Müllofen: Schweden am Drücker
Der Eon-Konzern hat 51 Prozent seiner Anteile an seiner Tochter EEW verkauft, zu der auch das Göppinger Müllheizkraftwerk gehört. Für den Landkreis ändert sich nichts, betont der Abfallwirtschaftsbetrieb.
Autor: SUSANN SCHÖNFELDER |Der Deal ging kurz vor Weihnachten über die Bühne, gestern informierte der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises die Öffentlichkeit: Der größte deutsche Energieversorger Eon hat 51 Prozent seiner Anteile am Tochterunternehmen EEW (Eon Energy from Waste) an den schwedischen Investmentfond EQT verkauft. Zur EEW-Gruppe, in der die Abfallsparte des Eon-Konzerns gebündelt ist, gehört auch das Göppinger Müllheizkraftwerk. Nach bislang vorliegenden Informationen soll der Eigentümerwechsel im Frühjahr dieses Jahres perfekt sein, sagte gestern der Leiter des AWB, Eberhard Stähle. Er geht davon aus, dass bei dem Geschäft auch die Kartellbehörden noch ein Wörtchen mitzureden haben. EQT ist ein auf die Entwicklung von Infrastruktur-Unternehmen spezialisierter Fonds, die EEW ist in Deutschland Marktführer im Bereich der Energiegewinnung aus Abfall und auch in Luxemburg und in den Niederlanden tätig. Das Unternehmen betreibt insgesamt 18 Abfallverbrennungsanlagen und produziert Strom, Fernwärme und Industriedampf. Der Eon-Konzern will offenbar den restlichen Anteil von 49 Prozent behalten.
Insgesamt sieht Stähle der Veränderung gelassen entgegen: Es habe immer wieder Umstrukturierungen und Umfirmierungen gegeben, "und das hat sich nie auf das Müllheizkraftwerk ausgewirkt". Die Entsorgungssicherheit für den Landkreis sei weiterhin "in vollem Umfang garantiert", betont der ABW-Leiter. Derzeit gebe es keine offizielle Mitteilung, was sich durch den Wechsel ändern werde. Der Abfallwirtschaftsbetrieb prüfe derzeit mögliche rechtliche Konsequenzen für den Vertrag mit der EEW-Gruppe, der bis zum Jahr 2025 läuft.
Der Landkreis hatte das Müllheizkraftwerk 1975 in Göppingen gebaut, seit Ende der Neunzigerjahre wird es von der Eon-Tochter EEW betrieben. In der Anlage werden täglich zwischen 400 und 800 Tonnen Müll aus Haushalt und Gewerbe verbrannt - das sind im Jahr etwa 155 000 Tonnen. Mit der gewonnenen Energie aus dem Müllofen wird über eine Dampfturbine Strom für rund 20 000 Haushalte ins Netz gespeist. Außerdem werden die Klinik am Eichert, die benachbarte Wohnsiedlung Bergfeld sowie das Gelände der Bereitschaftspolizei mit Fernwärme versorgt.




