Mit Burg touristisch punkten

Kreis Göppingen.  Den Wiederaufbau der Burg auf dem Hohenstaufen hat eine Interessengemeinschaft ins Gespräch gebracht. Die Anlage soll die Staufer ins Bewusstsein rufen und den Tourismus ankurbeln. Experten sind dagegen.

Die Idee ist nicht neu und wurde schon in der Vergangenheit immer wieder diskutiert. Jetzt gibt es im Landkreis aber eine neu formierte Interessengemeinschaft (IG), die den Wiederaufbau der Burg auf dem Hohenstaufen erneut ins Gespräch bringt. Der Kreis, dem nach Informationen der NWZ auch Unternehmer, Banker, Pädagogen, Künstler, Touristiker und geschichtsinteressierte Bürger angehören sollen, will mit seiner Initiative das Bewusstsein der Staufer und ihre Bedeutung für Europa in den Blickpunkt rücken.

Ein weiteres Ziel ist es, mit der neu aufgebauten Burganlage Touristenströme in den Landkreis zu locken. Experten halten eine halbe Million Besucher pro Jahr für durchaus möglich, wenn die Anlage rekonstruiert würde. Die Burg könne damit zu einem wichtigen Motor für den Wirtschaftszweig Tourismus im Landkreis werden und zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen. Finanziert werden soll der Burgaufbau nach Vorstellung der IG-Mitglieder weitgehend über Spenden aus der Bevölkerung sowie Stiftungen, Verbände und Organisationen.

Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till ist fasziniert von der Idee des Wiederaufbaus. Das Stadtoberhaupt: " Ich bin zwar Realist genug zu wissen, dass solch ein Projekt nicht von heute auf morgen verwirklicht werden kann, doch Visionen sollte man immer haben." Der Grundgedanke, der hinter dieser Idee steckt, sei richtig, so Till und verweist auf die aktuellen Bemühungen der Stadt, den Hohenstaufen für Geschichtsinteressierte und Touristen attraktiv zu machen. Mit der erfolgten Sanierung der Grundmauerreste, sowie dem geplanten Bau des Bistros in Gipfelnähe seien hierfür die Weichen gestellt. Till machte aber auch deutlich, dass die Stadt in nächster Zeit kein Geld haben werde, um den Burgaufbau zu leisten.

Experten lehnen dagegen eine Rekonstruktion der Burg kategorisch ab. Kreisarchivar Walter Ziegler: "Wenn man etwas konstruieren will, muss man Anhaltspunkte haben, die mit den vorhandenen Mauerresten nicht gegeben sind." Und der Göppinger Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß argumentiert, dass auch konkrete Informationen fehlten, wie es oberhalb der heute sichtbaren Grundrisse weiterging." Ganz entschieden lehnt auch Kreisarchäologe Reinhard Rademacher den Burgenbau ab. Weil niemand wisse, wie die Burg tatsächlich einmal ausgesehen habe, könne man sie auch nicht rekonstruieren. "Alles, was man da bauen würde, wäre ein Disneyland", erklärte Rademacher in einem NWZ-Interview.

Ungeachtete der Kritik der Wissenschaftler gehen die Ideen der IG schon weiter. Um eine rekonstruierte Burganlage touristisch zu erschließen, sei eine Sesselliftanlage auf die Burg vorstellbar, die von einem Großparkplatz bei Maitis auf den Gipfel führen könnte.


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Autor: RÜDIGER GRAMSCH | 14.08.2010

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