Mitten in der Gesellschaft angekommen

Göppingen.  Menschen mit Behinderung sind mitten in der Gesellschaft angekommen. Am Samstag feierten sie den Gleichstellungstag im Herzen Göppingens.

"Menschen mit Behinderung können ihre Freizeit nach ihren Wünschen gestalten" - der Text auf einer Plakatwand ist für Meike zur Selbstverständlichkeit geworden. Die junge Frau zeigt sich äußerst geschickt am Basketballkorb, trifft fast jeden Ball. So belegte sie am Samstag auf dem Marktplatz einmal mehr augenscheinlich, "dass Menschen mit einer Behinderung nicht anders sind als andere und dass sie viele Fähigkeiten haben".

Hans-Peter Gramlich, Sozialdezernent des Landkreises, hatte gemeinsam mit Klaus Riegert, dem Vorsitzenden des Kreisbehindertenringes, den Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen unter dem Motto "Inklusion beginnt im Kopf" eröffnet. Er strich heraus, dass Inklusion bedeute, dass die Betroffenen in Regelbetrieben und nicht in beschützten Werkstätten arbeiten, dass sie Regelkindergärten und -schulen besuchten, dass sie aber auch die Möglichkeit haben, selbstbestimmt "besondere Einrichtungen zu besuchen" und diese Wahlmöglichkeit wichtig sei.

Die Veranstaltung war zum zweiten Mal vom Netzwerk "Alle Dabei" organisiert worden und zeigte nicht nur das breite Spektrum von Einrichtungen, die Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag unterstützen. Mit zahlreichen Aktionen zum Mitmachen luden Organisationen wie die Lebenshilfe, der Soziale Friedensdienst, die Stiftung Haus Lindenhof, Viadukt oder das Institut in Eckwälden ein, mit den Betroffenen und ihren Angehörigen ins Gespräch zu kommen.

Uwe Hartmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe Göppingen, freute sich "über die tollen Rahmenbedingungen für die sehr offene und durchmischte Veranstaltung", die "hier im Zentrum der Stadt" an der genau richtigen Stelle stattfinde. Die Begegnungen trügen dazu bei, Hemmschwellen abzubauen. Er sieht Veränderungen in der Gesellschaft in der Wahrnehmung von Menschen mit einem Handicap, betrachten Veranstaltungen wie den Gleichstellungstag als "wichtigen Baustein" in dem Prozess der Gleichberechtigung.

Während Daniela Krank vom Institut Eckwälden gemeinsam mit einer Besucherin eine Sonnenblume einpflanzte, bestätigte Matthias Renning vom Trägerverein des Instituts den Wandel in der Gesellschaft. Er hätte sich freilich "noch mehr Begegnungen" gewünscht".

"Fast mehr Preise als Lose" gab es bei der Tombola der Lebenshilfe. "Sie ist der absolute Renner", freute sich Petra Schmid. Die Band "Neuroleptica" spielte guten alten Rock, die Tanzgruppe "Creaktiv" der Bodelschwinghschule Geislingen begeisterte mit einer ausgefallenen Choreographie.

Am Ende waren sich alle einig: die Veranstaltung war am richtigen Ort angekommen - Mitten in der Stadt. Und während der kleine Leo und Chiara ihre Geschicklichkeit beim Fische angeln unter Beweis stellten, zeigte schon der nächste Rollstuhlfahrer die seine beim mühelosen Kurven durch einen Geschicklichkeitsparcours.


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Autor: MARGIT HAAS | 16.05.2011

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