Rätsel um Nana ist gelüftet

Göppingen.  Im November treffen sich Nachkommen der Familie Frankfurter mit Angehörigen ihrer "Nana". Die hatten sich bei der "Initiative Stolpersteine" nach einem Zeitungsaufruf gemeldet.

Wenn die "Initiative Stolpersteine" in Göppingen Steine gegen das Vergessen verlegt, sind immer auch Angehörige dabei. Mit ihnen hat Klaus Maier-Rubner, Vorsitzender des Vereines im Vorab regen Kontakt, kann mit ihrer Hilfe das Leben der von den Nazis ermordeten Menschen nachzeichnen. Immer wieder kommt es zu emotionalen Begegnungen, wenn ehemalige Freunde und Nachbarn zusammen treffen.

So wird es wohl auch in diesem November sein, wenn wieder Stolpersteine verlegt werden an den Orten, an denen die Opfer zuletzt selbst bestimmt gelebt hatten. Aber bereits im Vorfeld fand ein aufregendes Treffen von Angehörigen und Bekannten der "Nana", der jüdischen Unternehmerfamilie Frankfurter statt, die auch in schwierigsten Zeiten zur Familie gehalten hatte. Sie hatten sich nach Zeitungsbericht bei Maier-Rubner gemeldet und sich jetzt zu einer etwas anderen Kaffeestunde getroffen.

"Sie hatte ihre Prinzipien", beschreibt die Großnichte Monika Raisch die 1971 verstorbene Emilie Eisele. Das bekamen Christa Susanne Ströhle und ihre Familie eindrücklich zu spüren. "Meine Mutter konvertierte zum evangelischen Glauben. Darauf hat sie als strenggläubige Katholikin den Kontakt zu unserer Familie abgebrochen". Die Eislingerin wusste deshalb auch nicht um die zahlreichen Geschwister der Großtante und um die entsprechende Verwandtschaft. Erst durch den Zeitungsartikel erinnerte sie sich an Begebenheiten und begann zu recherchieren. Und hat jetzt unversehens eine deutlich größere Familie!

Schon als Kind hat Elisabeth Williams die Nana, ihre Taufpatin, gut gekannt und zu ihr zeitlebens Kontakt gehalten. Gemeinsam mit der Mutter habe sie die Frankfurters mit Lebensmittel versorgt, als sie nichts mehr kaufen konnten. Nach dem Krieg hat die Nana "konsequent nicht mehr in den Geschäften eingekauft, in der sie während der NS-Zeit nicht bedient worden war", weiß Monika Raisch noch. Sie und ihre Schwester Erika Rehle können viele der Fragen beantworten, die Klaus Maier-Rubner hat. Etwa, warum sie 1938 Ruth und Michael Frankfurter nach Israel begleitet hatte und dann wieder zurückkam. Er hatte vermutet, dass sie als Deutsche keine Aufenthaltserlaubnis bekommen hatte. Tatsächlich sind "Familienangehörige in Beugehaft genommen worden", weiß Raisch. Aus Israel stammt die englische Bibel, die Helga Mayer von Emilie Eisele geschenkt bekommen hatte. Sie hatte als Pfarramtssekretärin lange Jahre den Kontakt zu ihr gepflegt.

Zum Schluss berichtet Monika Raisch eine Begebenheit, die deutlich macht, welch couragierte Frau die Nana war. Als die Frankfurters deportiert worden waren, "haben die Nazis viel aus dem Haus hinaus getragen. Nach dem Krieg sah meine Dote eine Standuhr im Landratsamt". Sie habe keine Ruhe gegeben, bis sie wieder in das Haus in die Lutherstraße kam. "Heute steht sie bei meinem Bruder".


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Autor: MARGIT HAAS | 13.09.2011

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