"Eisbär, was ist dein Job?"

Vor einem Jahr haben sie angefangen zu proben, am Samstag ist Premiere im Zimmertheater. Das Diakonie-Theater "Global Players" führt Andersens "Schneekönigin" auf. Selbst- gemacht und handverlesen.

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Nirgendwo wird mit so vielen Akzenten gelacht wie beim interkulturellen Diakonie-Theater "Global Players" aus Göppingen. Und gelacht wird reichlich. Immerhin proben sie die Schneekönigin ja schon seit vielen Monaten, und so nimmt es keiner krumm, wenn die einen Schauspielkollegen ihren Spaß haben, wenn bei den anderen mal was schiefgeht. "Eisbär, was ist dein Job? Du musst doch hinter ihm gehen und auf ihn aufpassen und nicht vorlaufen", erklärt Joachim Scheufele-Leidig von der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) dem kuschlig aussehenden Arktis-Bewohner. Dominique Landa aus der Demokratischen Republik Kongo hört gut zu, und schon klappt es beim zweiten Anlauf besser. Rund 46 Theaterbegeisterte, darunter fünf Kinder, stehen auf der Besetzungsliste und agieren entweder auf oder hinter der Bühne. So wie Helena Pankratz aus Russland. Die "echte" Oma der Schneekönigin hat alle Kostüme entworfen. "Wenn ich nachts nicht schlafen konnte, bin ich aufgestanden und habe Entwürfe gemacht", erzählt sie. Die kurzen Nächte haben sich allemal gelohnt.

Ein Viertel der Akteure kommen aus Deutschland, der Rest hat seine Wurzeln in Afghanistan, Chile, Grönland, Malaysia, der Mongolei, Peru oder Vietnam. "Es sind nur noch wenige Tage bis zur Premiere, deshalb üben wir heute mit Druck und Zuckerbrot", verrät der Diakonie Diplom-Sozialpädagoge mit einem Augenzwinkern. Ist hier irgendwo ein Fenster offen? Ein eisiger Wind pfeift durchs Bürgerhaus, leise setzt Musik ein. "Wenn Anna den Spiegel hochhält, ist das euer Zeichen. Du achtest auf den Text und Vera auf die Gestik. Der kleinste Fehler in einer Sache. . . , also das müssen wir am Samstag nochmal koordinieren", führt Joachim Scheufele-Leidig vor dem Laptop Regie.

Das phantasievolle Märchenmusical "Die Schneekönigin" nach Hans Christian Andersen, bei den "Global Players" von Beate Rudolph erzählt, handelt von Sehnsucht, Freundschaft und der Tapferkeit eines Mädchens, das bereit ist, für ihren Freund alles aufs Spiel zu setzen. Die anderthalbstündige Bühnenfassung nach Bernd Kohlhepp nimmt das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Jahreszeiten und beeindruckt mit bunten Szenen, liebevoll gestalteten Kostümen, aufwändigen Fotoprojektionen, die von Profi-Fotograf Uwe Mayer aus Göppingen realisiert werden, und ansprechender Musik von Jürgen Treyz und Vladimir Milman, dem russischen Arrangeur und Pianisten der Gruppe. "Nur die Akteure sind quasi Laien, aber mittlerweile machen die das so gut. Ich bin mächtig stolz auf meine Truppe", so Scheufele-Leidig. Der Leiter dieses einmaligen Projekts sieht sich selbst als Motivator, der schon mal Ideen und Möglichkeiten der Mimen aufgreift und umsetzt. Nicht von ungefähr wurde das Projekt, das zudem die Sprachkompetenz fördert, mit dem Integrationspreis der Evangelischen Landeskirche ausgezeichnet.

Info Aufführungen sind am Sonntag, 18. und 25. März, um 18 Uhr im Zimmertheater der Jugendmusikschule. Karten: an der Abendkasse.

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