"Der Anfang vom Ende der EU"

Die beiden Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich haben den Brexit vorhergesagt. Im Interview erklären sie, was das für Europa und den Euro bedeutet.

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Herr Friedrich, Sie haben den Brexit prophezeit und auch darauf gewettet. Wie legen Sie das gewonnene Geld an?

MARC FRIEDRICH: Jetzt wette ich auf den Dexit. Spaß beiseite. Selbstverständlich investiere ich nach wie vor in Sachwerte wie Edelmetalle, schottischen Whisky sowie in eine tolle Reise nach England um zu schauen, ob die Insel noch steht.

Das Votum der Briten hat ein Erdbeben ausgelöst. Die Börsen brechen ein, das Pfund ist im Keller. Auf was müssen wir uns noch gefasst machen?

FRIEDRICH: Das war definitiv ein historischer Wendepunkt. Unserer Ansicht nach ist das der Anfang vom Ende der EU - definitiv in seiner jetzigen Form - und des Euros. Die politischen Beben und Verwerfungen an den Finanzmärkten werden massiv zunehmen. Das wird leider auch extreme Parteien weiter befeuern. Aus diesem Grund wäre es wichtig, dass die Politik diesen heilsamen Schock richtig versteht und die notwendigen Schlüsse daraus zieht.

Herr Weik, was bedeutet der Brexit für deutsche Anleger?

MATTHIAS WEIK: Wer an der Börse investiert ist, hat nun ein sattes Minus eingefahren. Die Aktienmärkte werden volatil bleiben. Für alle anderen Anleger ändert sich kurzfristig nichts. Die Auswirkungen werden mittelfristig erst zur Geltung kommen. Diejenigen die unseren Ratschlägen gefolgt sind haben einen ordentlichen Gewinn zu verzeichnen. So ist Gold und Silber beispielsweise stark gestiegen seit dem Brexit und beweist mal wieder seine Wertankerqualitäten.

Wird der Austritt Großbritanniens aus der EU Schule machen und weitere Volksabstimmungen und möglicherweise Austritte nach sich ziehen?

WEIK: Ja. Wir werden in weiteren Ländern Referenden sehen und der Unmut der Menschen gegen die EU wird zunehmen. Die Bürger fühlen sich von Brüssel nicht mehr abgeholt. Viele Entscheidungen werden nur noch mit einem Kopfschütteln quittiert. Spätestens seit der Flüchtlingskrise sehen wir, dass in Europa nur noch gegeneinander anstatt miteinander gearbeitet wird. Die Zerfallserscheinungen sind nicht mehr zu übersehen. Wir  fordern auch ein Referendum in Deutschland zur EU. Wir sollten auch abstimmen dürfen wie die Briten. Wir wurden weder zur EU, noch zum Euro oder TTIP gefragt. Wieso nicht? Hat man Angst vor dem eigenen Volk? Erschreckend ist das Demokratieverständnis einiger Politiker wenn zum Beispiel Volker Kauder (CDU) die britische Regierung mit der Aussage kritisiert:  „In Deutschland wäre eine solche Entscheidung nicht möglich.“. Das sollte geändert werden.

Sie sind der Meinung, Europa ist gescheitert. Mit dem Referendum sehen Sie sich sicher bestätigt …

FRIEDRICH: Nicht Europa ist gescheitert sondern das Bürokratiemonster EU mit seiner  Fassadendemokratie ist gescheitert. Das ist ein essentieller Unterschied. Ich bin überzeugter Europäer und ich glaube auch daran, trotz aller Horrorszenarien, dass Europa auch ohne die EU leben kann - sogar besser. Wir brauchen eine starke Wirtschaftsunion und kein Währungs- und Politikzwangskorsett.

Bleiben Sie bei Ihrer Ankündigung, dass wir in vier Jahren ein anderes Geldsystem haben, sprich der Euro ausgedient hat?

WEIK: Mehr denn je. Wer jetzt die Zerfallserscheinungen nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir sollten den Warnschuss ernst nehmen. Leider werden die Verantwortlichen noch mehr in die Rettung des Währungsexperiments investieren - dadurch wird aber nur Schadenmaximierung betrieben. Niemals in der Geschichte der Menschheit haben Währungsunion funktioniert - wir sehen das momentan überdeutlich in Europa und vor allem im bankrotten Süden Europas.

Die EU tritt gerade als zerstrittener Haufen auf. Die einen wollen den Austritt ziemlich schnell, die anderen haben Geduld. Wer hat Recht?

FRIEDRICH: Das ist recht absurd und zeigt was für ein Tollhaus die EU ist. Erst wollte man die Briten auf keinen Fall gehen lassen und nun sollen sie so schnell wie möglich sich vom Hof machen. Völlig ambivalent. Man sollte dieses historische und demokratische Ereignis als Chance sehen und endlich die notwendigen und längst überfälligen Reformen in der EU initiieren um die europäische Idee zu retten. Ich denke man sollte es lieber gründlich machen um eine Blaupause zu haben für die nächsten Länder die den Verein verlassen werden. Da ist man gut beraten eine schon angewendete und bewährte Herangehensweise parat zu haben. Unserer Ansicht wäre es am besten nun das ganze Projekt in Frage zu stellen Referenden durchzuführen und dann die EU dementsprechend anzupassen oder wenn die Menschen es so wollen geordnet aufzulösen. Ich bin mir sicher, dass die EU sich als schlechter Verlierer zeigen wird und nachtreten wird. Auch wird man den Aufstieg so unattraktiv wie möglich machen um Nachahmer abzuschrecken.

Gibt es vielleicht noch eine Hintertür, den Austritt abzuwenden? Eine zweite Abstimmung?

WEIK: Das wäre krass, ich würde es aber den verzweifelten Protagonisten in Brüssel, Berlin, Paris und London zutrauen. Immerhin kämpfen sie um ihre Daseinsberechtigung, ihr äußerst attraktiven Einkommen und ihre satten Pensionen. Man darf auch nicht vergessen: In Irland, Frankreich und den Niederlanden hat man damals so lange abstimmen lassen, bis das Ergebnis genehm war und gepasst hat. Wenn es zu Exit aus dem Brexit kommen würde wäre das das Ende der Demokratie.

Sie sind schon oft als Propheten aufgetreten und haben Recht behalten – mit dem Brexit, mit der Niedrigzinsphase. Was kommt noch?

FRIEDRICH: Negativzinsen, Bargeldabhebungsbeschränkungen, noch höhere Kontogebühren, noch mehr EU, noch mehr finanzielle Repression gegen die Sparer und Bürger, das Ende der Lebensversicherungen, das Platzen der Staatsanleihen- und Immobilienblase summa sumarum einen Crash der 2008 alt aussehen lassen wird. Mit den Lottozahlen oder wer Fussballeuropameister wird, können wir leider nicht dienen – noch nicht!

Zu den Personen

Matthias Weik befasst sich seit über zehn Jahren mit der globalen Wirtschaft und ihren Finanzmärkten. Arbeits- und Studienaufenthalte in Südamerika, Asien und Australien ermöglichten ihm Einblicke in das Wirtschaftsleben fremder Nationen. Parallel zu seiner Tätigkeit für einen deutschen Konzern hat er einen MBA erworben. Seit Jahren ist der Querdenker als unabhängiger Honorarberater tätig. Der 40-Jährige lebt im Remstal.

Marc Friedrich studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre und beschäftigte sich intensiv mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten. In Argentinien erlebte er 2001 einen Staatsbankrott und dessen verheerende Folgen. In Großbritannien, der Schweiz und den USA sammelte er  Arbeitserfahrungen. Mit Matthias Weik hält er Seminare und Fachvorträge bei Unternehmen, Verbänden, an Unis und Schulen. Friedrich ist 40 Jahre alt und wohnt ebenfalls im Remstal.

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