Schilling verlässt Märklin
Göppingen. Lars Schilling, seit sieben Jahren Marketing-Mann bei Märklin, hat überraschend gekündigt. Firmenchef Stefan Löbich bedauert den Schritt und versichert: "Es hat nicht den Funken von Disharmonie gegeben."
Bei der Internationalen Modellbahn-Ausstellung Mitte September in Göppingen war er noch mittendrin im Geschehen und blickte optimistisch in die Zukunft. Jetzt hat der Vertriebs- und Marketing-Leiter Lars Schilling, der etwa sieben Jahre beim Traditionsunternehmen Märklin gearbeitet hat, seine Kündigung eingereicht. "Das kam sehr überraschend", sagte gestern Firmensprecher Wolf M. Günthner. Spannungen oder Zerwürfnisse seien nicht der Grund für die Trennung gewesen, betonte Firmenchef Stefan Löbich: "Es hat nicht den Funken von Disharmonie gegeben." Es sei Schillings eigene Entscheidung gewesen, dem Modelleisenbahn-Hersteller den Rücken zu kehren - "und das mussten wir leider akzeptieren", drückte Löbich sein Bedauern aus. Er habe mit seinem Marketingchef stets "offen und gut" zusammen gearbeitet und sich auch menschlich mit ihm verstanden, fügte Löbich hinzu.
Wie in der Wirtschaft üblich, wurde der 37-jährige Schilling als leitender Angestellter mit sofortiger Wirkung frei gestellt. Einen Nachfolger hat Märklin noch nicht an der Hand. "Ich kümmere mich um diesen Bereich übergangsweise selbst", erklärte der Geschäftsführer. Sämtliche Informationen und Papiere seien "sauber" übergeben worden - "es entsteht also weder eine Lücke noch ein Knacks". Doch Löbich liegt natürlich daran, diese "zentrale Funktion" schnell wieder zu besetzen und streckt dementsprechend die Fühler nach einem neuen Marketing-Mitarbeiter aus. Über Schillings berufliche Zukunft konnte und wollte der Märklin-Chef nichts sagen: "Das ist seine private Angelegenheit." Schilling selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Der langjährige Mitarbeiter des Göppinger Weltmarktführers hat bei Märklin die turbulenten Zeiten der Insolvenz mitgemacht. Viele Köpfe rollten im Führungskreis. Doch Schilling blieb - und blickte zuletzt mit Geschäftsführer Löbich sehr zuversichtlich in die Zukunft. Es geht beispielsweise darum, die Märkte auszubauen. "Wir sind da aber am Anfang, jetzt werden die Weichen gestellt", hatte der Marketing-Leiter im September angekündigt und die Fülle der Aktivitäten, die Märklin derzeit entfaltet, als Ausdruck der "neuen Kultur" gewertet, die jetzt im Unternehmen herrsche. "Die Insolvenz war schon ein Hallo-Wach-Effekt. Alle in der Firma haben gemerkt, ein ,Weiter So funktioniert nicht", hatte der 37-Jährige am Rande der Internationalen Modellbahn-Ausstellung gesagt.
Lars Schilling ist auch der Mann gewesen, der sich trotz der Insolvenz für eine neue historische Märklin-Erlebnis-Welt am Stammsitz in der Stuttgarter Straße stark gemacht hatte. Schilling war einer der Verantwortlichen des Vereins "Märklin-Museum für technisches Spielzeug", die die Pläne aufrecht erhielten. Gedacht war an eine Art Museum mit einem Bereich für Kinder, einer Schauwerkstatt, einer gläsernen Produktion, Shop, Gastronomie und Wechselausstellungen.
Vom Tisch sind diese Ideen bis heute nicht. Die fast fertigen Konzepte für ein solches Museum liegen in der Schublade - und dort werden sie wohl auch noch länger bleiben, sagte gestern der Firmenchef. "Wir müssen jetzt schauen, dass wir das Jahr 2012 gut rumbringen. Der Insolvenz-Plan ist unsere Bibel, und daran halten wir uns", fügte Löbich hinzu und meinte damit, dass Märklin erst einmal so viel Geld verdienen muss, dass man sich ein Museum leisten kann. "Wir sind unseren Gläubigern verpflichtet. Daher wäre es vermessen, sowas jetzt zu beginnen", unterstrich der Geschäftsführer und spielte darauf an, dass der Marktführer auch knapp drei Jahre nach der Insolvenz den Banken gehört und Märklin noch jede Menge Aufgaben zu erledigen habe. Es gehe jetzt darum, den Investitionsstau aufzuholen und das Augenmerk auf neue Technologien zu legen. "Wir investieren in die Geschäftsfelder, die uns Wertschöpfung bringen", fasste der Firmenchef zusammen. Zudem sei Märklin mit der Erlebniswelt in der Reutlinger Straße in Göppingen "gut aufgestellt", ist Löbich überzeugt.
Wichtiger in diesen Tagen ist für den Geschäftsführer das Weihnachtsgeschäft. Diese und nächste Woche werden noch viele Bestellungen abgewickelt, aber der Firmenchef gibt schon eine Prognose ab: "Ich denke, wir können ganz zufrieden sein." Sowohl mit dem Weihnachtsgeschäft als auch mit dem gesamten Geschäftsjahr. "Das wird ganz ordentlich. Die Zahlen werden wir erreichen, und auch bei der Liquidität sind wir gut aufgestellt", zieht Löbich ein vorläufiges Fazit. "Da ist viel Sonne am Himmel."
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dem Märklin-Chef nicht. Der Blick richtet sich bereits auf die Spielwarenmesse in Nürnberg, die in der ersten Februarwoche stattfindet. Und dann muss Stefan Löbich, seit einem knappen Jahr bei Märklin, noch einen neuen Marketing-Leiter suchen.
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Autor: SUSANN SCHÖNFELDER | 29.12.2011
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Lars Schilling, Marketing-Chef von Märklin, verlässt überraschend den Göppinger Modellbahnbauer. Foto: Archiv / Carlucci
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Kommentare (2)
Marketing von gestern
Vielleicht kommt endlich jemand daher, der sich mit aktuellen Marketingmethoden auskennt. Denn bis heute sind die Marketingstrategien genau so altbacken wie die Vertriebsstrukturen. Märklin hat noch immer nicht verstanden, wie die Konsumenten heute "ticken" und warum Modelleisenbahnen nicht mehr so gefragt sind. Mit uncool oder veraltet hat es nicht so viel zu tun, wie Märklin gerne als Begründung angibt.Märklin ist einfach irgendwo zwischen den 80er und 90er Jahren stehen geblieben. Quelle hat diesen Fehler auch begangen, Otto dagegen hat die Zeichen der Zeit verstanden.
Wenn nicht bald jemand den alten Staub aus dem Unternehmen pustet und wenn Märklin nicht bald anfängt, sich an die Rahmenbedingungen der heutigen Zeit anzupassen, dann wird die nächste Insolvenz sicher die Letzte sein.
MÄRKLIN ,Kündigung Schilling
Naja,was soll man davon halten? Vielleicht glaubte er nicht an die "Visionen" seines "neuen Chefs" und war der Meinung, daß das MÄRKLIN-Museum aus Marketinggründen doch Dringlichkeit haben müsse? Da setzte er vielleicht andere Schwerpunkte, wie Löbich, der vielleicht jede Abteilung als "Profit-Center" sieht? -- Nun wachsen gute "Marketing-Leute" ja nicht auf Bäumen ? Aber da wird wohl ja in Kürze anderswo einer frei,der sich für einen Guten hält!?! --Aber ob man ihn will und er sich das antut,"ausgerechnet" Märklin? Da ist ja wohl fast jeder Job ein Schleudersitz?Volker Dau, DAU-MODELL