UMFRAGE · MÄRKLIN: iPod sticht Modelleisenbahn

Göppingen.  Ist die Modelleisenbahn noch in Kinderzimmern präsent? Lassen sich Jugendliche im Zeitalter von PC und iPod von Dampflokomotiven und Modellbau begeistern? Wir haben uns bei den Märklin-Tagen umgehört.

Mit seinem Vater ist Frederic Steckling aus Leverkusen zu den Märklin-Tagen angereist. Bereits zum fünften Mal besuchen Vater und Sohn Göppingen aus diesem Anlass. Frederic selbst besitzt keine eigene Modelleisenbahn, dafür aber sein Vater. Von ihm hat er auch die Leidenschaft für Lokomotiven geerbt. Das mangelnde Interesse vieler Jugendlicher an Modelleisenbahnen erklärt sich der 14-Jährige mit iPod, iPhone und Spielekonsolen.

"Ich interessiere mich nicht so sehr für Eisenbahnen. Aber ich bin ja auch ein Mädchen", sagt Meike Jester, in deren Freundeskreis es auch keinerlei Modelleisenbahnfans gibt. Gründe dafür seien mangelnde Sammelbegeisterung und der Unterschied der heutigen iPhone-Generation zu ihren Vorgängern. Dennoch wäre es für sie nicht abschreckend, jemanden kennen zu lernen, der Loks sammelt. "Wäre es jemand, der 60 Stück besitzt, wäre das zwar ein bisschen komisch", lacht die 23-Jährige, "aber es kommt auf andere Werte an."

Das erste Mal bei den Märklin-Tagen ist der 24-jährige Markus Wellaczek. Der gebürtige Aalener baut selbst Eisenbahnen im 1:10-Maßstab, so genannte Fünf-Zoll-Eisenbahnen, auf denen an besonderen Fahrtagen auch Personen mitfahren. Das Interesse hat auch er vom Vater mit auf den Weg bekommen. Zwar teilen Markus Freunde sein Hobby, generell habe das Interesse unter Jugendlichen an Modelleisenbahnen abgenommen. Das komme auch daher, dass die Computer-Generation mit "solchen Sachen gar nicht mehr in Berührung kommt". In echt fahre so etwas ja nicht mehr. Heute gelte ein Interesse für Modellbahnen als uncool und sei auch viel zu teuer. Schließlich könne sich kein Kind mehr eine Modelleisenbahn leisten.

"Früher hatte das Spielen etwas Schönes. Die heutige Generation hat aber kein Interesse mehr an Spielgegenständen zum Anfassen", stellt Judith Klause aus Tübingen fest. Sie selbst besaß zwar nie eine Modelleisenbahn, findet aber generell den Interesseverlust daran "traurig". "Die Jugend ist durch Medien wie Fernseher und Computer verwöhnt. Sie hat keine Fantasie mehr."

Anders dürfte das wohl bei Felix Binder (12) und Jonas Binder (10) sein. In der Ulmer Familie hat das Interesse an Modellbahnen schon Tradition: Der Vater der beiden hat seine Modelleisenbahnen von seinem Vater. Die beiden Brüder benutzen eine 30 Jahre alte Modelleisenbahn vom Vater zum Spielen, hätten gerne aber eine eigene.


Kommentare (1)

20.09.2011 07:23 Uhr |   79andreas

zu teuer

Die Modellbahn ist zu teuer, aber alle zwei Jahre nen neuen Computer für 500 - 1000 Euro, das geht???

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Autor: KARINA ERSOV MARIA KRELL | 19.09.2011

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