UMFRAGE · KUNST AM ROTH-CARRÉE: Hajeks Triptychon umstritten
Göppingen. Otto Herbert Hajeks Triptychon ist seit kurzem beim Roth-Carrée zu sehen. Die wenigsten haben das Relief bislang bemerkt. Der erste Eindruck bei Göppingens Passanten ist unterschiedlich - die NWZ hakte nach.
Der 62-jährige Josef Gerner war einer von vielen Fußgängern, denen das neue Kunstwerk an diesem Tag zum ersten Mal aufgefallen ist. "Obwohl ich ein Kunstbanause bin, bin ich der Meinung, dass unsere Welt ohne Kunst sehr viel leerer und ärmer wäre", so der gelernte Altenpfleger. "Kunst ist das Salz und Pfeffer in der Suppe." Für sein Wohnzimmer oder Garten sei das Relief zwar nichts, dennoch peppe das Werk die Betonwand auf, meint der Heininger lachend. "Kunst ist eben Geschmackssache."
Auch Derya Duran hätte das "Triptychon" beinahe übersehen. "Eigentlich muss Kunst für mich eine Geschichte erzählen - trotzdem gefällt mir dieses Werk", sagt die Göppingerin. "Durch die Betonwand wird das Relief unscheinbar", erklärt die 22-jährige Studentin nach kurzem Betrachten. Dennoch ist sie der Ansicht, dass Kunstwerke wie dieses die Stadt Göppingen bereichern. "Davon gibt es hier auf jeden Fall zu wenig", betont sie. "Das Werk von Otto Herbert Hajek sei moderne Kunst und passe daher gut in die moderne Stadt Göppingen", fügt sie hinzu.
Neben dem Wandrelief standen noch weitere Kunstwerke zur Auswahl. Der Rechberghäuserin Diana Stark hätte beispielsweise eine Barbarossa-Reiterstatue, die ebenfalls im Gespräch war, mehr zugesagt. "Eine Barbarossa-Statue würde vom Grundgedanken eigentlich besser zur Hohenstaufenstadt Göppingen passen." Ihr persönlich ist Hajeks Relief zu abstrakt, dennoch "passt es hier besser hin als eine sperrige Statue", wie die 68-jährige Rentnerin meint.
Auch Marion Angerer aus Göppingen findet: "Eine Statue wäre hier fehl am Platz." Die 47-Jährige ist in Sachen Kunst offen: "Ich habe auch was für Graffiti übrig, solange es schön gemacht und legal ist." An "Triptychon" gefallen ihr vor allem Symmetrie und Muster, die "sehr schlicht, beruhigend und gradlinig, sind". Gerade an der kahlen Betonwand mache das "gute Stück" etwas her. "Das richtige Motiv am richtigen Platz", wie die selbständige Kauffrau zusammenfasst.
Für Songül Tosun aus Göppingen muss Kunst zum Nachdenken anregen: "Ich finde es wichtig, dass künstlerische Werke aussagekräftig sind und schön anzusehen." Der 32-jährigen Altenpflegerin sagt das Kunstwerk von Hajek zwar zu, dennoch gibt sie zu bedenken, dass das Relief an der grauen Wand nur wenig zur Geltung komme. "Schade", findet sie. Zwar sei ihr egal, ob der Künstler aus Göppingen komme, jedoch "fände ich eine Barbarossa-Reiterstatue für hier passender".
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Autor: VERENA HERWIG KATHARINA HEIDE | 19.03.2010
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Josef Gerner meint, dass "unsere Welt ohne Kunst sehr viel leerer und ärmer wäre".
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