"Reli" auch für Moslems

Islamischer Religionsunterricht ist an vielen Schulen etabliert. Im Göppinger Gemeinderat stellten sich einige CDU-Stadträte quer. Doch die klare Mehrheit war dafür, die Anträge von zwei Schulen zu unterstützen.

ARND WOLETZ |

Emotional wurde es, als am Donnerstag im Gemeinderat das Thema islamischer Religionsunterricht aufgerufen wurde. Es ging darum, ob Göppinger Schulen neben evangelischem und katholischem Religionsunterricht auch eine islamische Variante anbieten dürfen. Die Bodenfeld-Grundschule und die Hermann-Hesse-Realschule wollen sich darum bewerben. Die CDU stimmte mehrheitlich nicht zu, obwohl der Modellversuch vor acht Jahren von ihrer Partei initiiert worden war. CDU-Stadtrat Wolfgang Mayer begründete seine Vorbehalte mit einem Erlebnis, das er vor 30 Jahren als Polizist hatte. Damals habe ihm ein muslimischer Straftäter erklärt, dass die Muslime den Christen die Kreuzzüge nie verzeihen würden. Außerdem sah Mayer in dem neuen Schulfach "einen dieser kleinen Schritte, die der Islam bei uns gehen wird."

Gemeinderäte schütteln Köpfe

Diese Sätze wiederum brachten andere Stadträte auf die Palme, allen voran Christian Stähle (Linke), der schimpfte, dass Mayers Beitrag bei ihm "Brechreiz auslöst". Auch Vertreter der anderen Fraktionen reagierten mit Kopfschütteln. Neben Mayer hatten aus der CDU auch Felix Gerber und Achim Fehrenbacher gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung gestimmt. Enthalten hatten sich Jan Tielesch, Paul Lambert, Werner Ziegler und Dieter Schurr. Felix Gerber fragte unter anderem, ob mit Kopftuch unterrichtet werde und ob die Kinder nicht in einen Zwiespalt geraten könnten zwischen staatlicher Schule und konservativer Moscheegemeinde.

Außer den sieben CDU-Räten folgte bei der Abstimmung die große Mehrheit den Argumenten der Stadtverwaltung. Der Unterricht diene dazu, dass auch junge Muslime sich mit ihrer Religion fundiert und konstruktiv auseinandersetzen können. Die Stadt hatte Gökcen Tamer-Uzun, Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, eingeladen. Sie stellte dar, wie der vom Land organisierte und staatlich kontrollierte islamische Religionsunterricht in deutscher Sprache auch der Radikalisierung junger Muslime vorbeugen könne.

Achtung und Toleranz

Der Unterricht vermittle die Werte Achtung und Toleranz. Die von geschulten Lehrern gehaltenen Stunden förderten den innerislamischen Dialog zwischen Sunniten und Schiiten, auch wenn sie nach der sunnitischen Glaubensrichtung gehalten werden. Der Unterricht sei unideologisch und lasse Raum für die kritischen Fragen, die die Kinder und Jugendlichen sonst nicht stellen würden. Aber auch die Verständigung mit Christen und anderen Religionen seien Gegenstand, sagte die Pädagogin

Jörg Hofrichter, Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, erklärte, dass der islamische Religionsunterricht analog zu anderen Religionsgemeinschaften Teil der Bildungspläne sei. Die Lehrer werden an den pädagogischen Hochschulen im Land ausgebildet, Kosten für die Kommunen entstehen nicht. Die Teilnahme sei freiwillig.

Teil des Beschlusses vom Donnerstag ist, dass sich nun neben den beiden Vorreitern auch andere Schulen in der Stadt um diesen Unterricht bewerben können. Noch ist aber nicht sicher, ob es im Bodenfeld tatsächlich zu diesem Angebot kommt. Denn noch reichen die ausgebildeten Lehrer nicht, um den Unterricht flächendeckend anzubieten. Die acht Schüler, die pro Lerngruppe nötig sind, würden in Göppingen aber zusammen kommen, da ist sich Jörg Hofrichter sicher.

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