LEITARTIKEL · STAUFER: Burgenbau eröffnet Chancen

Verrückte Idee oder genialer Schachzug? Das Thema Wiederaufbau des Stammsitzes des einst mächtigen Herrschergeschlechts auf dem Hohenstaufen wird auf jeden Fall für genügend Gesprächsstoff sorgen. Einige Reaktionen sind schon zu erahnen: Archäologen, Archivare, Denkmalschützer und Historiker schlagen ob des Göppinger Einfalls die Hände über dem Kopf zusammen, Politiker verweisen angesichts leerer Haushaltskassen bei Land, Kreis und Kommunen den Vorschlag gleich ins Reich der Fantasie, die Natur-, Tier- und Landschaftsschützer riegeln mit Barrikaden den geschichtsträchtigen Berg ab und die Juristen holen schon mal ihre Gesetzbücher aus dem Regal, um die passenden Paragraphen im Baurecht zu finden. Kurzum: Vieles wird zunächst einmal gegen die Idee des Burgenbaus auf dem Hohenstaufen sprechen.

Ungeachtet aller möglichen Wenns und Abers bietet der Wiederaufbau der Burganlage jedoch ungeahnte Chancen für den Stauferkreis. Das Vorhaben kann zu einem Gemeinschaftsprojekt der Kreisbürger werden, die damit ein klares Bekenntnis zu ihrer Heimat ablegen und gesunden Patriotismus zeigen. Die wieder erstandene Burganlage wird das Interesse an den Staufern europaweit wachsen lassen, stärker als das jede noch so gut gemachte und mit Millionen subventionierte Landesausstellung kann. Und der Landkreis gewinnt mit der Burg eine Attraktion, die der notwendigen touristischen Entwicklung Flügel verleiht. In der Folge entstehen unzählige neue Arbeitsplätze in Ferien- und Freizeitanlagen: Die Burg wird zum Wirtschaftsmotor Nummer eins im Kreis.

Der Zeitpunkt für die Diskussion um ein Für und Wider des Burgenbaus auf dem Hohenstaufen ist jedenfalls bestens gewählt. Just in der nachrichtenarmen Ferienzeit und nur wenige Wochen vor der großen Stauferausstellung in Mannheim ist das Thema gut platziert, um in den Medien "gespielt" zu werden.

Bei der Idee allein darf es allerdings nicht bleiben. Soll die Diskussion den Sommer überleben, sollten aus ersten Überlegungen bald konkrete Projektansätze werden. Dazu bedarf es Mitstreiter, die sich für das Vorhaben begeistern lassen, selbst wenn die Hürden noch so hoch liegen. Die Initiatoren sollten sich ein Zitat Albert Einsteins zu eigen machen: "Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorneherein ausgeschlossen erscheint." Ein Grund mehr, den auf den ersten Blick spleenigen Einfall nicht gleichvom Tisch zu wischen. RÜDIGER GRAMSCH


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14.08.2010

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