Mai-Demo: DGB gibt Linkspartei den Vorzug

Göppingen.  Gewerkschaften und SPD Hand in Hand? Das war einmal. Bei der Maikundgebung des DGB in Göppingen spricht dieses Jahr ein prominenter Politiker der Linkspartei: Ulrich Maurer.

Links der Mitte tut sich was. Allerdings wenig, was der SPD gefällt. Zwar glauben die Genossen ein Jahr vor der Landtagswahl hartnäckig an ihren Aufschwung. Doch in Göppingen hat die Partei der Arbeiterbewegung ausgerechnet am 1. Mai - einst gemeinsamer Feiertag von Sozialdemokraten und Gewerkschaften - nicht mehr viel zu melden. Hauptredner der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) auf dem Schillerplatz ist kein SPD-Politiker, sondern ein prominenter Vertreter der Linkspartei: Ulrich Maurer, Bundestagsabgeordneter der Linken und parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Die IG Metall Göppingen-Geislingen hatte sich zum 120. Geburtstags des Maifeiertags einen bekannten und wortgewaltigen Redner gewünscht. Zuerst war Franz Steinkühler im Gespräch. Da der frühere Bundesvorsitzende der IG Metall verhindert ist, klopfte der DGB Nordwürttemberg bei Ulrich Maurer an - der 61-Jährige sagte zu.

Damit erhält die Mai-Demo auf dem Göppinger Schillerplatz jetzt sogar besondere politische Bedeutung, denn die Veranstaltung in der Hohenstaufenstadt ist die einzige von 14 in Nordwürttemberg, bei denen der DGB statt eines Gewerkschafters einen Politiker als Hauptredner ans Mikrofon lässt. In den Reihen der SPD hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. "Ich finde es schade, dass in Göppingen am 1. Mai kein führendes SPD-Mitglied spricht. Immerhin gibts den Peter Hofelich, unseren Landtagsabgeordneten", meint Emil Frick, Fraktionschef der SPD im Göppinger Gemeinderat. Trotzdem demonstriert Frick Gelassenheit und flüchtet sich in Sarkasmus: "Ich denke, Maurers Rede wird für die Zukunft der Politik in der Bundesrepublik Deutschland nicht entscheidend sein." Außerdem sei Maurer ja früher selbst mal Sozialdemokrat gewesen, "und vielleicht ist er es ja immer noch", frotzelt Frick. Tatsächlich war Maurer viele Jahre Chef der Landes-SPD und Fraktionschef im Landtag, bevor er zur Linkspartei wechselte.

Beim DGB und der IG Metall in Göppingen kann man keinen Konflikt erkennen. DGB-Regionalchef Bernhard Löffler (53) ist selbst SPD-Mitglied und kann mit Maurers Auftritt gut leben, auch Michael Kocken, IG-Metall-Sekretär in Göppingen, sagt: "Das hatte etwas mit der Verfügbarkeit zu tun." Die IG Metall im Kreis will die Mai-Demo, bei der auch Jugendliche und Betriebsräte zu Wort kommen werden, gut plakatieren, "zum ersten Mal seit Jahren", wie Kocken sagt. Die Kundgebung am 1. Mai beginnt um 10 Uhr.


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Autor: HELGE THIELE | 23.04.2010

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