Trotz Schnee und Eis: Nachts kein Räumdienst

Kreis Göppingen.  Das nächtliche Wintergewitter hat's an den Tag gebracht: Bei der Straßenmeisterei im Kreis Göppingen werden Arbeitszeiten strikter eingehalten als früher. Zwischen 22 und 4 Uhr bleiben die Räumfahrzeuge auf dem Hof - auch bei Schneefall.

Der Geislinger Taxi-Unternehmer Dieter Baudisch hat in der Nacht zum Samstag vor dem Schnee kapituliert. Auf der Waldhauser Steige gabs nach dem Wintergewitter kein Weiterkommen mehr. Baudisch empfahl seinem Fahrgast gegen 2.30 Uhr, zu Fuß nach Waldhausen zu stapfen.

Seit dieser Nacht ist Baudisch nicht mehr gut auf die Verantwortlichen für die Räumdienste zu sprechen. Und dabei gehts ihm nicht nur um seine Branche, sondern auch um Notarzt und Feuerwehren, die keine Chance hätten, an die Einsatzorte zu gelangen.

Bei der zuständigen Straßenmeisterei ist das Problem bekannt, doch dort gilt die Vorgabe, zwischen 22 und 4 Uhr möglichst nicht auszurücken. "Wir schaffen nach Vorgabe", wehrt sich deshalb Georg Lauwitz, Leiter der Geislinger Straßenmeisterei, gegen die Kritik. In den Nachtstunden dürften seine Schneepflüge nur noch "im Notfall" ausrücken. Doch die Ansichten, wann es sich um einen solchen handelt, gehen offenbar auseinander. Jedenfalls steht für Lauwitz fest: "Schneefall ist kein Notfall."

Freilich, wann dieser eintritt, vermag auch seine Vorgesetzte im Kirchheimer Straßenbauamt nicht genau zu sagen. Hatte man vor einigen Jahren beispielsweise bei einem plötzlichen Schneechaos im Raum Böhmenkirch mit allen verfügbaren Kräften die Straßen freigeräumt, um sie im Notfall für Feuerwehren und Krankenwagen befahrbar zu halten, so scheint ähnliches in den Nachtstunden nun nicht mehr grundsätzlich vorgesehen zu sein. Denn seit sich mit der jüngsten Verwaltungsreform die Zuständigkeiten für die Straßen geändert haben und nun die Landkreise auch den Räumdienst organisieren müssen, wird offenbar stärker auf die Einhaltung der Arbeitszeiten gepocht. Vor allem aber: Überstunden müssen genau begründet werden und dürfen offenbar nicht mehr ohne weiteres anfallen. Wie es heißt, sollen die Chefs inzwischen massiv gedrängt werden, keine Überstunden anfallen zu lassen. Aber nicht um Kosten zu sparen, wie Brigitte Schnizler betont, die beim Kirchheimer Straßenbauamt für den Bereich Betrieb zuständig ist. Viel mehr werde im Interesse der Schneepflugfahrer auf deren Arbeitsschutz und Verkehrssicherheit geachtet. Seien die Männer früher bis zu 14 Stunden ununterbrochen unterwegs gewesen, so dürften es jetzt allenfalls zehn sein. Dabei handle es sich im Übrigen um eine Vorgabe des Bundes.

Letztlich jedoch, das lässt Schnizler durchblicken, gehts dennoch ums Geld: Um unter Einhaltung dieser Arbeitszeiten bei Bedarf auch nachts räumen zu können, müsste eine zusätzliche dritte Schicht eingerichtet werden, wozu mehr Personal erforderlich wäre.

Diese Einteilung ist jedoch nur für Autobahnen und autobahnähnliche Straßen vorgesehen. Insgesamt ist die Kirchheimer Dienststelle unterm Dach des Landratsamtes Esslingen und dort in Kooperation mit dem Landkreis Göppingen für 1100 Kilometer Kreis-, Landes- und Bundesstraßen zuständig, wofür 43 Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Zuständig sind sie überwiegend für außerörtliche Straßen - und zu einem Teil auch noch für Bundesstraßen auf Stuttgarter Gemarkung.

Mit den Arbeitszeiten scheint mans bei der Geislinger Stadtverwaltung flexibler anzugehen. Zwar ist auch dort normalerweise gegen 22 Uhr Schluss, doch war in der Nacht zum Samstag ein Fahrzeug bereits um 2 Uhr unterwegs. "Es kommt auf die Situation an", erklärt Bauhofleiter Traugott Osswald, dessen Räumfahrzeuge innerhalb Geislingens auch für die übergeordneten Durchgangsstraßen zuständig sind. Ähnlich sieht es Hans-Dieter Schöfisch von der Straßenmeisterei Merklingen im Alb-Donau-Kreis. Dort sind die Fahrzeuge bei Bedarf noch um Mitternacht unterwegs. Wenn "Not am Mann ist", werde auch nachts dafür gesorgt, dass wichtige Straßenverbindungen passierbar blieben.

Die Räumdienste werden weiterhin mit Eis und Schnee kämpfen müssen. Probleme bereitet dabei das Streusalz. Weil der Bedarf in ganz Deutschland groß ist, wurde es inzwischen knapp. Die Produzenten, wie etwa jener aus Heilbronn, der auch die Geislinger Straßenmeisterei beliefert, können längst nicht mehr allen Aufträgen nachkommen. Die Depots in Geislingen, Böhmenkirch und Eislingen bieten gerade mal Platz für 2000 Tonnen. Die sind aber innerhalb vier harter Wintertage aufgebraucht. Der Engpass hat inzwischen auch Geschäftemacher auf den Plan gerufen: Sie bieten die Tonne für 211 Euro an - im Gegensatz zum handelsüblichen Preis von 65 Euro pro Tonne.


Kommentare (4)

02.02.2010 13:39 Uhr |   unbekannt

Was soll die Aufregung!

Also wer meint Nachts bei Wind und Wetter noch in der gegend unterwegs zu sein ist selber schuld! Wenn man den Wetterbericht ja genau anschaut, dann kann man sich ja wohl denken wie das Wetter ist bzw. wird. Von den Straßenwärter verlangt man Überstunden zu machen, Nachts durchzufahren und nach ein paar Stunden schlaf wieder fit zu sein. Da wird ja mal eher ein DANKE fällig sein, liebe Berichtschreiber!!!!!!
02.02.2010 13:55 Uhr |   any

Pseudos

Was ist mit Krankenwagen , Notarzt und die beruflich Nachts unterwegs sein müssen! Also der Beitrag is nicht durchdacht!Und keiner muß von morgens bis tief in die Nacht durchfahren!!!
02.02.2010 14:09 Uhr |   unbekannt

Antwort auf Pseudos

Ja wie gesagt man weiß ja wie das Wetter werden soll, dann sollen die Fahrzeuge Schneeketten aufziehen! Oder wie ist es in den Alpen, da wird auch nicht 24 Stunden rund um die Uhr geräumt!!! Man könnte gerade meinen die Welt geht unter!

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Autor: MANFRED BOMM | 02.02.2010

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