Steine gegen das Vergessen
Göppingen. Seit vier Jahren werden in Göppingen Steine gegen das Vergessen verlegt. Die geschichtsbewussten Bürger der "Initiative Stolperstein" haben sich jüngst zu einem Verein zusammen geschlossen.
Viel Aufwand bedeutet es für Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter, die Schicksale der Menschen zu recherchieren, für die Stolpersteine vor den Gebäuden verlegt werden, in denen sie zuletzt selbst bestimmt gewohnt hatten. 2005 war der erste für den ermordeten Albert Schuler in der Wolfstraße verlegt worden. Diese private Initiative aus der Familie heraus war für Maier-Rubner, "der Auslöser, mich zu engagieren".
Zunächst gilt es natürlich, das Schicksal der während der NS-Zeit ermordeten Göppinger zu recherchieren und Familienangehörige und Nachkommen zu finden. Die werden nämlich in Göppingen zur Verlegung der kleinen Messingtafeln eingeladen. Viele reisen selbst noch im hohen Alter an - wie im vergangenen Jahr die Kinder der Familien Fleischer, an die Stolpersteine am Nordring und der Hauptstraße erinnern. Ist für sie doch nicht selten "der Stolperstein Ersatz für das Grab, das es nicht gibt", sagt Maier-Rubner. Das erlebt er immer wieder.
In diesem November werden zur Verlegung weiterer 15 Stolpersteine an sechs verschiedenen Orten innerhalb des Stadtgebietes Familienangehörige aus Brasilien, Peru, Frankreich, den USA und Israel erwartet. Einen Teil der Reise- und Unterbringungskosten trägt die Stolpersteininitiative. Sie will auch am Ende der Aktion, wenn alle rund 100 Steine verlegt sind, die Recherchen zu den Schicksalen der NS-Opfer in einem Buch veröffentlichen. Das alles kostet viel Geld.
Und weil Klaus Maier-Rubner und seine Mitstreiter Claudia Liebenau-Meyer, Dr. Witgar Weber, Dr. Karl Heinz Rueß, Wolfram Hosch, Friedemann Messer oder Thomas Roos dabei zwischenzeitlich ausschließlich auf Spendengelder angewiesen sind, gründeten sie im Frühjahr den Verein "Initiative Stolperstein", der jetzt auch Spendenbescheinigungen ausstellen kann. So hoffen die Vereinsgründer, die Beteiligung an den Reisekosten für die Angehörigen, die diese alleine nicht aufbringen können, finanzieren zu können.
Am 25. November sollen weitere 15 Stolpersteine verlegt werden. Zum 70. Jahrestag der ersten Deportation von Göppinger Juden am 28. November 1941 laden das Stadtarchiv und die "Initiative Stolpersteine" am 6. November zu einer Veranstaltung ins Jüdische Museum ein. Dann wird an das Schicksal aller damals 41 Deportierten, von denen nur Richard Fleischer überlebte, erinnert werden.
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Autor: MARGIT HAAS | 27.07.2011
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