Personalabbau bei Kaufhof

Göppingen.  In der Göppinger Kaufhof- Filiale müssen acht Mitarbeiter gehen. Mit einer neuen Shoppingmall in der Bleichstraße wäre das nicht passiert, glaubt der Betriebsrat. Die Gewerkschaft sieht im Personalabbau ein Novum und will klagen.

"Grabesstimmung" herrscht unter den Beschäftigten der Göppinger Kaufhof-Filiale, sagt Hans Thiener, Betriebsratsvorsitzender im Haus. "Die Mitarbeiter sind maßlos enttäuscht vom Kaufhof-Konzern". Acht Beschäftigten flatterte am Samstag und gestern die Kündigung ins Haus. Darunter waren zum Teil Angestellte, die fast zwei Jahrzehnte lang zur Stammbelegschaft gehörten. "Was uns verbittert, ist der Umgang und die soziale Kälte, die die Konzernführung an den Tag legt", sagte Martin Gross, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Fils-Neckar-Alb. Die Göppinger Kaufhof-Filiale mit ihren 86 Beschäftigten schreibe schwarze Zahlen. Sämtliche Angebote über Kurzarbeit zu verhandeln, seien von der Zentrale in den Wind geschrieben worden, klagt Gross, der zusammen mit Leni Breymaier, der Landes-Chefin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, gestern eigens eine Pressekonferenz gab. Betriebsbedingte Kündigungen seien ein Novum bei Kaufhof, entrüstete sich die Gewerkschafts-Chefin. "Das schlägt auch Wellen im Konzern, man schaut deutschlandweit auf Göppingen." Leni Breymaier sieht in den Göppinger Vorgängen ein Fanal für die Zukunft: "Der Niedergang einer Vertriebsform im Einzelhandel wird hier mit Volldampf betrieben". Dabei seien Warenhäuser auf die engagierten Mitarbeiter angewiesen. Martin Gross ergänzt, gerade in Göppingen arbeite eine hochmotivierte Belegschaft, die persönliche Beziehungen zu den Kunden geschaffen habe. "Die Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Der Sachverstand vor Ort zähle aber nicht. Irgendein Mitarbeiter in der fernen Kölner Zentrale habe die Kündigungen "eiskalt" allein nach Profitgesichtspunkten entschieden, so Gross. Alle acht Kündigungen betreffen Frauen. "Ein Schlag ins Gesicht von Mitarbeitern und Gewerkschaften", nennt Gross die Weigerung, über Kurzarbeit oder Dutzende andere Verbesserungsvorschläge zu verhandeln. Er kündigte an, die Entlassungen gerichtlich anzufechten.

Auf die Frage, ob die Entlassungen mit der Entscheidung für die Bleichstraße als Standort eines neuen Einkaufszentrums hätten vermieden werden können, hat der Betriebsratsvorsitzende ein deutliches "Ja" parat. Mit der zu erwartenden Vergrößerung der Fläche wären auch mehr Mitarbeiter nötig geworden, die Kündigungen verhindert worden. Das ist nun passé, auch wenn der Mietvertrag für die Bleichstraße noch bis 2014 läuft. Und was wird danach aus dem Kaufhof in der Bleichstraße? Sollte es zum Bau der Shoppingmall am Bahnhof kommen, "dann wird es schwierig", glaubt Gross. Die neu entstehenden Arbeitsplätze seien dann auch für Kaufhof-Mitarbeiter kein Trost, denn in Einkaufszentren werde erfahrungsgemäß stark auf geringfügig Beschäftigte gesetzt, meint der Gewerkschafter.

Steffen Kern, Konzernsprecher bei Kaufhof in Köln, bestätigte, dass es bei Kaufhof in Deutschland nur ganz vereinzelt Kündigungen gegeben habe. Ziel der aktuellen Entlassungen sei es, "die Filiale langfristig erfolgreich und profitabel aufzustellen". Eine "standortindividuelle Maßnahme" nennt Kern das. Dabei seien politische Entscheidungen mitberücksichtigt worden, bestätigt der Sprecher und meint damit das Votum gegen die Bleichstraße als Einkaufsstandort. Bei der Frage nach der Zukunft der Kaufhof-Filiale hält sich der Sprecher bedeckt. "Göppingen ist gut aufgestellt". Über die langfristige Zukunft wolle er aber "nicht spekulieren". Das alles dürfte die Stimmung unter den verbliebenen Kaufhof-Angestellten nicht gerade verbessern.


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Autor: ARND WOLETZ | 01.06.2010

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