Querschläger: Zwei Jäger im Visier des Staatsanwalts

Die Drückjagd bei Adelberg, bei der ein Auto von einer Kugel getroffen wurde, ist nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft: Zwei Verfahren sind anhängig – unter anderem gegen Kreisjägermeister Kurt Mürdter.

DIRK HÜLSER | 1 Meinung

Es geschah im Revier von Kreisjägermeister Kurt Mürdter. Er hatte sich am 15. November kurzfristig mit neun anderen Jägern zur Drückjagd auf Wildschweine bei einem Maisfeld an der Straße von Adelberg nach Oberberken getroffen. Um 15.15 Uhr dann ein Schuss – doch der traf keine Wildsau, sondern den BMW einer vorbeifahrenden Frau. Das Projektil durchschlug eine Seitenscheibe, die Adelbergerin erlitt einen Schock.

Nach umfangreichen Ermittlungen und einem Gutachten des Landeskriminalamts – das Projektil musste einem Gewehr zugeordnet werden – ist für die Göppinger Polizei nun klar: „Der Anfangsverdacht hat sich bestätigt.“ Dies sagt Sprecher Rudi Bauer. Ein 50-jähriger Jäger soll demnach den Schuss abgegeben haben. Ihm werfen die Ermittler laut Bauer gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor, die Akten liegen jetzt bei der Staatsanwaltschaft Ulm. Ebenso die Unterlagen zum Fall Mürdter: Ihm wird eine Unterlassung vorgeworfen – weil er die versammelten Jäger vor der Drückjagd nicht zusammengerufen und aufgeklärt habe. „Das hat er anscheinend nicht getan“, sagt Bauer. Als verantwortlicher Jagdleiter sei er dazu aber verpflichtet gewesen.

Michael Bischofberger, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigt, dass sich seine Behörde nun der Sache angenommen hat: „Die Verfahren sind bei uns anhängig.“ Zum weiteren Stand der Dinge kann er aber im Moment noch nichts sagen. Möglich sind nun neben einer Einstellung auch Strafbefehle oder Anklagen.

Auch waren am 15. November von den Jägern weder die Straße gesperrt noch Warnschilder aufgestellt worden. Mürdter, der in Börtlingen wohnt, hatte seinerzeit gesagt: „Straßen werden nicht immer gesperrt, das ist ja ein Mordstheater.“ Zumal eine Landesstraße wie diese ohnehin nicht so einfach zu sperren sei.

„Wenn man mit einem Gewehr jagen geht, ist das eine sehr gefährliche Geschichte“, unterstrich gestern der stellvertretende Kreisjägermeister Matthias Wittlinger, im Hauptberuf Bürgermeister von Uhingen. Er glaubt nicht an einen Schuss direkt aufs Auto: „Das war mit Sicherheit ein Querschläger, das ist einfach immer ein Risiko bei der Jagd.“ Von einem Querschläger gingen sowohl die Polizei wie auch Mürdter selbst bereits kurz nach dem Vorfall im November aus.

Wittlinger betont, dass Jäger sehr gut geschult und auch immer wieder auf ihrer Zuverlässigkeit hin geprüft würden. „Trotzdem kann immer etwas passieren“, bedauert er. Deshalb seien die Ermittlungen nun auch „ein ganz normales Verfahren“. Vor dem Ergebnis ist ihm nicht bange: „Ich gehe stark davon aus, dass nichts dabei herauskommt.“

Ansonsten könnten die Folgen für die beiden Jäger unangenehm sein. Sollte es einen Strafbefehl oder eine Verurteilung geben, könnten auch Jagd- und Waffenschein weg sein, wie Volkmar Spitz vom Landratsamt Göppingen erläutert. „Es gibt da bestimmte Grenzen, ab denen die Zuverlässigkeit geprüft wird.“ Ab einer Strafe von 60 Tagessätzen oder zwei geringfügigen Geldstrafen innerhalb von fünf Jahren würden Waffenrechtler gemeinsam mit der Jagdbehörde die betroffenen Jäger überprüfen. Und immer wieder auch durchgreifen: Eine einstellige Zahl an Jagd- und Waffenscheinen pro Jahr werden laut Spitz im Landkreis eingezogen.

1 Kommentar

19.05.2013 21:27 Uhr

gegen die Jagd !!!

- Die Jagd schadet dem Gleichgewicht der Natur
- Durch die Jagd steigt die Überpopulation der Wildscheine & andere Waldtiere immer weiter:
- Familienverbände werden auseinandergerissen, worauf die Wildschweine mit vermehrter Fortpflanzung reagieren
- Durch das Ausstreuen von Nahrung werden die Waldtiere angeregt sich noch mehr zu vermehren
- Die Bejagung des Fuchses führt zur Flucht und damit zur Ausbreitung von Tollwut
- Alle wesentlichen von der Jägerschaft genannten Gründe für die Jagd sind heute wissenschaftlich widerlegt
- Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer

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