Neue Schulform nicht im Turbo-Gang

Kreis Göppingen.  Der Göppinger Landtagsabgeordnete Jörg Matthias Fritz kündigte bei der Kreisversammlung der Grünen einen vorsichtigen Kurs zur Gemeinschaftsschule an. Nicht ganz Grün ist sich die Partei beim Thema G8.

Wie wichtig das Thema Bildung für die Grünen im Land ist, verdeutlichte der Abgeordnete Jörg Matthias Fritz bei der Kreisversammlung der Partei. Neben massivem Einsatz für die frühkindliche Bildung wolle die Landesregierung die mangelhafte Unterrichtsversorgung verbessern, kündigte Fritz an. Wichtiger Punkt sei auch die Einführung der Gemeinschaftsschule. Das Konzept basiere auf dem längeren gemeinsamen Lernen und helfe schwächeren und stärkeren Schülern gleichermaßen.

Diskussionen gab es allerdings um die geringe Zahl von 30 Schulen im ganzen Land, mit der die Landesregierung den Wandel angehen will. Das sei umgerechnet nicht einmal eine Schule pro Landkreis, dabei liegen schon 200 Anmeldungen vor. Auch im Kreis Göppingen hätten viele Kommunen Interesse an der neuen Schulform. Sie würden "ausgebremst", so die Befürchtung eines Parteimitglieds. Der Abgeordnete betonte jedoch, dass bei der Gemeinschaftsschule Qualität vor Quantität gehe. Außerdem sei das Schulsystem ein komplexes Gebilde. "Wenn man an einem Rädchen dreht, dreht sich alles andere mit, nur wissen wir nicht, wie", sagte Fritz. Deshalb müssten zuerst die Auswirkungen, beispielsweise auf die Berufskollegs oder die Realschulen, beobachtet werden.

Keine einheitliche Linie offenbarten die Kreisgrünen beim Thema G8 und G9. "Die Kinder sind mit G8 fix und fertig", berichtete die Göppinger Grünen-Stadträtin und Gymnasiallehrerin Eva Epple. Die Mehrheit des Kollegiums an ihrer Schule plädiere deshalb dafür, auch den neunjährigen Zug als Wahlmöglichkeit wieder einzuführen. Dagegen warnte der Kreisvorsitzende Walter Kißling vor einem zu schnellen Rückweg zum neunjährigen Abitur. Schließlich koste so etwas auch Geld - und das fehle dann wieder bei der Einführung der Gemeinschaftsschule. Auch Jörg Matthias Fritz sagte, er halte einen "Rollback" zu G9 für falsch.

Beim Thema Verkehr verteidigte Fritz erneut seine Position, dass angesichts fehlenden Geldes den Menschen keine falschen Hoffnungen mehr auf den Bau neuer Straßen gemacht werden dürften - beispielsweise die heftig geforderte Ortsumgehung von Jebenhausen. Man müsse den Menschen klar sagen, dass dafür in dieser Legislaturperiode kein Geld vorhanden sein wird. "Die Zeit der leeren Versprechen ist vorbei", sagte Fritz.


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Autor: ARND WOLETZ | 27.09.2011

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