Lützner gibt Rhythmus vor

Mit einer Bürgermeisterwahl noch vor der Sommerpause rechnen Vertreter der Gemeinderatsfraktionen in Süßen. Sie erwarten, dass Wolfgang Lützner seinen Vorsprung in Böblingen verteidigen wird.

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Süßen - In Süßen vertieft sich die Überzeugung, dass Wolfgang Lützner in knapp zwei Wochen zum Oberbürgermeister von Böblingen gewählt wird. Nachdem der Bürgermeister aus dem Filstal, der von CDU und Freien Wählern unterstützt wird, am Sonntag 46,1 Prozent der Stimmen erhalten hat und damit seinen stärksten Kontrahenten Dr. Andreas Paust, hinter dem SPD und Grüne stehen, um rund 10,5 Prozentpunkte hinter sich gelassen hat, geht Lützner als Favorit in die nächste Runde am Sonntag, 21. Februar.

"Ein großartiges Ergebnis" sagte Albrecht Finckh, Fraktionschef der CDU im Süßener Gemeinderat. Lästig sei nur, dass Lützner noch zwei Wochen Wahlkampf machen muss. Finckh rechnet damit, dass ein guter Teil der Wähler, die für Diakon Johannes Söhner waren, sich Lützner zuwenden werden. Söhner hatte mit 16,9 Prozent überraschend gut abgeschnitten. Mit den 35,5 Prozent für Paust hält Finckh das Stimmenpotential des rot-grünen Lagers für ausgeschöpft. Die Wahlbeteiligung von 40 Prozent nennt er "beschämend." "Mit 50 kann man schon mal prüfen, was anderes zu machen", bewertet Finckh Lützners Abwanderungswünsche. Falls es aber doch nicht reicht, sieht der CDU-Sprecher kein Problem: "Wir sind glücklich mit Herrn Lützner."

"Ein beachtlicher Zwischenerfolg für Herrn Lützner", bewertet SPD-Fraktionschef Udo Rössler den Wahlausgang. Auch Rössler erwartet Lützner als Sieger, da die Differenz doch recht deutlich sei. Allerdings sei die Wahlbeteiligung von 40 Prozent sehr gering. Dass sich für Süßen die Hängepartie um zwei Wochen verlängert, hält Rössler für unproblematisch. Die Stadt sei zwar mitten in den Haushaltsberatungen, "wir haben keine Probleme". Verwaltung und Gemeinderat arbeiteten gut zusammen. "Wir haben es gut hinbekommen, auch ohne ihn."

"Beängstigend" nennt Armin Kuhn die niedrige Beteiligung von 40 Prozent. "Das heißt mit 20 Prozent der Wahlberechtigten kann man OB von Böblingen werden", sagt der Fraktionschef der Grünen. Lützner dürfe jetzt optimistisch sein. Immerhin steige damit für Süßen "die Chance auf eine grüne Bürgermeisterin", nennt Kuhn einen seiner politischen Träume. "Wenn jemand Ziele hat, soll man ihn nicht aufhalten", meint er zu Lützners Abwanderungswünschen.

"Ich gehe davon aus, dass wir einen neuen Bürgermeister suchen müssen", erklärte Burkhard Bauerle von der FWV/FDP-Fraktion. Lützner habe ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Bauerle erwartet, dass Kandidat Lützner viele Wähler aus dem christlichen Lager holen wird, die am Sonntag noch für Diakon Söhner waren. Lützner sei zwar in Führung, aber noch nicht durch, ergänzt sein Fraktionschef Michael Keller. "Es ist wie im Fußball bei einer 3:1-Führung nach der ersten Halbzeit."

Die Rechnung mit den Wählern von Söhner, der sich gestern noch nicht geäußert hatte, ob er zurückzieht, bewerten Beobachter in Böblingen etwas anderes. Söhner, spricht nach Ansicht von Otto Kühnle, Chefredakteur der Kreiszeitung Böblinger Bote, eher Wähler an, die im Paustlager vermutet werden. Kühnle sieht zwar ebenfalls die besseren Chancen bei Lützner, sieht aber auch Unwägbarkeiten: die niedrige Wahlbeteiligung, die Söhnerwähler und den nächsten Urnengang am Ende der Winterferien. Jetzt müsse sich zeigen, was die Kontrahenten noch zu bieten hätten.


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Autor: DANIEL GRUPP | 09.02.2010

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