Märklin dampft in der Spur
Göppingen. Auch ohne Investor will Märklin mit Volldampf in die Zukunft dampfen. "Der Geschäftsverlauf bei Märklin ist sehr positiv", berichtete Insolvenzverwalter Michael Pluta gestern dem Gläubigerausschuss.
Der "Unternehmer mit Herzblut" ist zwar immer noch nicht in Sicht, gleichwohl herrschte gestern im Gläubigerausschuss von Märklin gute Stimmung. Für Insolvenzverwalter Michael Pluta ging es in der Sitzung am Stammsitz in der Stuttgarter Straße erneut darum zu zeigen, "dass wir auch aus eigener Kraft existieren können". Die Firma sei auf einem sehr guten Weg, betonte Pluta gegenüber der NWZ. "Der Geschäftsverlauf bei Märklin ist sehr positiv". Die Standorte Göppingen und Györ mit ihren über 1000 Mitarbeitern seien gesichert. Pluta: "Alle tragen durch ihre Leistung zum weiteren Gelingen bei."
Die Gläubiger, bei denen Märklin rund 93 Millionen Euro Schulden hat, scheinen daran nicht zu zweifeln. Der Jahresabschluss für das erste Insolvenzjahr wurde zustimmend und lobend zur Kenntnis genommen. Märklin machte zwölf Millionen Gewinn vor Steuern und Zinsen und schrieb damit schwarze Zahlen. Aufgrund der hohen Vorjahresverluste sind keine Steuern fällig. Nach Abzug der Zinsen bleiben sieben Millionen Euro übrig.
Das sind Zahlen, die die Gläubiger zuversichtlich stimmten. Auch der Planung der Geschäftsleitung für das Jahr 2010 gaben sie ihren Segen. Für die beiden Werke in Göppingen und Ungarn wurden Investitionen in Höhe von zwölf Millionen Euro bewilligt. Die Ausgabenliste umfasst zwei DIN-A-4-Seiten. Zudem beschlossen die Gläubiger, neue Aufträge nach Ungarn und Deutschland zu verlagern, darunter Aufträge im Wert von zehn Millionen Euro allein für Göppingen. Angestrebt wird ein Umsatz von 115 Millionen Euro, nach 111 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
"Ich sehe das als gutes Zeichen, dass es bei Märklin eine gewisse Stabilität gibt und das Unternehmen aus eigener Kraft in die Standorte investiert", kommentierte Renate Gmoser, die für die Göppinger IG Metall im Gläubigerausschuss sitzt, die Ergebnisse der gestrigen Sitzung. Die Investitionen seien dringend notwendig, um Prozesse zu verbessern. "Der Markt erwartet von Märklin Konstanz in der Firmenpolitik", sagt dazu Insolvenzverwalter Pluta. "Diese haben wir ihm geboten und werden sie auch weiter bieten." Man wolle nicht, dass irgendein Investor diese Entwicklungen gefährde. "Deshalb sind wir sehr wählerisch."
Tatsächlich wurde gestern im Gläubigerausschuss auch über ein so genanntes Insolvenzplanverfahren gesprochen. Dieses würde es Märklin ermöglichen, auch ohne fremde Hilfe weiter zu machen. Das Gesetz sieht diese Möglichkeit ausdrücklich vor. Märklin käme ohne Investor aus und die Gläubiger spielten die Rolle von Gesellschaftern wider Willen. Ihnen kommt in jedem Fall ein positives Ergebnis zugute. Zusätzliche Finanzmittel habe Märklin bisher nicht benötigt und werde es auch 2010 nicht, heißt es in Plutas Büro. "Wenn sich in diesem Jahr die Nachhaltigkeit der positiven Geschäftsentwicklung zeigt, wovon wir ausgehen, halten wir auch einen Insolvenzplan für möglich", bestätigte eine Sprecherin Plutas. Das schließe allerdings Investorengespräche nicht aus.
Die Messlatte für mögliche Käufer hängt allerdings nach wie vor hoch. "Am Investorenprozess nimmt nur teil, wer mindestens 60 Millionen Euro bietet und 100 Millionen Euro finanzieren kann. Zudem muss eine Zusicherung für den Erhalt beider Standorte erfolgen", so Plutas Sprecherin. Zuletzt war der amerikanische Modellbahnhersteller Lionel aus dem Bieterverfahren um seinen Göppinger Konkurrenten ausgestiegen. Angeblich waren die Preisvorstellungen des Insolvenzverwalters der Grund.
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Autor: JOA SCHMID | 27.04.2010
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Die Mitarbeiter basteln erfolgreich an der Zukunft von Märklin. Insolvenzverwalter Michael Pluta ist zuversichtlich: "Der Geschäftsverlauf bei Märklin ist sehr positiv." Foto: Archiv/Giacinto Carlucci
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Kommentare (1)
Schwindelnde Höhen
Der als Verwalter vom Insolvenzgericht bestellte Rechtsanwalt Pluta hat nicht nach einer natürlichen, sondern juristischen Person in Gestalt eines wissenschaftlichen Begriffs lebendiger Arbeit zu suchen. Selbst wenn sich also just in den kommenden Tagen ein "Unternehmer mit Herzblut" in seiner Kanzlei im Ulmer Karlsbau einfände, könnte jener deshalb allein ein dort Hausfriedensbruch begehender Schwindler sein.