Schüler wählen unter realen Bedingungen

Am Hohenstaufengymnasium stellen Schüler die Bundestagswahl nach, mit allem was dazu gehört. Schulleitung und Lehrer sind begeistert.

TIMO NAGEL |

"Man hört immer von der Politikverdrossenheit der Jugendlichen, aber hier erleben wir das genaue Gegenteil davon", sagt Konrad Barth, Lehrer für Gemeinschaftskunde am Hohenstaufen-Gymnasium Göppingen. Im Rahmen des bundesweiten Projekts Juniorwahl wählten mehrere Klassen unter echten Bedingungen. Alles ist der Realität nachempfunden, vom Layout der Stimmzettel bis hin zum Schlangestehen im Wahllokal.

Im Vorfeld musste allerdings vieles organisiert werden. "Als die Schulleitung angeschrieben wurde, fanden wir die Idee gleich interessant", meint Martina Wetzel, die Schulleiterin des Hohenstaufen Gymnasiums. Konrad Barth war hingegen anfangs nicht so beeindruckt. "Die Bewerbung war eher ein Zufall. Wir wussten eigentlich noch gar nicht genau, was die Juniorwahl ist."

Aber als das Projekt Form annahm, habe man gemerkt, dass das eine interessante Sache werden könnte, auch für die Schüler. Schon am Ende des letzten Schuljahres wurde ein Konzept erarbeitet, um die Schüler in nur einer Woche auf die Wahl vorzubereiten. "Dass die Bundestagswahl schon zwei Wochen nach Schulbeginn stattfindet, war schon eine logistische Herausforderung", erklärt Barth. Aber das Engagement der Schüler war so groß, dass ein effektiver Unterricht stattfinden konnte. "Der Aufwand war aber verglichen mit dem Ertrag relativ gering.", meint der erfahrene Lehrer. Jetzt könnte der Unterricht mit einem echten Erlebnis verknüpft werden.

Die Schüler haben sich ebenfalls sehr detailliert auf die Wahl vorbereitet. "Vorher wusste man gar nicht wirklich, wofür die Parteien eigentlich stehen. Die Aktion hat das Thema aber echt interessant gemacht", erzählt die 15-jährige Jessy. Auch das Kanzlerduell wurde besprochen, und niemand hatte sich für die Deutschlandkette der Kanzlerin interessiert. "Inhaltsleere Phrasen kommen bei den Schülern gar nicht gut an", bemerkt Barth. Es sei erstaunlich, wie erwachsen sie über politische Themen diskutierten. Ein Lagerdenken gebe es nicht, die Jugendlichen würden eher pragmatisch und vor allem problemorientiert denken. "Die Jugend ist nicht politikverdrossen. Sie ist wenn überhaupt parteienverdrossen."

Gewählt wurde per Computer. Auf den Formatvorlagen von originalen Stimmzetteln aus dem Wahlkreis konnten die Schüler ihre Erst- und Zweitstimme abgeben. Das Ergebnis wird nun ausgewertet und mit der Bundestagswahl verglichen. "Wir sind schon sehr gespannt, was dabei heraus kommt", meint Martina Wetzel.

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