannibal Lecter oder Christoph Waltz in "Inglourious Basterds". Bei normalen und sympathischen Typen guckt man viel eher nach den Abgründen, um sie spannend zu machen.

Mit welchen Gefühlen sehen Sie dem Alter entgegen?

FITZ: Ich bin jetzt noch nicht so alt, dass ich negative Auswirkungen des Alters spüre - aber die wird es sicher einmal geben. Andrerseits hat jedes Alter auch seine Vorteile. Ich möchte jedenfalls nicht nochmals zwanzig sein.

Bislang ging es mit der Karriere immer aufwärts, wie groß ist Ihre Angst vor Misserfolg?

FITZ: Misserfolge sind im Leben doch unausweichlich, oder? Die entscheidende Frage ist, wie man damit umgeht. Wenn man ständig Panik davor hat, einmal auf die Nase zu fallen, dann wird es doch sehr beschwerlich. Was nicht bedeutet, dass es mir nicht schwerfallen würde, mich in dieser Frage locker zu machen.

Was war Ihr größter Misserfolg?

FITZ: Das Schlimmste für mich war wohl ein Vorsprechen am Deutschen Theater - das verlief so furchtbar, dass mir danach die Lust auf die Bühne völlig vergangen ist.

Wann war das Leben sonst noch ungerecht zu Ihnen?

FITZ: Es wäre sehr wehleidig von mir, mich darüber zu beschweren - da gibt es Menschen, die sehr viel mehr im Leben abbekommen haben.

Schreiben Sie so diszipliniert wie Woody Allen, der sich jeden Morgen um acht Uhr an seine Schreibmaschine setzt?

FITZ: Diszipliniert bin ich beim Schreiben auf alle Fälle, aber mein Rezept, wenn man sich festgebissen hat, heißt Joggen. Beim Laufen lässt man los und bekommt plötzlich die besten Ideen.

Wie wichtig ist die Gage?

FITZ: Die Gage ist nicht ausschlaggebend, bei einem meiner letzten Filme habe ich fast gar nichts verdient, aber das Konzept war einfach spannend. Natürlich möchte man leben und möglichst gut leben. Ich genieße zwar, ein schönes Auto zu fahren. Aber ich bin mir im Klaren, dass das schöne Auto auch einmal wieder weg sein kann, ohne dass die Welt zusammenbricht.

Wer hat den größeren Anteil am Erfolg eines Films? Story, Schauspieler oder Regie?

FITZ: Ein gutes Drehbuch ist immer die Basis - aber ohne gute Schauspieler kann man dieses Buch auch vorlesen.

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