„Die wohlfeile Jugend“ gibt sich kämpferisch

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„Wohlfeile Jugend“: Ein junger Mensch sucht seinen Platz in der Gesellschaft.  Foto: 

„Ich weiß nicht so genau“, antwortet ein Mädchen auf die Frage, warum sie zur Premiere dieses Theaterstückes gekommen ist. „Mein Sohn spielt mit“, sagt jemand, andere erklären: „Das sind unsere Freunde.“ Ein beinahe intimer Kreis ist im Alten E-Werk zusammen gekommen, um einer Inszenierung das erste Geleit zu geben, der schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit zuteil wurde. Der junge Adelberger Simon Hoffmann versteht es, seine Anliegen publik zu machen. Der 20-Jährige ist ein Machertyp. Mit bemerkenswerten Kurzfilmen und der Organisation des Adelberger Friedensmarsches hat er ebenso Aufsehen erregt wie mit Einladungen zu Vorträgen höchst umstrittener Denker.

Nun hat er gemeinsam mit 23 jungen Menschen das von ihm ursprünglich als Jahresarbeit für die Schule geschriebene Jugendtheaterstück „Die wohlfeile Jugend“ inszeniert. Das Regiedebüt Simon Hoffmanns wird kein Trallala vor hübscher Kulisse – das ist schon auf dem Infoblatt zu sehen: Die 16 Schauspieler zwischen zehn und 20 Jahren blicken ernst auf den Probenfotos, nachdenklich.

Ein hilfloses Kind aus zerrüttetem Elternhaus (sagenhaft, ohne Worte gespielt von Farzad Hosseini, der abgestumpfte Vater – Naif Mashan, und die in Enttäuschung verlorene Mutter – Jule Richter) steht am Anfang der märchengleich erzählten Geschichte. Der Junge zieht aus, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Er trifft auf gute und weniger gute Mächte, beginnt als Jugendlicher zu hinterfragen, zu zweifeln, zu lieben, lotet Grenzen aus. Patrick Erwied spielt diesen jungen Mann so großartig, so wahrhaftig brennend, als wären die notierten Gedanken des Autors Simon Hoffmann seine eigenen. Die jungen Darsteller überzeugen alle mit derart intensivem Spiel, dass deutlich wird: Hier ist auf die Bühne gebracht, was im echten Leben Brisanz hat: von Jugendlichen erlebte Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Umweltzerstörung. „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir ewig für die Fehler unserer Eltern und Großeltern bezahlen.“ Das ist nicht der einzige Satz mit enormer Kraft, der zum Mitdenken, Umdenken und zu aktivem Handeln aufruft.

Man könnte meinen, Hoffmann sei inspiriert vom Agitprop-Theater der frühen 1920er Jahre, so kämpferisch zur Revolte aufrufend prasseln die Reden des jungen Philippus und der flammend gespielten Nina (Laura Conrad) ins Publikum. Ein Hoch auf diese Energie, die nicht im netten Ich-wünsch-mir-was steckenbleibt.

Schwer zu ertragen ist der erhobene Zeigefinger, der über jeder Szene schwebt und besserwisserisch eine einzige Vorstellung von Sinn und Sein zulässt. Es mangelt dadurch an Leichtigkeit, auch an Humor, zumindest nachdem der sinnenfreudige Tim (Paul Stenger) die Szenerie verlassen hat.

Für solche und andere inhaltliche Anregungen lädt das Ensemble nach der Aufführung zum Gespräch in die „Live Life Bar“. Es bleibt zu wünschen, dass sich viele Menschen mit „Die wohlfeile Jugend“ auseinandersetzen. Gelegenheit dazu gibt es noch am Montag, 24. Juli, und am Dienstag, 25. Juli, jeweils um 20 Uhr im Alten E-Werk.

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