Umjubeltes Meisterkonzert in Göppinger Stadthalle

Sofort sprang der Funke über im zweiten Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle. Zu Gast war ein Trio aus Weltklassemusikern: Sabine Meyer (Klarinette), Daniel Hope (Violine) und Sebastian Knauer (Klavier).

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Die drei Weltklassemusikern (Sabine Meyer, Klarinette; Daniel Hope, Violine; Sebastian Knauer, Klavier) verband beim Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle von der ersten bis zur letzten Note phänomenale Spieltechnik mit treffsicherem Geschmack. Das Programm mit Werken von Strawinsky, Ravel, Milhaud und Bartok durchzog ein roter Faden: Tänzerisches aus dem Amerika der 20er Jahre mit all seiner Lebensfreude, vitalen Kraft und bisweilen auch mit einem Schuss augenzwinkernder Sentimentalität traf auf europäische Raffinesse und Virtuosität.

Es lohnt der Blick aufs Detail: Federnd und dabei ebenso kraftvoll ging das Trio Igor Strawinskys Suite aus "L'histoire du soldat" an. Die Urwüchsigkeit dieses für eine Wanderbühne konzipierten Werks mischte sich mit permanenten sehr anspruchsvollen Wechseln, wobei Daniel Hopes Körpersprache zusätzliches Vergnügen bereitete. Ravels "Sonate G-Dur für Violine und Klavier" zeichnet sich durch ein schlankes Klangkolorit voller Zwischentöne aus. Ein Blues, mit den Ohren eines Impressionisten gehört, gewann dadurch an Fluss und französischem Charme. Hier konnte der stets kongenial begleitende Pianist Sebastian Knauer auch eigene Akzente setzen. Ansonsten wirkte er durchweg als stabilisierender und animierender Rhythmusgeber.

Das atemberaubende abschließende "Perpetuum mobile" riss das Publikum zu brausendem Beifall hin. Es folgte zweimal Darius Milhaud. Zuerst setzte Sabine Meyer das Spitzenniveau fort im Opus 165 für Klarinette und Klavier. Der Titel "Scaramouche" weist auf den "König der Aufschneider" in der venezianischen Commedia dell'Arte hin, der mit Witz, Hemmungslosigkeit, Hinterlist und Nonchalance seine Zuschauer für sich einnimmt. Das setzte das Duo in Töne um: Es begann mit gepfeffertem Witz, hielt in einem ausgiebigen Blues inne, um dann in einer feurigen "Brasileira" die Puppen tanzen zu lassen.

Im zweiten Werk, "Suite Le voyageur sans bagage" opus 157b, reduzierte sich das Trio immer wieder zum Duo zwischen Klarinette und Violine, die darin ein feines Frage- und Antwortspiel aufzogen. In den abschließenden "Kontraste(n)" Sz. 111 von Bela Bartok war unüberhörbar, dass der Komponist immer aus dem Schatz ungarischer Volksmusik geschöpft hat. Dies wurde auch dadurch augenfällig, dass Hope in fliegenden Wechseln eine zweite, speziell gestimmte Geige einsetzte.

Immer wieder steigert Bartok das thematische Material bis ins Extrem, so dass eine dichte Atmosphäre entstand. Dem souverän musizierenden Trio gelang aber auch hier, hinter aller fast aberwitziger Virtuosität, den versteckten Witz aufleuchten zu lassen. Zwei Zugaben: eine rassige Polka und ein seelenvolles Prélude von Schostakowitsch waren pures Musiziervergnügen und wurden in Göppingen zurecht bejubelt.

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