"Verrückt? Na und!"

Die Zahl psychisch Kranker steigt und damit auch die Zahl derer, die mittelbar mit der Problematik konfrontiert sind. Das Projekt "Verrückt? Na und!" des Vereins Viadukt will Schüler sensibilisieren.

MARGIT HAAS |

"Bekloppt! Einen Sprung in der Schüssel! Verrückt!" Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es schwer. Sie müssen nicht nur mit ihrer Krankheit leben, sie sind auch noch Vorurteilen anderer ausgesetzt. Dem will das Projekt "Verrückt? Na und!" entgegen wirken. Anja Federle von "Viadukt - Hilfen für psychisch Kranke" geht mit ihrem Kollegen Johannes Räpple in Schulen, wirbt dort für mehr Toleranz, klärt über Ursachen auf, ermuntert die Schüler, fairer im Umgang mit anderen zu sein.

Betroffen und berührt sind die Schüler der Klasse 8 b der Haldenberg-Realschule an diesem Morgen, als eine ihrer Klassenkameradinnen offen berichtet: "Meine Mama hat auch Depressionen und war ein halbes Jahr in der Klinik." Es macht deutlich, dass immer mehr Menschen unter psychischen Erkrankungen leiden, und dass damit auch die Zahl der mittelbar Betroffenen steigt, dass Familien und Kinder sich immer häufiger mit ganz unterschiedlichen und oft für sie schwer greifbaren Krankheitsbildern auseinander setzen müssen. Gleichwohl werden psychisch Kranke noch immer vielfach ausgegrenzt und diskriminiert, als Verrückte abgestempelt und belächelt.

Das Schulprojekt "Verrückt? Na und!" sei ein weiterer Schritt, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren. Die Schüler sollen Mut bekommen, über sich selbst nachzudenken und zu sprechen. Sie sollen aber auch Medien kritisch hinterfragen und Vorurteile wahrnehmen. "Wir wollen aufzeigen, dass sich viele psychische Störungen in der Kindheit und Jugend, der wichtigsten Zeit für eine gute gesundheitliche Entwicklung und Sozialisation, manifestieren."

Einen ganzen Vormittag lang befasst sich die Klasse mit dem Thema, setzt sich mit den eigenen Vorstellungen vom Leben auseinander und spricht mit einer Betroffenen. Dass diese offen mit ihrer Krankheit und ihrer Vorgeschichte umgeht, ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Denn vom sexuellen Missbrauch eines Kindes in den Medien zu hören oder zu lesen, ist das eine. Einer Betroffenen gegenüber zu sitzen, verunsichert sichtbar. Zögerlich kommen die Fragen zunächst, dann wollen die Schüler wissen, wie die Therapie aussieht, welche Erfahrungen sie gemacht hat und ob sie heute "gesund" ist. Dabei wird schnell klar, dass der Begriff relativ ist. "Denn, wenn ein seltsames Verhalten verrückt ist, dann wären wir ja alle verrückt", stellt eine Schülerin fest. Und spätestens bei der Frage von Anja Federle nach Phobien, wird deutlich, dass mit dem Begriff "verrückt" oft leichtfertig umgegangen wird.

Am Ende der sechs Stunden waren sich alle mit Lara einig: "Es war sehr interessant, mit einer Betroffenen direkt zu sprechen." Justin will noch mehr von diesem Thema erfahren und Julia fand positiv, "dass auf alle unsere Fragen detailliert eingegangen wurde". Ein Besuch im Psychiatriemuseum "MuSeele" im Christophsbad Göppingen schloss das Projekt ab.

Info Das Projekt "Verrückt? Na und!" wendet sich an Schüler ab der achten Klasse. Informationen bei Anja Federle Telefon: (07161) 656160 oder unter www.viadukt-gp.de

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