"Bloß nicht menstruieren"

"Bloß nicht menstruieren jetzt" lautet der Titel des neuen Programms. Dennoch zeigten sich "Eure Mütter" gewohnt komisch sowie recht erfindungsreich in ihrer musikalischen Comedy-Show, die begeisterte.

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"Sie haben Euch großgezogen und sie bumsen Eure Väter". Nur eine Gruppe hat das Privileg, sich mit dieser Direktheit vorzustellen: "Eure Mütter". Dazu vorab erst einmal eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst? Nun, wer nicht da war, hat ohne Frage eine gelungene Aneinanderreihung an Albernheiten, Situationskomik, Sketchen, Zoten und eingängigen Songs verpasst.

Und nun kommt die gute. Alle, die für die immer noch recht frechen Enddreißiger keine Zeit oder etwa keine Karten mehr bekommen hatten: Andi Kraus, Don Svezia und Matthias Weinmann ruhen sich nach ihrem charmeoffensiven Auftritt keinesfalls im Müttergenesungswerk aus, sondern sorgen am 13. Dezember abermals in Göppingen mit ihrem Programm "Bloß nicht menstruieren jetzt" für Schenkelklopfer und etliche Gluckser. Und das, obwohl zwei von ihnen am unheilbaren "Bockmangel" leiden - der noch zu allem Übel als behandlungswürdige Neurose einerseits von den Krankenkassen nicht anerkannt, andererseits von der Gesellschaft nicht wirklich ernst genommen wird. Fürwahr, eine von Andi und Matze fantastisch gesungene und vielen aus der Seele sprechende Klavier-Ballade, deren Titel allerdings so gar nicht zum ungebrochenen Esprit des Trios passen wollte.

Trotz des Programmtitels plagten sich die drei mit keinerlei Zyklusbeschwerden herum. Ganz im Gegenteil. Denn die bewundernswerte Fülle an Blödeleien in Form kreativer Sketche oder die allesamt mit angenehmer Stimme und Musikalität interpretierten Lieder unterstreicht nur deren Vielseitigkeit sowie die Liebe zum Detail.

Lanz war gestern, "Eure Mütter" sind heute - wie bei der mit Hingabe gespielten Talkrunde über das Thema "Die Kraft des Geistes". Herrlich blöd, wenn Professor Matze ohne Narkose, dafür aber unter Einsatz höchster Konzentration operiert und Patient Don sich dabei vor Schmerzen krümmt.

Gleichfalls lustig, Andis unanständige Simultanübersetzung von Herbert "Matze" Grönemeyers per Akustikgitarre in perfektem österreichisch vorgetragenen Kauderwelsch-Titel, den er singt, als hätte er einen heißen Marillenknödel verschluckt. Hemmungsloses Grimassenschneiden, alberne Wortspiele und raffinierte Texte, in denen von derb-deftig bis bieder-sanft nichts Menschliches fremd ist.

Ein Brüller, weil so schön schwäbisch-authentisch: Pastor Andi mit seiner hanebüchenen Jesus-Geschichte, die nicht minder die Lachnerven kitzelt wie der Wettbewerb "Ertrage das Saxofon" mit den nervigsten Blasinstrument-Soli der Popgeschichte und den sich dadurch vor Schmerz windenden Kandidaten.

Die Zuschauer steuerten nicht nur Beifall, sonder überdies ihr Wissen in Form eines beendeten Satzes bei - mit teils recht amüsanten Ergebnissen. Zum Schluss durfte natürlich das legendäre, hinreißend zelebrierte "Synchron-Haarewaschen" zum Flashdance-Song "What A Feeling" nicht fehlen. Das ist schließlich einer der Gründe, warum Auftritte von "Eure Mütter" stets ausverkauft sind und in tosendem Beifall versinken.

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