Qualitätskontrolle am Krankenbett

Kreis Göppingen.  Mitarbeiter melden kritische Ereignisse, externe Ärzte decken Defizite auf, ein bundesweiter Vergleich setzt Maßstäbe - Klinikchef Professor Martin sieht darin "eine Qualitätssicherung im Sinne der Patienten".

Innehalten vor der Operation. Damit nicht "aus Versehen" das falsche Bein amputiert wird, gehen die Mediziner in den Kliniken des Landkreises vor der Narkose und dem ersten Schnitt eine Sicherheitscheckliste durch. Liegt der richtige Patient auf dem Tisch? Hat er Allergien, ist das Einverständnis da?"Das Ganze dauert zwei Minuten", sagt Professor Jörg Martin, Chef der Kreiskliniken. Zwei Minuten für mehr Qualität im Göppinger und Geislinger Krankenhaus. "Wir sind da wirklich gut aufgestellt", ist der Geschäftsführer überzeugt. Die Kliniken hätten in Sachen Risiko- und Qualitätsmanagement sehr viel getan - und wollen auch weiterhin viel tun, um ständig besser zu werden, unterstreicht Martin.

Der Sicherheitscheck im OP ist nur ein Baustein, um Fehler zu vermeiden. Ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zu mehr Qualität und Patientensicherheit ist das sogenannte "CIRS medical" - ein anonymes Berichts- und Lernsystem, in das Mitarbeiter anonym und online kritische Ereignisse und Fehler eintragen können - egal ob es sich um medizinische Probleme, Hygienemängel oder Fehler bei der Abrechnung handelt. Bereit gestellt wird das System vom "Aktionsbündnis Patientensicherheit", das sich im Mai 2005 gegründet und sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kunstfehler in der Medizin zu vermeiden. Die Kreiskliniken nutzen das Angebot seit 1. Januar dieses Jahres und werden förmlich überrannt. "Wir haben bisher 38 Meldungen und hatten für das erste Jahr eigentlich nur 50 gekauft", erklärt Martin. Das Forum ist eine Möglichkeit für alle Beschäftigen, freiwillig, anonym und sanktionsfrei Kritik zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu machen. "Die Fälle werden dann in Berlin zentral bearbeitet", erklärt Martin, "und später intern diskutiert". Ein Mitarbeiter berichtete beispielsweise von einer "Beinahe-Verwechslung" von Herzschrittmacher-Elektroden - ein Fehler, der keine Folgen für den Patienten hatte und sich nicht wiederholen soll.

Die Kliniken des Landkreises scheuen auch nicht den bundesweiten Vergleich: Zusammen mit rund 170 anderen Krankenhäusern in Deutschland beteiligen sie sich freiwillig an der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Die jährlich neu erhobenen und veröffentlichten Daten sollen die Situation in den Häusern objektiv und umfassend darstellen sowie Stärken und Schwächen herausarbeiten. Nachdem die Sterblichkeitsrate bei Schlaganfällen ungewöhnlich hoch war, gingen im "Peer-Review-Verfahren" externe Ärzte den Ursachen auf den Grund. Diese Verfahren ist ein Instrument der IQM, um die Qualität zu verbessern - offenbar mit Erfolg: "Wir haben die Protokolle intern aufgearbeitet und die Optimierungsvorschläge in den täglichen Abläufen integriert. Es geht aber nicht um schwerwiegende Behandlungsfehler", sagt Dr. Martina Egle, Oberärztin in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie mit Schlaganfallstation. "Die Zahlen sind jetzt sehr gut. Es herrscht doch irgendwann eine gewisse Betriebsblindheit, so dass es gut ist, wenn einmal ein Externer draufschaut", kann die Ärztin dem Prozess nur Positives abgewinnen.

Der Geschäftsführer macht kein Hehl daraus, dass die Ankündigung des Review-Verfahrens seinerzeit nicht nur Jubelstürme in der Chefarzt-Besprechung ausgelöst habe: "Es gab eine kontroverse Debatte." Die Skepsis sei jedoch schnell gewichen, " es ging darum, sich inhaltlich und fachlich zu ergänzen und nicht darum, jemanden vorzuführen", fügt Professor Stephen Schröder, Chefarzt der Kardiologie, hinzu. Der Mediziner geht selbst als "Reviewer" in andere Kliniken, um dort Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, und spricht bei den Kreiskliniken von einer "exzellenten Ergebnisqualität". Zustimmendes Nicken des Geschäftsführers: "Da sind wir schon ein bisschen stolz drauf."


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Autor: SUSANN SCHÖNFELDER | 21.07.2011

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