Von Nullen und Einsen im Chip

Göppingen.  Wie schnell die Chips im Computer rechnen - und wie sie überhaupt funktionieren, haben die Teilnehmer der Kinder-Uni in Göppingen in einer anschaulichen Vorlesung erfahren.

Gleich zu Beginn zieht Uwe Geisler die Nachwuchs-Studierenden in seinen Bann: "Wie hat er das gemacht?", fragen die Buben und Mädchen. Die Übung: Ein Schüler merkt sich eines der 16 Bilder, die an die Wand projiziert sind. Ein paar unverfängliche Fragen, ein paar Klicks auf dem Bildschirm - und schon weiß Geisler, welches Motiv es sein muss. Und er hatte immer recht. Will er an diesem Nachmittag zaubern? Eigentlich steht doch das Thema "Wieso stecken Chips im Computer?" auf dem Programm. Es ist kein Trick - keine Hexerei, sondern logisches Rechnen - das haben die Kinder aber ohnehin schon vermutet. Doch der Reihe nach: Uwe Geisler nimmt die Schüler mit auf eine einstündige Reise in die Welt der Computerchips. Was die Technik kann, wissen alle: Chips stecken in MP3-Playern, Handys, Steuerungen und natürlich auch in Computern. Und es ist kein Zufall, dass der mit seinen vielen Chips so heißt. Übersetzt heißt das Wort "Computer" nichts anderes, als "Rechner". Und genau das tun die vielen Mikrochips: rechnen.

Anhand von alltäglichen Mitteln und Beispielen wie Lampen und Steckdosenleisten, die hintereinander geschaltet waren, erklärt der Experte den jungen Studierenden, wie so ein Chip funktioniert. Der Schlüssel ist das Binärsystem, in dem nur mit Nullen und Einsen gerechnet wird. Auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Wenn Uwe Geisler das aber mit einer selbst gebauten Zählmaschine aus Filmdosen macht, kann man das durchaus verstehen. Er erklärt den Kindern, dass anhand dieser Zählung im zweiten Schritt auch gerechnet werden kann. Das bekommen auch die Kinder schnell hin. Und nichts anderes macht auch der Computer zu Hause - nur eben viel kleiner und noch viel schneller.

Dass das nicht immer so war, erfahren die Kinder auch. Ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Konrad Zuse hatte einst die erste Rechenmaschine, den ersten Computer erfunden - 1941. Ein riesiges raumfüllendes Ding, mehrere Meter groß mit rund 2500 Relais, also kleinen einzelnen Steuerungen. Dafür aber noch mit recht wenig Rechenleistung. Die Basis dafür wiederum war eben das Binärsystem, das Gottfried Wilhelm Leibniz bereits im 17. Jahrhundert entwickelt hatte - und praktisch viele Jahre nicht genutzt wurde. Nach Zuses Entwicklung ging es schnell, die Computer wurden immer kleiner, denn die Relais und Chips wurden ebenfalls immer leistungsfähiger und schmaler. Dass in modernen Rechner fast eine Milliarde mehr Rechenleistung herrscht als in der einen Schaltung, die die Kinder gemeinsam mit Uwe Geisler entdeckt haben, erstaunt. Uwe Geisler hat es eindrucksvoll geschafft, die Kinder zu verzaubern - nicht mit Tricks, sondern mit Technik. Eine sehr anschauliche und kurzweilige Vorlesung der Kinder-Uni in Göppingen, zu der rund 100 Kinder gekommen waren.


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