" Die Stärke ist die Natur"

Der Landkreis Göppingen bastelt an einem Tourismuskonzept. Dr. Heike Glatzel von der Unternehmensberatung "Futour" aus München, moderiert die Diskussion mit den Tourismus-Akteuren.

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Für das Tourismuskonzept im Landkreis Göppingen trägt Dr. Heike Glatzel die Puzzleteile zusammen. Foto: Privat

Würden Sie im Landkreis Göppingen Urlaub machen?

DR. HEIKE GLATZEL: Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel um zu wandern und lecker zu essen.

Hat der Kreis Göppingen Chancen im Tourismus?

GLATZEL: Auf jeden Fall. Die Frage wird sein, in welchem Umfang und wie intensiv Tourismus im Landkreis betrieben werden kann. Das wird sich im Laufe der Entwicklung des Tourismuskonzepts noch herausstellen. Stand heute kann ich sagen, dass der Landkreis große Potenziale hat. Nehmen Sie zum Beispiel die einzigartige Landschaft. Wieviel Tourismus möglich sein wird, hängt aber auch davon ab, wie stark sich die Akteure engagieren.

Sie haben den Auftrag, den Prozess zum Tourismuskonzept im Landkreis zu moderieren. Hätte Sie anders angesetzt, wenn Sie über Ihr Vorgehen hätten frei entscheiden können?

GLATZEL: Nein. Es ist vollkommen richtig, das Konzept zusammen mit den Akteuren zu entwickeln und sich auf die Erarbeitung von Besonderheiten und Marketingmaßnahmen zu konzentrieren. Die Akteure sind es, die dann sich und ihre Partner motivieren müssen, um den Prozess erfolgreich zu gestalten.

Wie kann sich der Kreis ein Stück aus dem Tourismuskuchen abschneiden?

GLATZEL: Durch Innovation. Zudem muss die Qualität auf einem hervorragenden Standard sein. Mit welchen Produkten und mit welchen Maßnahmen, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen.

Von welchen Tourismus-Träumen muss sich der Landkreis verabschieden?

GLATZEL: Also mit den Ortsbildern kann der Landkreis im Tourismus nicht punkten. Es gibt sicher gute Gründe dafür, warum hier in Dörfern und kleinen Städten oft ein Mittelpunkt fehlt mit Kirche, Marktplatz und ansprechender Bebauung drumherum. Aber dafür ist es umso wichtiger, dass die Atmosphäre in den Hotels und Gastronomiebetrieben stimmt. Die Stärken des Landkreises liegen in der Fläche, in der Natur.

Wie wichtig ist die Organisationsstruktur für den touristischen Erfolg?

GLATZEL: Das touristische Angebot ist das Entscheidende. Und die Frage, wie es vermarktet wird. Die Organisationsform ist dabei sekundär. Wichtig ist nur, dass diese finanziell gut ausgestattet ist und über ausreichend Personal verfügt. Ich denke, dass auch klar sein muss, welche Aufgaben vor Ort in der Gemeinde erfüllt werden müssen und welche Aufgaben eine überörtliche Ebene hat. Es spricht vieles dafür, sich nach Möglichkeit einer Organisation anzuschließen, die eine bekannte Destination vermarktet. Ob es sinnvoll ist, sich im Tourismusverband Schwäbische Alb zu engagieren oder in der Region Stuttgart, kann ich aber heute noch nicht beurteilen.

Wo sehen Sie die Stärken, wo die Schwächen im touristischen Angebot?

GLATZEL: Zum jetzigen Zeitpunkt muss man davon ausgehen, dass Landschaft, Natur und Wanderangebote zu den Stärken gehören. Und wie es scheint, auch die regionalen Produkte. Die Bäder haben auf jeden Fall auch Potenzial. Ob und inwieweit sich auch die Historie - Stichwort Staufer - vermarkten lässt, hängt damit zusammen, wie erlebbar die Geschichte für den Gast dargestellt wird. Schwächen sind sicher die Ortsbilder, das nicht sehr ausgeprägte Marketing nach innen und das Außenmarketing, was sicher mit den bisherigen Strukturen und der bisherigen Organisation zusammenhängt. Hier wird das Tourismuskonzept Antworten geben müssen.

Wie wichtig ist, dass die Bevölkerung sich mit den touristischen Zielen identifiziert?

GLATZEL: Mit den Zielen muss sich die Bevölkerung schon identifizieren. Denn die Maßnahmen, die ergriffen werden, treffen alle Bürger, wenngleich sie vielleicht nur bestimmten Akteuren im Tourismus zu Gute kommen. Wichtig ist, dass die touristischen Themen sich in der Region und in der Bevölkerung widerspiegeln, nur dann ist das nachhaltig. Und man muss sich im Klaren sein, dass man es im Tourismus nicht allen Recht machen kann. Dann ist Mut zu Entscheidungen gefragt.

Wagen Sie eine Prognose? Wie steht der Tourismus im Landkreis in zehn Jahren da?

GLATZEL: In zehn Jahren ist der Landkreis touristisch super aufgestellt und es ist viel Engagement zu spüren. Die zur Verfügung stehenden Finanzen erlauben Spielräume. Wenn man es will, steht der Landkreis in zehn Jahren gut da.

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