Mediziner warnt vor Schädigungen

Über den von Windrädern ausgesandten Infraschall berichteten Mediziner und Betroffene auf einer Anti-Windkraftveranstaltung in Oberberken.

WERNER SCHMIDT |

Die Schurwaldhalle in Oberberken ist rappelvoll. Weitere Stühle werden herangeschafft. Die Besucher bekommen zu hören: "Das Leben unterm Windrad ist ein Vegetieren unterm Windrad." Das Ehepaar Matthias und Alessandra Eck aus dem Ostalbkreis berichten von ihrem Leben und Leiden mit nur wenige hundert Meter entfernten Windrädern. Als bei ihnen 2006 erste Windräder aufgestellt wurden, "haben wir uns noch nicht viel dabei gedacht", erzählt das Ehepaar, das sieben Kinder hat. Aber sie hätten sich nicht an die Geräusche gewöhnen können, Schlafstörungen bekommen, ihr Schlafzimmer verlegt. Besser sei es nicht geworden. Dazu seien Gereiztheit, Kopfschmerzen, Herzrasen und Übellaunigkeit gekommen, die Schulnoten der Kinder hätten sich verschlechtert. Den Kindern, die zum Studium das Elternhaus verlassen hatten, sei es bald schon wieder normal ergangen, berichtete das Ehepaar.

Aber kaum waren sie zuhause, hätten sich schon wieder diese Symptome gezeigt. Inzwischen gaben die Ecks ihren Hof auf, verkauften das Bauernhaus mit finanziellem Verlust, fühlen sich nun aber wohl wie einst. All diese Symptome beschrieb Mediziner Johannes Mayer als Auswirkungen des Infraschalls, der mit seiner Frequenz von unter 20 Hertz alles durchdringe: "Er kann nicht gedämmt werden. Manchmal ist er im Haus sogar stärker als draußen." Draußen gebe es bestimmte Witterungen, die ihn verstärkten, sagte Mayer und verwies auf die unglückliche Verbindung von Infraschall und Föhn.

Die Meteorologen Wanka und Höppe hätten schon 2005 nachgewiesen, dass sich im Großraum München an bestimmten Föhntagen Infraschall stark gesundheitsschädlich auswirke. Damit nicht genug: "Die Suizidrate und die Notarzteinsätze wegen psychischer Störungen haben sich an diesen Tagen verdreifacht." Ursache sei eine sogenannte "schmalbandige" Störung. Und eben diese Störungen würden auch von Windanlagen erzeugt.

Im Übrigen seien Schädigungen durch Infraschall "keine wissenschaftliche Spinnerei", denn sie seien sogar von den Krankenkassen anerkannt und würden den behandelnden Ärzten vergütet, sagte Mayer. Das Umweltbundesamt gebe zu, dass "Forschungsbedarf insbesondere bezüglich der Häufigkeit des Auftretens, Art und Umfang von Beeinträchtigungen sowie möglichen Gefährdungen der menschlichen Gesundheit durch tieffrequente Geräusche und Infraschall" bestehe. Dagegen komme das Umweltbundesamt des Landes zu der Erkenntnis, dass der Infraschall von Rotoren nach wenigen 100 Metern nicht mehr spürbar und deshalb unschädlich sei. Mayer vergleicht die angebliche "Ignoranz von Politik und Industrie" gegenüber Infraschall mit Asbest. Seit 1878 industriell angewendet, seien schon 1900 gesundheitsschädliche Schäden bekannt gewesen. Aber erst 1993 sei Asbest verboten worden.

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