Wenn Massen feiern, wollen auch viele verdienen

Göppingen.  Auch im Kreis Göppingen ist Public Viewing nicht mehr wegzudenken. Am Sonntag erwarten die Veranstalter wieder einen Ansturm - über die fälligen Gema-Gebühren gehen die Meinungen aber noch auseinander.

Die Fußball-WM mobilisiert auch im Kreis Göppingen die Fans. In Dutzenden Gaststätten, Biergärten und Zelten stehen die Großbild-Fernseher. Vor allem bei den beiden größten Public-Viewing-Veranstaltungen in Göppingen auf dem Kornhausplatz und in der EWS-Arena herrschte bei den Spielen der deutschen Mannschaft schon enormer Andrang. Die Besucherzahlen gingen in die Tausende. Das soll auch am Sonntag beim Spiel gegen England wieder so sein. Und prompt offenbaren sich zwischen den Veranstaltern und der Verwertungsgesellschaft Gema unterschiedliche Ansichten über die fälligen Gebühren. "Rund um die Wettkämpfe gehört Musik zum festen Bestandteil der Fernsehübertragungen", heißt es auf der Internetseite der Gema. "Wird Musik im Rahmen von Public-Viewing-Angeboten wiedergegeben, benötigt der Veranstalter eine Lizenz von der Gema." Die Verwerter unterscheiden zwischen verschiedenen Kategorien: Wirte, die nur ihren Biergarten, die Terrasse, oder Gastraum fürs Fußballschauen nutzen, bekommen Sondertarife. Die liegen je nach Bildschirmgröße zwischen 25 und 144 Euro für vier die ganzen Wochen. Dagegen will die Gema bei "Public Viewing mit Veranstaltungscharakter" saftige Gebühren sehen, die sich schnell im vier- oder fünfstelligen Bereich bewegen. Solche Veranstaltungen würden in der Regel speziell beworben, es werde Eintritt oder sonstiges Entgelt verlangt oder es gebe zusätzliche Angebote wie Imbissstände oder ein Rahmenprogramm. Man müsse sich zwar jeden Einzelfall ansehen, meint Pressesprecherin Gaby Schilcher. Nach Definition der Gema seien beide großen Public-Viewing-Stätten in Göppingen angemeldet, hätten aber ganz klar Veranstaltungscharakter: "Deutlicher geht es fast nicht", sagt die Gema-Sprecherin.

Dagegen macht Oliver Sihler, Organisator des Public Viewing in der EWS-Arena, eine andere Rechnung auf. Die Arena-Betreiber hätten sich über den Gaststättenverband Dehoga bereits den Sondertarif von wenigen hundert Euro für die ganze WM gesichert, berichtet er. Und auch Prokopios Katevas, Wirt des Rock-Café am Kornhausplatz, will nicht so recht einsehen, dass er, wie von der Gema verlangt 27 Einzelveranstaltungen mit jeweils 900 Quadratmeter abrechnen soll. Notfalls werde er das von Juristen klären lassen, meint der Wirt. Er betont, dass er keinen Eintritt verlange und ohnehin schon enorm hohe Kosten für seine Veranstaltung habe, die am Ende keinen Gewinn abwerfen.

Dagegen scheint es um die noch vor vier Jahren, zur Fußball-WM heiß diskutierten Lizenzgebühren an den Fußball-Weltverband Fifa ruhig geworden zu sein. Zwar verlangt die Fifa auch zur laufenden Weltmeisterschaft vierstellige Sätze, allerdings nur für "kommerzielle" Public-Viewing-Veranstaltungen. Wo die Grenze zum Kommerz beginnt, bleibt auf der Fifa-Homepage zunächst offen. Als Richtschnur gelten wohl die Eintrittsgelder. Allerdings seien auch Sponsoring und Mindestverzehr-Regeln verboten.

Veranstalter wie der EWS-Organisator Oliver Sihler fühlen sich deshalb auf der sicheren Seite. Kommerziell nach Fifa-Regeln werde es erst, wenn Eintritt verlangt und die Getränkepreise eigens erhöht werden. In der EWS-Arena sei beides aber nicht der Fall.

Tatsächlich ergab eine schriftliche Anfrage der NWZ an den Fußball-Weltverband in Zürich, dass von den 1571 in Deutschland lizensierten Veranstaltungen "die allermeisten nicht kommerziellen Charakter haben"- also kostenlos sind.


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Autor: ARND WOLETZ | 26.06.2010

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