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Polizei, Veranstalter und Gemeinden warnen vor K.o.-Tropfen an Fasching

Vor dem Höhepunkt der Faschingssaison warnt die Polizei vor K.o.-Tropfen: Nach einem gravierenden Vorfall in Wäschenbeuren im vergangenen Jahr sollen Veranstalter und Feiernde besser vorbereitet sein.

Autor: DIRK HÜLSER |
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Sie sind farb- und geschmacklos und werden landläufig als "Tranquilizer" bezeichnet - doch vor allem in Kombination mit Alkohol und anderen Drogen können sie eine verheerende oder gar tödliche Wirkung entfalten: K.o.-Tropfen. Deshalb hat das Landeskriminalamt (LKA) eine neue Präventionskampagne gestartet, sie heißt "K.o.-Tropfen - Die Gefahr lauert im Glas".

Auch im Landkreis Göppingen kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Anzeigen, dass die Tranquilizer verabreicht worden sein sollen, berichtet die Polizei. Lediglich einmal gelang 2012 aber der Nachweis: Vier jungen Männern wurden im Februar bei einer Faschingsveranstaltung in Wäschenbeuren die betäubenden Tropfen nachweislich unter die Getränke gemischt. Auf das Ergebnis der Blutuntersuchung eines weiteren Verdachtsfalls beim Narrensprung in Göppingen am 12. Januar wartet die Polizei noch.

"Im Faschingstrubel ist es für Täter besonders leicht, sich ein Opfer zu suchen und dessen Getränk zu präparieren", warnt das LKA nun. "Wie alle Gemeinden im Umkreis sind wir heute vom LKA informiert worden", sagte gestern Eleonore Ihring von der Gemeindeverwaltung Wäschenbeuren. Letztlich könne das Verabreichen der Betäubungsmittel nicht verhindert werden, meint sie: "Man kann nur über Informationen an die Jugendlichen etwas erreichen." Aber ob jemand eine kleine Ampulle mit Tropfen in der Tasche habe, könne unmöglich kontrolliert werden, auch wenn beim Faschingsumzug wieder eine Sperrzone eingerichtet wird, in die keine Flaschen mitgenommen werden dürfen. Die Gemeinde hat jedenfalls Plakate im Jugendraum aufgehängt und Flyer ausgelegt und auch den Fasnetsvereinen Infomaterial zukommen lassen. Ihring versteht nicht, warum jemand anderen Menschen solche gefährlichen Medikamente verabreicht: "Das ist doch keine Bagatelle. Ich weiß nicht, ob sich die Leute überhaupt darüber im Klaren sind, dass sie mit dem Leben anderer spielen."

In Donzdorf sind bislang keine Fälle mit K.o.-Tropfen bekanntgeworden, doch auch Helmut Gärtner vom Kulturring räumt ein, dass der Verein als Veranstalter des großen Umzugs nicht allzu viel machen könne. Er selbst habe im vergangenen Jahr als Umzugssprecher die Zuschauer immer wieder auf die Gefahr hingewiesen und davor gewarnt, Getränke unbeaufsichtigt stehen zu lassen oder von Fremden anzunehmen. "Und es ist dann auch nichts passiert", sagt Gärtner.

Dieses Vorgehen ist ganz im Sinne des LKA, denn auch dessen Präsident Dieter Schneider rät: "Das Wichtigste ist das Bewusstsein über die Gefahren und ein gesundes Misstrauen. Keinesfalls offene Getränke von Unbekannten annehmen. Freunde sollten aufeinander achten und ihre Getränke nicht aus den Augen lassen."

Wie die Tropfen funktionieren, erklärt Peter Bentzen, Internist in der Zentralen Notaufnahme der Klinik am Eichert: "Am häufigsten verwendet wird Flunitrazepam. Es wurde als Schlafmittel erfunden, wird aber von Vergewaltigern benutzt, weil man bei der richtigen Dosis noch halbwach ist aber später keine Erinnerung mehr hat."

In der Notaufnahme landen die Opfer aber in der Regel nicht, sagt Bentzen. Meist handele es sich um Frauen, die dann vergewaltigt werden und deshalb zum Frauenarzt gehen. Unterdessen wird den Tätern die Beschaffung leicht gemacht: Im Internet werben auch deutschsprachige Seiten für die Tropfen, offenbar unbehelligt von den Strafverfolgern.

Ganz "ohne Zollrisiko" könnten die Kunden K.o.-Tropfen bestellen, wie sie "im Rahmen von Straftaten wie Sexual- oder Eigentumsdelikten genutzt" werden. Zynisch wird versprochen: "Wir garantieren unseren Kunden ein hohes Maß an Sicherheit, Qualität und erstklassigen Service."

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