Mit Vollgas aus dem Autohaus

Kreis Göppingen.  Ein Bild der Verwüstung: Mit brachialer Gewalt ist eine Einbrecher-Bande gestern Früh aus einem Autohaus geflüchtet. Als die Polizei eintraf, rasten die Täter mit einem Geländewagen durchs Schaufenster ins Freie.

Vier nagelneue Autos ineinandergeschoben, Schaufensterscheiben und Vitrinen zersplittert, Alurahmen aus der Verankerung gerissen. Als sei es eine Szene aus einem James-Bond-Film, so ist eine Einbrecher-Bande gestern gegen 4 Uhr aus dem BMW-Autohaus Fetzer an der B 10 zwischen Geislingen und Kuchen geflüchtet. Beim Anblick der Polizei rasten die Täter mit einem Geländewagen vom Typ X 5 durch den Verkaufsraum, demolierten vier nagelneue BMW und durchbrachen das Schaufenster. Anschließend schanzten sie mit dem Vierrad-getriebenen Fahrzeug die schneebedeckte Böschung zur B 10 hinab und jagten Richtung Geislingen davon.

Weil das Autohaus schon häufig das Ziel nächtlicher Einbrecher war, wird es von einer Sicherheitsfirma fernüberwacht. Gestern um 3.35 Uhr meldete die Alarmanlage Bewegungen im Gebäude. Wenig später fährt die Polizeistreife dicht an den Ausstellungsraum heran, in dem die Beamten mehrere Personen entdecken. Dann geht alles blitzartig: Ein Motor heult auf - und ein Geländewagen schießt quer durch den Raum, schiebt andere Neufahrzeuge zur Seite und durchbricht mit lautem Knall die große Glasscheibe des Schaufensters.

Während der graue BMW X 5 über die steile Böschung verschwindet, müssen die Polizisten zunächst zur B 10 zurückfahren. Sie haben keine Chance, den BMW einzuholen. Allerdings fällt der vorne stark lädierte Geländewagen knapp eine halbe Stunde später an der OMV-Tankstelle am Donzdorfer Stadtrand auf. Ein Bediensteter sieht, wie zwei etwa 25-jährige Männer den BMW betanken. Ihr Aussehen bezeichnet er später als "südländisch". Beide seien ganz in schwarz gekleidet gewesen, hätten Mützen tief ins Gesicht gezogen gehabt und schlecht deutsch gesprochen. Auf dem Armaturenbrett des BMW entdeckt der Zeuge ein Kennzeichen: GP - ST 1212. Dieses ist, so stellte sich heraus, kurz zuvor von einem Fahrzeug bei einem Autohaus in Hausen entwendet worden. Hoffnung setzen die Ermittler nun auf die Video-Überwachungsanlage der Tankstelle.

Nachdem der BMW Richtung Süßen davongefahren ist, wird er noch ein einziges Mal gesehen - zwei Stunden später bei Schlat, in Richtung Eschenbach. Möglicherweise hielten sich die Täter einige Zeit versteckt. Nach Meinung der Kriminalisten deutet vieles auf eine mindestens vierköpfige Bande hin. Deren Vorgehen lässt auf Profis schließen. Allerdings ist unklar, ob sie tatsächlich geplant hatten, den Geländewagen zu stehlen. Denn um ihn unbeschädigt herauszuholen, hätten sie die vor ihm stehenden Pkw wegrangieren und Schlüssel und Schalter zum Elektrotor finden müssen.

Als sicher gilt, dass sie zwei auf dem Freigelände geparkte Pkw entwenden wollten. Ebenso wäre vermutlich ein BMW X 1 geklaut worden, der im separaten Vorführraum stand. Die Verglasung der Zugangstür wurde zertrümmert, auf der Motorhaube des X 1 diverses Diebesgut angehäuft. Zum Diebstahl der vorgesehenen Autos wären mehrere Fahrer erforderlich gewesen wären.

Die Fahndung nach den Tätern gestaltete sich schwierig: Der Polizeihubschrauber konnte wegen Nebels nicht aufsteigen. Geprüft wird offenbar auch, ob sich der 80 000 Euro teure Geländewagen über ein Ortungssystem aufspüren lässt, womit normalerweise Fahrzeuge dieser Preisklasse ausgestattet sind.

Den Gesamtschaden beziffert der Autohaus-Juniorchef Jürgen Holz auf rund 250 000 Euro. Als Verdächtige hat Senor-Chef Eduard Groß drei Südosteuropäer im Visier, die sich vor zwei Wochen auffallend für den Geländewagen interessiert hatten. Vorsorglich hat Groß das Autokennzeichen der Männer notiert.


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Autor: MANFRED BOMM | 13.03.2010

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