Röslers Konzept strittig

Göppingen.  Gesundheitsminister Philipp Rösler will die Preise neuer Medikamente überprüfen lassen und Firmen zu Verhandlungen mit Kassen zwingen. Die NWZ hakte bei Göppinger Ärzten, Apothekern und Firmen nach.

Hat der Gesundheitsminister Recht mit seinem Vorstoß gegen zu teure Medikamente? Der Apotheker Axel Eißer von der Marktapotheke in Göppingen ist der Meinung, dass viele Präparate bereits sehr günstig seien. "Wegen der Nachahmerprodukte sind die Medikamentenpreise in den letzten Jahren schon bis zu 75 Prozent gesunken", erklärt der 38-Jährige. Innovative Medikamente seien sehr teuer und es sei schwierig einen angemessenen Preis zu finden. "Die Produkte sollten nicht teurer sein als im Ausland. Jedoch muss man dabei die 19 Prozent Mehrwertsteuer, die in Deutschland anfallen, berücksichtigen", so der Göppinger. Eißer spricht sich für eine Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent aus, denn "Arzneimittel sind mindestens genauso wichtig wie Lebensmittel". Die vorgesehene Radikalkur von Gesundheitsminister Rösler betrachtet Axel Eißer als schwierig - gerade bei der Durchsetzung. "Solche Verhandlungen sind immer schwierig, vor allem weil die Krankenkassen nicht mit sich verhandeln lassen", erklärt er.

Steffen Spaich von der chemisch-pharmazeutischen Fabrik Müller in Göppingen bedauert das Vorurteil, Pharmafirmen wollten mit überteuerten, patentgeschützen Arzneimitteln, abzocken. "Schon allein durch die Forschung entstehen unendliche Kosten. Aber auch Zulassung und klinische Studien gehen ganz schön ins Geld", betont der Mitarbeiter. Zudem würden viele Forschungen ins Nichts laufen. "Da ist dann das ganze Geld für die Katz", beschreibt der 29-Jährige. Durch das Patent entstehe ein Preismonopol, durch das die Gelder wieder reingeholt werden könnten, die vorher entstanden sind. Jedoch "können zwischen Erfindung und Zulassung schon mal zehn Jahre ins Land gehen. Wenn man bedenkt, dass ein Patent gerade mal 20 Jahre läuft, geht dabei viel Zeit verloren." Sobald das Patent abgelaufen sei, stürzten sich die Nachahmer auf das Produkt, wodurch der Preis gedrückt werde. Daher müssten die Hauptkosten gedeckt werden, während das Patent noch läuft, argumentiert er.

Der Geschäftsführer der Klinik am Eichert, Jörg Martin, findet: "Röslers Konzept ist sicherlich ein Ansatz, wobei der Schwerpunkt auf der Überprüfung neuer Medikamente liegen sollte." Von den Kassen sollten nur Medikamente erstattet werden, deren Nutzen erwiesen sei, betont der 52-Jährige. Bei neuen Präparaten sollte nur eine Erstattung erfolgen, wenn ein zusätzlicher Nutzen erwiesen sei. Ob Röslers Ansatz langfristig Erfolg bringe, sieht Martin eher skeptisch. Auch ob die derzeitigen rezeptpflichtigen Medikamente zu teuer seien, könne er nicht sagen. Jedoch gibt er zu bedenken, dass die forschende Pharmaindustrie enorme Summen in die Forschung investiere und diese dann wieder in der Patentschutzzeit verdient werden müssten.

Dieter Kress, Geschäftsführer der AOK-Neckar-Fils wünscht sich, dass Rösler für die Kassen die rechtlichen Möglichkeiten schaffe, mit Arzneimittelhändlern echte und tatsächliche Preisverhandlungen zu führen. Gerade die Idee der Offenlegung von Dossiers, die begründen, wie der Preis entstand, hält der 60-Jährige für wichtig. Dass einzelne Pharmaunternehmen abzocken, davon ist er überzeugt: "Wieso sonst sind die Arzneimittel im Ausland billiger als in Deutschland?" Wütend mache ihn vor allem die Tatsache, dass manche Produkte nur scheininnovativ seien, und von der Arzneimittelherstellern als "Wunderheilmittel" vermarktet würden.


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Autor: VERENA HERWIG MONA MOLL | 20.03.2010

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