Ohne Navi zum Einsatz
Kreis Göppingen. Sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden - kein Problem: Das Navigationsgerät machts möglich. Nicht jedoch in Streifenwagen der Polizei. Denn für sie sind auch künftig keine Navis vorgesehen. Zu teuer.
Als kürzlich auswärtige Polizeikräfte zu einer Großkontrolle nach Geislingen beordert wurden, taten sich die Beamten innerhalb der Stadt schwer, ihren Einsatzort zu finden. Mühsam mussten sie beispielsweise per Funk zur Heidenheimer Straße gelotst werden - und dies, obwohl auf den Frequenzen zu diesem Zeitpunkt reichlich Funkverkehr herrschte.
Was in vielen Privatautos inzwischen zur Standardausrüstung gehört, haben jene, die ihre Einsatzorte möglichst schnell erreichen sollten, nicht zur Verfügung. Denn auch bei der Anschaffung, beziehungsweise dem Leasing neuer Streifenwagen sind Navigationsgeräte nicht vorgesehen. Günter Loos, einer der Sprecher des zuständigen Stuttgarter Innenministeriums, hält derlei Anschaffung auch keinesfalls für dringlich: Von einem Polizeibeamten müsse man erwarten können, dass er sich in seinem Dienstbezirk auskenne. Außerdem gebe es Landkarten und Ortspläne.
Statt mit moderner Navigationstechnik freilich sind die auf 36 Monate geleasten Streifenwagen serienmäßig mit einem Radio ausgestattet - obwohl dieses, wie Günter Loos einräumt, vielfach "lahmgelegt" sei, um die Kosten für die Rundfunkgebühr und zusätzliche Leasingraten zu sparen. Es deshalb gleich von vorneherein gegen ein Navigationsgerät auszutauschen, verbiete der Leasingvertrag - ganz abgesehen davon, dass es sich um eine teure Extra-Ausstattung handeln würde.
Den einzelnen Polizeidirektionen sei es jedoch unbenommen, ihre Beamten aus eigenem Etat mit tragbaren Navigeräten auszustatten. Allerdings, das gibt Loos zu bedenken, stießen die einzelnen Direktionen ziemlich schnell an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten, zumal sie an ihren eigentlichen polizeilichen Aufgaben nicht sparen dürften. So hat das Geislinger Polizeirevier beispielsweise nur ein einziges Gerät zur Verfügung. Die Göppinger Direktion will einige weitere transportable Geräte beschaffen. Doch Pressesprecher Harald Steck betont: "Früher gings ja auch ganz gut ohne." Außerdem sei in jedem Streifenwagen entsprechendes Kartenmaterial vorhanden.
Loos verteidigt die Sparmaßnahmen des Innenministeriums, dessen polizeilicher Fuhrpark rund 5400 Fahrzeuge umfasst. Auch bei deren dreijährigem Austausch müsse scharf kalkuliert werden. Die Ausschreibung der Leasingverträge erfolge pflichtgemäß EU-weit, sodass es sogar denkbar wäre, dass bei der Vergabe an den günstigsten Bieter ausländische Hersteller zum Zuge kämen. Bislang sind die Streifenwagen in Baden-Württemberg überwiegend von Volkswagen; jüngst jedoch hat Daimler mit der Lieferung von rund 900 C-Klasse-Mercedes das Rennen gemacht.
Auch den Vorwurf, das Geld für die neue blaue Uniformen wäre besser in Navigationsgeräte investiert worden, will der Sprecher des Innenministeriums nicht gelten lassen. Im Vergleich zu den Kosten für die ohnehin turnusmäßig anstehenden Neuanschaffungen von Uniformteilen seien lediglich Mehrausgaben von 1,43 Millionen Euro entstanden. Außerdem bestehe die neue Kleidung aus qualitätsmäßig hochwertigerem Material.
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Autor: MANFRED BOMM | 03.09.2010
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Was in vielen Privatautos inzwischen zur Standardausrüstung gehört, haben jene, die ihre Einsatzorte möglichst schnell erreichen sollten, nicht zur Verfügung. Die Streifenwagen der Polizei im Landkreis Göppingen müssen auch künftig ohne Navigationsgeräte auskommen. Foto: Archiv
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