Umstellung mit Hindernissen

Zell u. A.  Die Umstellung der Müllabfuhr auf Seitenlader ist nicht reibungslos verlaufen. Beschwerden gibt es in mindestens zwei Straßen in Zell. Darüber hinaus geht die ETG etlichen Reklamationen nach.

Wieviele Beschwerden bei der ETG eingingen, die jetzt den Kreis komplett versorgt und in weiten Bereichen mit Seitenladern arbeitet, kann Geschäftsführerin Beate Schwarz nicht sagen. Nicht hunderte, auch keine hundert, versichert sie. "Das liegt im Promillebereich, gemessen an 110 000 Haushalten, drei Stellen hinterm Komma."

Die Beschwerde von Bettina Börner aus Zell hat die ETG offenbar nicht erreicht. Die Anwohnerin der Hirschstraße ärgert sich, dass die Mülltonnen an der Südseite der Straße aufzustellen sind, die abends und morgens zugeparkt ist. Warum nicht auf der anderen Straßenseite, die frei sei? fragt sie. So müssten die Tonnen in Lücken gestellt werden, und das heiße: vor Einfahrten. Oder die Mülltonnen stünden vor geparkten Autos, beim Wegfahren müsse man sie beiseite stellen.

Ein Nachbar bestätigt: "Das ist ungeschickt." Er schiebt jetzt seine Mülltonne bis vor zur Einmündung Kirchheimer Straße, wo sich die nächste Lücke auftut. Im Mehrfamilienhaus nebenan behilft man sich mit Absprachen. "Einer im Haus bringt die Mülltonnen raus, wenn sich gegenüber eine Lücke auftut", sagt eine Bewohnerin. Sie wäre sonst aufgeschmissen, weil sie morgens zur Arbeit muss.

Hans Steinmacher vom Gießweg will kein Rebell sein. Aber er sträubt sich, seine Mülltonne auf die andere Straßenseite zu bringen. Das sei Bordstein runter, Bordstein rauf, mit einem vollen 240-Liter-Eimer. Das sei eine Verschlechterung des Services, übrigens für das halbe Dorf, und eine Leerung koste ihn immerhin zehn Euro. Und was sei bei Schnee, da müsste er ja über zwei Schneehäufen drüber, die der Schneepflug aufwerfe. Seine Frau würde das gar nicht schaffen.

Nachbar Michael Dreher findet noch anderes ärgerlich. Bisher habe man die Mülltonnen so hingestellt, dass sie nicht störten. Jetzt müsse man sie in Reihe aufstellen und blockiere damit den Gehweg. "Eine Seniorin mit Rollator kommt da nicht mehr durch, die muss vom Gehsteig runter." An die Schwächeren in der Gesellschaft denke man nicht, schimpft er, Stück für Stück würden die öffentlichen Dienstleistungen zu ihren Lasten eingeschränkt.

Nachbar Walter Dahlmann, der an einem Stichweg wohnt, bringt jetzt seinen Mülleimer 30 Meter bis zu einer Sammelstelle. Für ihn "kein Ärgernis". Aber er fragt: "Dürfen Mülleimer auf dem Gehweg stehen?" Antwort von ETG-Geschäftsführerin Schwarz: "Ja, solange man vorbeikommt. Wenn nicht, müssen wir vor Ort Lösungen suchen."

Im Gießweg sind die Meinungen geteilt. "Wo ist das Problem?" fragt ein Rentner, der seine Mülltonne klaglos auf die andere Straßenseite stellt und gleich noch andere ausrichtet. "Das ist schon ein bisschen zum Ärgern", klagt dagegen eine Seniorin. Eine Nachbarin, die im Handel arbeitet, fühlt sich als Schachfigur des Müllabfuhr-Pokers. Der vorige Entsorger hatte keine Seitenlader, und sie als Kundin bekomme nun die Mehrarbeit, dass ein anderer habe billiger anbieten können.


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 07.02.2012

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