Per Bus zu den Zügen

Göppingen.  Mit den Märklintagen war Göppingen am Wochenende ein Mekka für Modellbahn-Begeisterte. Ein eingerichteter Buspendelverkehr transportierte die zahlreichen Besucher zu den vier Veranstaltungsorten.

Ein Mann in blauer Uniform läuft die Bushaltestelle auf und ab, gestikuliert dabei ausladend und ruft seinen umstehenden Kollegen Anweisungen zu. Bis zu fünf Busse stehen am Straßenrand auf dem Stauferpark-Gelände, kommen entweder gerade an oder fahren schon wieder ab. Daneben jede Menge Menschen, die aus einem Bus drängen oder darauf warten, in einen einsteigen zu können.

Andreas Wuttke vom Omnibusverkehr Göppingen (OVG) koordiniert an diesem Wochenende den Buspendelverkehr, der eigens für die Märklin-Tage eingerichtet wurde. "Heute sind zwischen 30 und 35 Busfahrer im Einsatz, die nur die Märklintour" fahren", erklärt Wuttke, der gleich wieder weiter muss, um den nächsten vollen Bus abfahren zu lassen. Jeder Fahrer macht etwa viereinhalb Stunden am Stück Dienst, bevor er sich von einem Kollegen ablösen lässt. Insgesamt sind für die Modellbahn-Messe zwölf Busse unterwegs, die aus ganz Baden-Württemberg angemietet werden mussten, da die Göppinger Fahrzeuge für den regulären Schulverkehr benötigt werden. Gestern und am Samstag konnte die OVG dann auf eigene Busse zurückgreifen.

Jeder Bus fährt die selbe Route: Vom Stauferpark aus geht es über den Bahnhof und die Märklin-Erlebniswelt zum Leonhard-Weiss-Areal und wieder zurück zum Stauferpark. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten - mal mehr, mal weniger. "Es dauert so lange, wie es dauert", sagt einer der Busfahrer, die sich gerade ein Päuschen im Schatten gönnen, und lacht. Die Route sei eine willkommene Abwechslung zum normalen Linienverkehr, freut sich Claus Nusser, ebenfalls Busfahrer aus Göppingen. "Man hat keinen Zeitdruck." Was sich hier ein wenig nach Gemütlichkeit anhört, ist für Wuttke Stress. Die Busse fahren im Minutentakt ab, und der Mann in blau muss dafür sorgen, dass alles reibungslos abläuft - und das tut es.

Kaum ist man in einen der Busse eingestiegen, befindet man sich auf internationalem Terrain. Henk Brink und sein Bruder sind extra aus Assen, im Norden Hollands gelegen, angereist. 700 Kilometer haben die beiden zurückgelegt, um ein "Deutsches Krokodil" oder einen "Roten Heuler" - beides berühmte Lokomotiven - zu sehen. "Die Organisatoren haben sich viel Mühe gegeben", meint Brink. Es sei super, dass man das Auto abstellen könne und trotzdem überall hinkomme.

Der Bus ist voll besetzt, manche Fahrgäste müssen sogar stehen. Die meisten unterhalten sich angeregt über ihre Modellbahn-Anlagen und nach welchem Ersatzteil sie sich noch umschauen wollen. Von den hinteren Bänken wehen auch ein paar englische Sprachfetzen herüber.

Für Fritz Reisser aus der Schweiz bedeutet der Besuch der MärklinTage die Rückkehr in die Heimat. Der 83-Jährige, der in der Nähe von Basel lebt, ist in Esslingen aufgewachsen und nach dem Studium ausgewandert. "Die letzte Modellbahn, die ich mir angeschafft habe, hat inzwischen mein Sohn", erzählt er. Trotzdem begeistern ihn Eisenbahnen nach wie vor. Über den Buspendelverkehr kann er nur sagen: "Wunderbar."


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Autor: KERSTIN SCHELLHORN | 19.09.2011

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