Mit bravouröser Leichtigkeit

Göppingen.  Auf beeindruckende Weise stellte sich das MDR-Sinfonieorchester Leipzig in Göppingen vor. Bemerkenswerter noch als die Leistung der Radiomusiker aus Sachsen war der Auftritt des Pianisten Herbert Schuch.

Herbert Schuch ist kein großer Name, dessen Nennung allein schon bei den Musikfreunden Reflexe erwartungsfroher Bewunderung hätte auslösen können - bislang, denn das dürfte sich in absehbarer Zeit von Grund auf ändern. Dass er bereits ein großer Musiker ist, bewies er in der Stadthalle eindrucksvoll mit seiner Interpretation von Beethovens C-Dur-Klavierkonzert op. 15, in der sich musikalische Gestaltungskunst und klavieristische Brillanz zu einer faszinierenden Darstellung verbanden. War der Hörer zunächst "nur" verblüfft über die souverän die spielerischen Mittel disponierende Leichtigkeit, mit welcher der junge Pianist selbst schwierigste Passagen meisterte - und das Stück, das der Komponist Beethoven für den Klaviervirtuosen gleichen Namens zur bravourösen Selbstdarstellung schrieb, reiht solche in einer Vielzahl aneinander, besonders auch in der schwersten der drei vom Komponisten selbst verfertigten Kadenzen, die Herbert Schuch für sich und seine Darstellung ausgewählt hatte -, so bewunderte man im Verlauf der Wiedergabe mehr und mehr den immensen Reichtum an Farben, ob kraftvoll leuchtend oder fein nuanciert changierend, mit denen der Solist den Klavierpart ausstattete; bald mit heftig ausgelebten Kontrasten, bald mit behutsam formulierten Übergängen baute er Steigerungen, setzte hier einen Akzent, nahm dort einen anderen wieder auf, um dem Werk vom ersten bis zum letzten Takt eine unerhörte Spannung aus pianistischer Virtuosität und überlegtem Einsatz musikalischer und spielerischer Mittel zuzuweisen - und das alles mit der in künstlerische Bescheidenheit sich hüllenden Attitüde handwerklicher Mühelosigkeit. Diese Qualitäten fanden ihre noch gehobenere Fortsetzung im zugegebenen Finalsatz aus Chopins 3. Klaviersonate op. 58, dessen durch die schlackenlose Durchdringung von interpretatorischer Poesie und pianistischer Bravour bezwingende Wiedergabe das sonst etwas zurückhaltende Göppinger Publikum zu Bravo-Rufen hinriss.

Eine so pointierte, dabei klar konturierte und deutlich artikulierte Interpretation des Beethoven-Konzerts wäre freilich nicht möglich gewesen ohne die bis ins Detail einvernehmliche Mitwirkung des MDR- Sinfonieorchesters Leipzig, das von seinem "Chef" Jun Märkl mit äußerster Bestimmtheit und suggestivem Temperament angehalten wurde zu spielerischer Präzision und darstellerischer Ausdrucksvielfalt, zu formaler Klarheit und instrumentaler Deutlichkeit bei feinst abschattierter Dynamik mit durchsichtig gesponnenen Piano-Verharrungen und exaltierten Fortissimo-Explosionen - orchestrale Vorzüge, die der Dirigent seinen Musikern bereits in Schumanns das Konzert einleitender Ouvertüre zu Schillers Drama "Die Braut von Messina" entlockt hatte, angesichts der eher zweitrangigen Komposition mit nur mäßigem Erfolg, um sie in der den Abend beschließenden Wiedergabe von Schumanns Es-Dur-Symphonie op. 97, der "Rheinischen", die den Komponisten auf der Höhe seines tonsetzerischen Könnens zeigt, zu instrumentalen Triumphen zu bündeln in einer fulminanten, bis zur musikalischen Atemlosigkeit vorangetriebenen Interpretation, die das Publikum zu langanhaltendem, begeistertem Applaus stimulierte.


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Autor: HANS HERDEG | 20.03.2010

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