"Der Schritt war überfällig"

Politiker aus dem Landkreis bewerten den Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff positiv. Der Schritt sei unausweichlich gewesen. Unisono wird die Hoffnung auf einen würdigen Nachfolger geäußert.

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Landrat Edgar Wolff wurde im Mai 2011 von Bundespräsident Christian Wulff empfangen. Damals ging es um das von Wulff initiierte Bürgerforum, an dem der Landkreis Göppingen teilgenommen hatte. Foto: Archiv

Der Göppinger CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Riegert hatte Wulffs Rücktritt für gestern Morgen bereits erwartet. Vieles habe seit Donnerstag Abend darauf hingedeutet. Riegert ist der Meinung, Wulff habe seinen Job als Bundespräsident gut gemacht: "Er hat für frischen Wind gesorgt und neue Ideen eingebracht. Nun haben ihn alte Dinge aus Hannover eingeholt. Ich bedaure, dass er uns als Bundespräsident verloren geht." Im Nachhinein komme der Rücktritt sehr spät - "Wulff hätte es sich selbst leichter machen können", sagt Riegert. Der Parlamentarier hält es jetzt für richtig, einen Kandidaten für das Amt zu finden, der von allen demokratischen Parteien getragen wird. Riegert selbst will nicht über mögliche Nachfolger spekulieren - genauso wie die Geislinger CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi. "Wir brauchen einen Bundespräsidenten, der großen Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung hat", meint die Christdemokratin, die Wulffs Rücktritt für richtig und konsequent hält, um Schaden von dem Amt abzuwenden.

"Der Schritt war überfällig", meint auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Werner Simmling. Er hatte Christian Wulff bei der Bundesversammlung im Juli 2010 gewählt. "Man kann sich auch mal täuschen", sagt der Liberale heute. Simmling will die im Raum stehenden Vorwürfe nicht bewerten - "aber Wulff hat sich selbst in eine Situation gebracht, die sehr unglücklich ist". Der Bundespräsident habe Transparenz und Offenheit vermissen lassen - Tugenden, die er selbst immer eingefordert habe, kritisiert Simmling. "Das Amt wurde dadurch in großem Maß beschädigt", ist der FDP-Mann überzeugt.

Die grüne Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch war 2010 als Landtagsabgeordnete ihrer Partei in der Bundesversammlung. "Ich habe das noch gut in Erinnerung, gerade vorhin habe ich einer Kollegin Bilder gezeigt." Gewählt habe sie aber Joachim Gauck, "er wäre der Bessere gewesen und jetzt noch im Amt". Wulffs Rücktritt sei unausweichlich gewesen. "Die letzten zwei Monate gab es täglich etwas zu lesen über seine persönlichen Vorteilsnahmen." So sei die Demission nur eine Frage der Zeit gewesen. Was sie dem Kurzzeit-Bundespräsidenten vorwirft: "Wulff hat das Amt beschädigt, er konnte das Amt nicht mehr würdevoll führen und hat sich angreifbar gemacht." Lösch findet es gut, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nun in der Frage der Kandidatensuche auf SPD und Grüne zugeht. Und sie glaubt: "Es würde sich lohnen, mit Gauck nochmal zu reden."

"In der Summe gibt es so viele Fragezeichen und ungeklärte Dinge, dass die Entscheidung unausweichlich und konsequent ist. Sonst wäre der Schaden für das Amt und den Staat noch größer geworden", meint Landrat Edgar Wolff. Für ihn war der Rücktritt des Bundespräsidenten nach der Entwicklung der vergangenen Wochen nicht mehr überraschend. Der Chef der Kreisbehörde hatte Wulff im Mai vergangenen Jahres beim bundesweiten Bürgerforum, an dem der Kreis Göppingen teilgenommen hatte, in Berlin getroffen: "Ich habe ihn damals als seriös, authentisch, überzeugend und sympathisch kennen gelernt und einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Da konnte man sich nicht vorstellen, dass so etwas nachkommt", sagt der Landrat.

"Es ist gut, dass dieser quälende Prozess zu Ende ist", so kommentiert die Verdi-Landesvorsitzende, Leni Breymaier, den Rücktritt Christian Wulffs. Für die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende aus Eislingen, die 2010 als Repräsentantin ihrer Partei der Bundesversammlung angehörte, ist weniger entscheidend, "ob der Staatsanwalt Recht hat oder nicht. Aber sein Verhalten war des Amtes des Bundespräsidenten nicht würdig". Inhaltlich habe sie Wulff in vielen Dingen durchaus zustimmen können, "aber die Persönlichkeit und Lebensführung muss zum Amt passen". Die Gewerkschafterin fände es gut, wenn bei der Suche nach einem Nachfolger die Chance genutzt würde, jemanden zu finden, der dem Amt ein gutes Fundament gibt. "Es wäre schön, wenn mal eine Frau zum Zuge käme."

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