Mut und Selbstvertrauen
Göppingen. Zum 20-jährigen Bestehen gestaltete der Kammerchor Capella Nova im Rahmen des Sommerfestivals Schloss Filseck ein bemerkenswertes Festkonzert in der Stiftskirche Faurndau.
Zu solchem Anlass eine Programmfolge zu wählen, die Gewichtig-Traditionelles mit Anspruchsvoll-Zeitgenössischem in kontrastreichem Gegenüber paart, erfordert zunächst einmal Mut, den Anforderungen der Werke auch interpretatorisch gerecht zu werden, sodann ein gesundes Selbstvertrauen in das eigene Können, das auch die Berührung mit den Grenzen des sängerischen Leistungsvermögens nicht scheut. So stellte sich bei den Zuhörern denn auch zuerst Bewunderung für die Courage ein, mit der die Capella Nova unter der ebenso unmissverständlich fordernden wie kenntnisreich den Weg weisenden Leitung von Gerald Buß sich - vielleicht nicht immer ganz trittfest - durch das an Tücken reiche Terrain der ausgewählten Literatur bewegte, angefangen von Bach über Mendelssohn und Brahms bis hin zu Knut Nystedt, Arvo Pärt, Bo Hansson, John Rutter oder Michael Waldenby. Dabei schien dem Chor und seinem Dirigenten weniger daran gelegen, die formalen Komponenten der Werke mit letzter Konsequenz herauszuarbeiten, als vielmehr deren Inhalte ausdrucksstark ins rechte sängerische und gestalterische Licht zu rücken.
In gewiss wohlbedachtem Verzicht auf ein bis ins letzte dynamische Detail ausgewogenes Klangbild setzten die Hobby-Sängerinnen und -Sänger sowie ihr Dirigent eher auf die Profilierung der einzelnen Chorsektionen und die expressive Verdeutlichung melodischer Abläufe und harmonischer Strukturen - eine Interpretationsabsicht, die vor allem den aus langer A-cappella-Tradition gespeisten Werken eines Bo Hansson (Lighten Mine Eyes), John Rutter (I My Best-Beloveds Am) oder Knut Nystedt (Es sollen wohl Berge weichen) zugute kam, aber auch bei Mendelssohn (Motette "Jauchzet dem Herrn, alle Welt") und Brahms (Motette "Schaffe in mir, Gott, ein reich Herz") überzeugende Darstellungen erreichte. Nicht im selben zwingenden Maß gerieten Michael Waldenbys pointiert an den Anfang des Programms gesetztes "Memento" (der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser erwies sich denn doch etwas zu riskant) und Arvo Pärts harmonisch oszillierendes "Magnificat". Vollends an die Grenzen ihrer chorischen Möglichkeiten stieß die Capella Nova bei der Interpretation von Bachs formal ebenso ausladender wie komplexer Motette "Jesu, meine Freude", die dennoch mit nie nachlassendem Engagement gemeistert wurde, wiewohl manches nicht immer nach dem Wunsch und der Vorstellung der Sänger geriet.
Am Ende begeisterter Beifall.
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Autor: HANS HERDEG | 30.07.2010
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Der Kammerchor Capella Nova beeindruckte die Zuhörer in der Stiftskirche Faurndau mit einem gehaltvollen Jubiläumskonzert. Foto: Staufenpress
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