Wer kennt die "Nana"?

Göppingen.  Wenn am 25. November in Göppingen weitere Stolpersteine verlegt werden, sind Nachkommen der Familie Frankfurter dabei. Diese würden gerne die Angehörigen von Emilie Eisele treffen.

Auch in Göppingen werden Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt. Sie erinnern an Menschen, die von Nationalsozialisten ermordet worden waren. In der Hohenstaufenstadt ist es guter Brauch, dazu auch Überlebende und Angehörige der Ermordeten einzuladen. Wenn im Herbst wieder Steine verlegt werden, werden Nachfahren der Familie Frankfurter dabei sein. Und die würden gerne Angehörige von Emilie Eisele treffen. Die war der Familie sehr verbunden gewesen, hatte auch in dunklen Zeiten zu ihr gestanden. Bislang ist es Klaus Maier-Rubner von der "Initiative Stolperstein" aber nicht gelungen, Angehörige zu finden.

Emilie Grupp war am 13. März 1887 in Groß-Eislingen katholisch geboren. 1910 heiratete sie den Eisengießer Alois Eisele, der im Ersten Weltkrieg fiel. "Sie wurde als Kinderschwester bei Ilse und Heinrich Frankfurter eingestellt", weiß Maier-Rubner aus Kontakten mit der Tochter. Die Nana betreute die 1935 geborene Ruth, die heute Adler zum Nachnamen hat, und ihren drei Jahre jüngeren Bruder Michael. Bei ihr blieben die Kinder auch, als die Frankfurters im September 1938 zunächst ohne die Kinder nach Palästina auswanderten.

"Nana kam dann am 27. Dezember 1938 mit meinem Bruder Michael und mir nach. Es war vorgesehen, dass Nana dauerhaft bei uns in Tel Aviv bleiben sollte. Das war ihr Wunsch, der meiner Eltern und natürlich meiner. Wahrscheinlich hat sie als Deutsche aber keine Aufenthaltserlaubnis von der britischen Mandatsregierung bekommen", so Ruth Adler. Zurück in Göppingen, kümmerte sie sich um Sigmund und Hedwig Frankfurter. Wie eng deren Verhältnis zur Nana war, verdeutlichen die Briefe, die sich erhalten haben. "Als Sigmund, Nana und ich vor fünf Wochen beim gewohnten Gaigel (schwäbische Variante des Kartenspiels Sechsundsechszig, Anm. der Redaktion) saßen, bekam Nana einen Herzkollaps, bei dem ich sofort sah, daß er sehr ernst war. Und so erwies es sich auch. Vier Wochen lang waren wir in steter Sorge", schrieb Hedwig. Und auch, dass sich die Nana nur sehr langsam erholt, dass sie zur Erholung ins Allgäu gefahren ist und ihre Rückkehr eine "bedeutende Entlastung" für die Familie war. Freilich muss sie die Frankfurters bald verlassen und so schreibt die jüdische "Thilde" im Dezember 1941 von "sehr trüben Weihnachten, die wir heuer hatten". Selbst in Theresienstadt denkt sie an die Nana: "Ich bin sehr traurig, daß Nana nie schreibt. . . Ist sie gesund?" erkundigt sie sich im März 1944. Die Nana verstarb am 15. September 1971 in Göppingen.

Klaus Maier-Rubner konnte bislang nicht recherchieren, wo sie bestattet wurde. Auch fehlen ihm Daten für die Zeit nach 1946. Damals erwähnte sie in einem Brief einen Neffen. Ruth Adler erinnert sich an Verwandte mit Namen Samendinger. "Frau Eisele muss also eine Schwester gehabt haben", so Maier-Rubner. Er sucht "Menschen in Göppingen, die sich an Emilie Eisele erinnern". Und "vielleicht weiß auch jemand, wo ihr Grab ist".

Info Unter www.stolpersteine-gp.de sind die Lebensläufe der Menschen, für die Stolpersteine verlegt sind, aufgeführt.


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Autor: MARGIT HAAS | 23.08.2011

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