URL: http://www.swp.de/1816663

Autor: DANIEL GRUPP, 22.01.2013

Leiche

Tote Hundezüchterin lag wochenlang unentdeckt im Bett

Eine Hundezüchterin ist in Reichenbach u.R. in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Sie lag dort schon länger, ohne dass sie vermisst wurde. Die Nachbarn wollen nichts bemerkt haben. Drei ihrer Hunde sind ohne Futter und Wasser verendet.


Eine Hundezüchterin ist in Reichenbach u.R. in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Sie lag dort schon länger, ohne dass sie vermisst wurde. Fotograf: Privat

„Sie ist eines natürlichen Todes gestorben“, fasst Rudi Bauer die wichtigste Erkenntnis über die Frau zusammen, die am Sonntag gegen 11.30 Uhr in ihrem Haus in Donzdorf-Reichenbach neben ihren drei verendeten Hunden tot aufgefunden wurde. Nach Angaben des Sprechers der Polizeidirektion Göppingen habe ein Arzt den Leichnam untersucht. Weil kein Hinweis auf ein Fremdverschulden vorlag, wurde keine Obduktion vorgenommen, berichtet Bauer.

Die 69 Jahre alte Frau muss schon länger tot auf ihrem Bett gelegen haben. Wie lange dies der Fall war, ist der Polizei nicht bekannt. Es könnten bis zu vier Wochen sein, denn als letzten nachgewiesenen Kontakt hat die Polizei einen Arzttermin am 21. Dezember 2012 ermittelt. An dem Tag hatte sie nach Informationen der NWZ auch Geburtstag und Kontakt zu Bekannten, die einen Hund bei der Reichenbacherin gekauft hatten. Später ist der Kontakt abgerissen. Andere Bekannte, die ebenfalls über die Hundezucht mit der Reichenbacherin verbunden waren, hatten nach Angaben aus dem Umfeld der Toten versucht, über Nachbarn den Kontakt mit der Frau aufzunehmen. Von den Anwohnern habe die Bekannte die Auskunft erhalten, es sei dunkel und es bellten keine Hunde. Niemand habe aber dort nachgeschaut.

Beißender Leichengeruch an der Tür

Weil kein Kontakt zustande kam, haben die Bekannten die Polizei alarmiert. Diese versuchte zunächst über Angehörige die Situation zu klären. Aber auch die Verwandten hätten zuletzt nicht mit der Vermissten gesprochen, erklärt Bauer. An der Haustür ist den Streifenbeamten ein verdächtiger Geruch aufgefallen. Die Polizei alarmierte den Rettungswagen und die Donzdorfer Feuerwehr, welche die Tür öffnen sollte. Dies sei über eine Terrassentür relativ einfach gelungen, berichtet der Donzdorfer Kommandant Oliver Schmid.

In der Wohnung fanden die Polizisten und der Notarzt die Leiche, die auf einem Bett lag, und drei tote  Basset -Hunde, die offenbar verdurstet oder verhungert waren. Diese Hunderasse hat sehr kurze Beine und einen langen Körper. Die Polizei vermutet, dass es den Tieren nicht gelungen ist, auf das Bett zu springen.

Hunde sind verhungert oder verdurstet

Andere Hundebesitzer wundern sich jetzt, dass den Nachbarn nicht das Bellen der durstigen und hungrigen Hunde aufgefallen ist. Die Bekannten spekulieren darüber, dass die Verstorbene nicht sehr beliebt war, weil sie Hunde gezüchtet hat.

Um die Umstände des Todes zu ermitteln, war auch die Kriminalpolizei eingeschaltet. Wegen der toten Hunde war zunächst eine Kohlenmonoxidvergiftung nicht ausgeschlossen worden. Dies hat sich aber laut Bauer nicht bestätigt. Nach Erkenntnissen der Polizei liege kein Fremdverschulden vor, es handle sich um einen natürlichen Todesfall.

Die Polizisten haben sich auch in Reichenbach umgehört. „Die Nachbarn wurden großräumig befragt“, erklärt der Polizeisprecher. Die Verstorbene sei mit ihren Hunden oft europaweit unterwegs gewesen. Daher ist ihr Verschwinden laut Polizei nicht außergewöhnlich gewesen.

Konflikte mit der Umgebung wegen Hundezucht

„Im Winter habe ich oft tagelang keinen Kontakt mit meinen Nachbarn“, erklärt sich Barabara Funk den Umstand, dass niemand etwas bemerkt hat. „Das ist schon traurig, wenn kein Kontakt zur Nachbarschaft besteht,“ findet die Reichenbacher Ortsvorsteherin. Sie weiß aber auch, dass es wegen der Hundezucht Konflikte mit der Umgebung gab. Wenn die Hündinnen geworfen hätten, seien manchmal 15 bis 20 Bassets im Haus gewesen. Weil die Züchterin damit in der Vergangenheit die Privatzuchtgrenze überschritten hatte, habe das Ordnungsamt schon einmal einschreiten müssen.

Die Reichenbacherin hat ihre Bassets übers Internet verkauft. Dort steht jetzt: „Leider müssen wir die Basset-Hound-Zucht aufgrund unerwarteter familiärer Ereignisse einstellen.“

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung
Copyright by SÜDWEST PRESSE Online-Dienste GmbH - Frauenstrasse 77 - 89073 Ulm