Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen über Heimat und Schwindel-Vorwürfe

Am 27. Januar gastieren die Kastelruther Spatzen in der EWS-Arena in Göppingen. Im Interview spricht Frontmann Norbert Rier über Heimat, Flüchtlinge und die Vorwürfe des Etikettenschwindels.

MARCUS ZECHA |

Herr Rier, Sie leiten seit 1983 die Kastelruther Spatzen. Trifft es Sie noch, wenn Sie wieder mal in die Schublade "ewig fröhlich-gestriger Volksmusikant" gesteckt werden?

NORBERT RIER: Nein, neben fröhlichen Titeln machen wir schon immer auch nachdenkliche Lieder. Aber klar: Vor allem sollen die Hörer unsere Musik genießen, sie sollen entspannen.

Also steht Unterhaltung im Vordergrund?

Ja.

Ihr erster Hit war "Das Mädchen mit den erloschenen Augen" über ein Mädchen, das den Verlockungen der Stadt erliegt und rauschgiftsüchtig wird. Auf den Land herrscht aber auch nicht nur heile Welt . . .

Natürlich hat sich dort - das Lied stammt von 1983 - viel verändert. Aber Kastelruth und Südtirol - das ist für mich nach wie vor heile Welt.

Was bedeutet für Sie Heimat?

Zunächst einmal etwas ganz Wertvolles. Das gilt wahrscheinlich für alle Menschen - und für uns natürlich noch mehr, weil wir aus dieser herrlichen Berglandschaft um die Dolomiten kommen, und wer schon einmal dort war, wird verstehen, dass es uns immer wieder voller Sehnsucht dorthin zurückzieht.

Könnten Sie sich vorstellen, ein Lied über Flüchtlinge zu schreiben, also Heimatlose?

Wir haben schon vor zwei, drei Jahren ein Lied aufgenommen, das heißt "Der erste Tag im Paradies" und handelt von Flüchtlingen, die in Lampedusa ankommen, wo es eben nicht so rosig ist, wie sie sich das ausgemalt haben.

Sie haben 2014 Ihr 30. Kastelruther Spatzenfest im Freien gefeiert. Ist das für Sie immer noch ein Erlebnis?

Ja, natürlich. Es hätte keiner von uns gedacht, dass wir das so lange machen. Das ist ja nicht selbstverständlich, das sollte man genießen.

Werden die Fans mit Ihnen älter? Oder hören auch Junge Ihre Lieder?

Wir werden mit dem Publikum älter, ganz klar. Aber es kommen schon auch junge Leute hinzu.

Sie sind jetzt 55 und seit 36 Jahren ein Spatz. Denkt man da manchmal ans Aufhören?

Man denkt sich schon hin und wieder: Wie lange wird das noch gehen, wie lange schafft man das noch - die langen Fahrten, die Strapazen einer langen Tour. Aber wenn man dann auf der Bühne steht und sieht, wie die Leute mitmachen und wie sie begeistert sind, dann entschädigt das für vieles. Und wenn ich zuhause bin, hab ich meinen Ausgleich, die Landwirtschaft. Also langweilig wird's mir nicht.

2012 wurde bekannt, dass die Kastelruther auf einigen Tonträger-Aufnahmen nicht selbst gespielt, sondern Studiomusiker engagiert haben. Hängt Ihnen das noch nach? War es ein Fehler?

Das war kein Fehler von uns, sondern von dem, mit dem wir jahrelang zusammen gearbeitet haben und der dann ein Buch über uns geschrieben hat.

Sie reden von Walter Widemair, Ihren ehemaligen Produzenten, der in "Wenn Berge nicht mehr schweigen" schwere Vorwürfe gegen Sie erhebt.

Ja, er hat uns schlecht gemacht, aber das ging extrem nach hinten los. Uns gibt es immer noch. Von ihm hab ich schon lange nichts mehr gehört.

Aber faktisch hat er ja Recht: Sie haben teilweise nicht selbst gespielt. Er folgert daraus, der Erfolg der Band sei "auf einem Riesenschwindel aufgebaut". Stimmt das?

Nein, im Gegensatz zur Live-Musik, wo jeder selber spielt, ist das bei Aufnahmen gang und gäbe, dafür gibt es Studiomusiker.

Sie sind seit fast 40 Jahren dabei: Ist es heute einfacher oder schwerer, volkstümliche Lieder zu schreiben?

Eher schwieriger. Es ist heute alles viel schnelllebiger als früher. Wir kriegen zum Glück immer noch sehr gute Sachen zugeschickt. Und unser Keyboarder Albin Gross schreibt gute Liedtexte. Man staunt manchmal selber, dass es immer wieder interessante Themen gibt, über die gesungen wird. Aber am Ende entscheidet die Reaktion des Publikums.

Apropos: Was kann das Göppinger Publikum im Januar von den Spatzen erwarten?

Wir werden Stücke unserer letzten CD "Heimat - Deine Lieder" spielen, Sachen vom neuen Album, das im Mai 2016 erscheinen wird, und natürlich auch einige ältere Titel, die die Leute einfach erwarten.

Also eine bunte Mischung aus Alt und Neu.

Genau, jede Menge Musik.

Info Norbert Rier gastiert mit seinen Kastelruther Spatzen am Mittwoch, 27. Januar, ab 19.30 Uhr in der EWS-Arena in Göppingen.

Zur Person

Norbert Rier ist am 14. April 1960 in Kastelruth/Südtirol geboren und wurde vor allem als Sänger und Frontmann der Kastelruther Spatzen bekannt. Seit 1983 ist er mit Isabella verheiratet und hat vier Kinder. Im Gegensatz zu seinen Bandkollegen hat er als einziger keine musikalische Ausbildung. Er ist von Beruf Landwirt und betreibt in seiner Freizeit eine Haflingerzucht. Im Oktober 2006 veröffentlichte Norbert Rier seine Autobiographie. SWP

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