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Work and Travel in "Down Under"

Viele träumen davon, die Wenigsten trauen sich dann wirklich: Lena Prinzing aus Gussenstadt hat sich getraut und verbringt ein halbes Jahr mit "Work and Travel" in Australien. Die 20-Jährige erzählt, wie es ihr bislang ergangen ist.

"Nach dem Abitur habe ich mich, wie viele andere Gleichaltrige, für eine Auszeit vom Alltag und dem Gewohnten weit weg von daheim entschieden. Für mich war von Anfang an klar, dass mein Ziel Australien mit einem Abstecher nach Neuseeland sein würde. Der Grund war einfach: Australien ist einzigartig und übt spätestens seit der Work-and-Travel-Erfahrung meiner großen Schwester im Jahre 2006 einen großen Reiz auf mich aus.

Am 10. September 2012 hab ich mir meinen Traum erfüllt, bin um 23.55 Uhr in München ins Flugzeug gestiegen und nach 22 Stunden reiner Flugzeit mit zwei Zwischenstopps in Adelaide angekommen. Im Nachhinein betrachtet, kamen dann die zwei schlimmsten Tage in Australien: Allein in einem Vier-Bett-Zimmer in einer 1,2-Millionen Stadt bei Kälte und Regen. Da hat gleich mal das Heimweh zugeschlagen. Am 14. September gings dann zunächst mit dem Bus und anschließend mit der Fähre nach Kangaroo Island, der drittgrößten Insel Australiens, wo Verwandte von mir leben. Hier hat das Abenteuer "Work and Travel Australia" für mich richtig begonnen: Ich lebe auf einer Farm, 25 Kilometer von Kingscote, der Hauptstadt von "KI", zusammen mit meiner vierköpfigen "Adoptivfamilie". Vier Katzen, vier Hunde, vier Pferde und 8000 Schafe auf rund 1700 Hektar (für australische Begriffe eine kleine Farm) bilden den Rest.

Nachdem ich mich eingelebt hatte, hab ich mich auch gleich auf der Farm nützlich gemacht, um mein Bett und Essen zu verdienen. So habe ich auch die australische Version der Landwirtschaft kennengelernt. Dazu gehört unter anderem, die Lämmer "farmtauglich" zu machen. Dafür werden die Tiere in eine Art Karussell gesetzt und an jeder "Station" was anderes gemacht: Zunächst kommt eine Impfung (das war mein Part), an der nächsten wurden die männlichen Lämmer kastriert, dann bekamen alle ihre Ohrenmarken und zum Schluss mit der Brennschere die Schwänze gekürzt, damit die Tiere nicht zu sehr von Fliegen geplagt werden. Mit dieser Methode schafft man rund 700 Schafe am Tag - und ist am Ende aber auch selbst geschafft.

Da der durchschnittliche Backpacker immer knapp bei Kasse ist, hab ich mich schnell auf die Suche nach einem Job gemacht, um schon mal was auf die hohe Kante zu bringen - ich will ja noch reisen. Also Referenzen und Lebenslauf kopiert und freundlich lächelnd in sämtliche Cafés und Hotels der 1000-Einwohner-Stadt spaziert. Zu meiner Überraschung war meine Arbeitssuche bereits am ersten Tag erfolgreich: Im "Aurora Ozone Hotel" startete gerade die Touristensaison und es gab noch freie Jobs im Restaurantbereich. Am 25. September bin ich dann offiziell als "Waitress" (Bedienung) durchgestartet. Und das ohne jede Erfahrung in der Gastronomie! Alles was mein Chef verlangte war harte Arbeit, eine schnelle Auffassungsgabe und ein RSA-Zertitifikat (Responsible Service of Alcohol), das man in einigen Bundesstaaten Australiens für den Alkoholausschank in Gaststätten benötigt, aber ganz einfach in einem Onlinekurs erwerben kann. Der Job macht unheimlich viel Spaß, meine Kollegen sind mittlerweile zu einer eigenen kleinen Familie für mich geworden und auch an schlechten Tagen (und die gibt"s hier definitiv auch!) bauen sie dich mit ihrer offenen, lieben Art und ihrem trockenen Humor immer auf und versuchen, deine Zeit in ihrem Land zu einem vollen Erfolg zu machen.

Nachdem die Jobsuche ein voller Erfolg war, fehlte nur noch ein geeigneter fahrbarer Untersatz, um von der Farm zur Arbeit zu kommen. Außer Schulbussen gibts auf der gesamten Insel keine öffentlichen Verkehrsmittel. Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin eines Holden Commodor V6. Solide, alt und perfekt geeignet, zur Arbeit zu kommen und ab Mitte Dezember bis Juli dann Australien auf eigene Faust zu erkunden.

Ein eigenes Auto bringt allerdings eine weniger schöne Seite Australiens zum Vorschein: Immer wieder begegnen mir nachts auf dem Heimweg von der Arbeit Kängurus und Opossums, die diese Begegnung meist nicht überleben. Bei der ersten Begegnung bin ich noch ausgewichen, was das Opossum definitiv - und mich fast das Leben gekostet hätte. Die Australier haben mir daraufhin freundlich, aber bestimmt beigebracht, dass es zwar unschön ist, die Tiere zu überfahren, die meisten Unfälle aber passieren, weil Autofahrer versuchen, ihnen auszuweichen. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er so in einer Nacht unfreiwillig 53 (!) Opossums "erlegt" hat. Den Rekord werde ich hoffentlich nicht brechen.

Aber Australien hat auch seine schönen Seiten: Kangaroo Island besitzt kilometerlange herrliche weiße Sandstrände, eine Seelöwenkolonie, Koalas, Wallabys und Kängurus, mit denen man im Parnadana Wildlife Park sogar auf Tuchfühlung gehen kann. Und so verbringe ich meine Freizeit meist mit meiner australischen Gastfamilie und Freunden am Strand, mit Geländewagentouren über die Farm und in der Umgebung und entdecke die einmalig schöne Insel mit ihren traumhaften Landschaften und Tieren immer wieder aufs Neue."

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