Kunsthalle Göppingen: Einbruch des Phantastischen

In der Göppinger Kunsthalle stehen unzählige Kameras und technische Geräte, Beamer projizieren verschiedene Film- und Kunstszenen an die Wände. In einer Ecke ist ein Dokumentations-Film zu sehen, am anderen Ende der großen Halle wurde ein Casting-Set aufgebaut. In diesen Räumen findet derzeit ein außergewöhnliches Projekt des Instituts Forschender Film Hamburg (IFF) statt: „Art Girls“ ist zu Gast in Göppingen. Szenen eines Spielfilms werden gedreht, verknüpft mit einem Kunst- und Studentenprojekt.

Stephanie Winterer aus Göppingen schaut sich verwundert um: „Ich weiß noch nicht, wie alles abläuft. Ich muss, wie einige andere Mitglieder des Kunstvereins, eine amerikanische Kunstsammlerin darstellen. Ich habe jetzt bereits ein paar Klamotten mitgebracht, die dafür gehen würden.“ Einige erhellende Erklärungen des Kunsthallenleiters Werner Meyer und des Regisseurs und Hamburger Hochschuldozenten Robert Bramkamp schaffen Klarheit im für die Göppinger noch recht verwirrenden Szenario dieses medialen Großereignisses.

„Sie sind alle Teil eines Abenteuers. Sie sind nicht nur Publikum, sondern Beteiligte“, kündigte Meyer bei einer ersten Informationsveranstaltung an. Und Bramkamp fügte hinzu: „Dabei geht es nicht nur um einen Kinofilm, sondern auch um eine zeitgleich ablaufende Dokumentation des Drehs, eine Art TV-Mockumentary, einen Hochschulfilm, die Entstehung eines Internet-Portals und einen studentischen Workshop.“ Die Idee dahinter: Dieselbe Geschichte soll aus verschiedenen medialen Perspektiven erzählt werden. „Der Aspekt der Vielstimmigkeit spielt dabei die wichtigste Rolle. Geschichten sind interessanter, wenn sie nicht nur von einer Person erzählt, sondern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden“, sagt Bramkamp.
Die Rollen der Göppinger Komparsen sind daher vielfältig. Im Spielfilm, in dem auch der bekannte Schauspieler Peter Lohmeyer mitwirkt, geht es um drei Berliner Künstlerinnen, die sich an einer Ausstellung beteiligen, die Deckmantel für ein wissenschaftliches Experiment zur „Biosynchronisation“ ist. In der Folge entsteht im Film eine „neue Natur“, die zunächst eine Katastrophe auslöst und niemanden unverändert zurück lässt, schließlich aber in einer positiven Utopie endet.
In gleich zwei Szenen dieses Films werden Göppinger zu sehen sein: Mitglieder des Kunstvereins stellen in einer Sequenz reiche amerikanische Kunstsammler dar. Am Samstag kommt dann das große Katastrophen-Szenario: Die Kunsthalle wird zur Notaufnahme für Verletzte im Film. Die Göppinger Feuerwehr und das Technische Hilfswerk sind auch mit dabei. Und Rainer Kienzle, Leiter des Jugendrotkreuzes Göppingen, erzählt: „Wir werden die Katastrophen-Opfer schminken, sind also ebenfalls beteiligt“


Am Sonntag konnten die Göppinger Komparsen bereits in einem Casting vorsprechen. Dabei ging es nicht nur um ihre Darstellung von Kunstsammlern oder Katastrophen-Opfern, sondern auch um kleinere Rollen in einem studentischen Workshop-Projekt zum Thema „Phantastischer 3D-Alltag“ . Während im Film der Einbruch des Phantastischen und Unerwarteten durch die Darstellung des Katastrophen-Szenarios und einen sich schleichendverändernden Alltag ins Bild gesetzt wird, wollen sich die Studenten dem Thema in ihrem Workshopmit weiteren experimentellen Methoden nähern. Die Göppinger konnten im Casting bereits ein phantastisches Erlebnis erzählen, das ihnen selbst widerfahren ist.
Außerdem in das Projekt eingebunden ist eine Kunstausstellung von Susanne Weirich, deren Werke in der Halle zu sehen sein werden, zugleich aber auch eine Rolle im Film spielen.

Mit dabei sind die Künstlerin Maren Strack mit ihrer Performance „Six Feet Deeper“ und die Schauspielerin Jana Schulz.
 


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26.01.2011

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