Kunst als farbiger Link ins Internet

Göppingen / Fellbach.  Kunst als Link ins Internet - nach diesem Prinzip haben Eva Paulitsch und Uta Weyrich ein Künstlerbuch erstellt. Der Göppinger Kunsthallenchef Werner Meyer ist begeistert - und hat gleich drei Bilder gekauft.

Jeder kennt sie inzwischen: die kleinen SchwarzWeiß-Bilder, genannt QR-Codes, an der Oberfläche von Supermarkt-Anzeigen, mit denen internetfähige Handys ins World Wide Web eintauchen können. Die Stuttgarter Künstlerinnen Eva Paulitsch und Uta Weyrich haben aus diesem Prinzip Kunst gemacht. Jetzt wird ihr Künstlerbuch unterm Titel "Small World" vorgestellt. Zur Finissage ihrer Ausstellung in der Galerie der Stadt Fellbach führt Werner Meyer am Sonntag, 16 Uhr, ein Künstlergespräch mit Paulitsch und Weyrich. Der Leiter der Kunsthalle Göppingen war vom "wunderbar subtilen Umgang" der beiden mit den Medien so angetan, dass er gleich drei Bilder für die städtische Sammlung gekauft hat. Am 26. Februar sind sie in der Kunsthalle Göppingen ausgestellt.

Die Seiten des Künstlerbuchs sind keine Reproduktion der Ausstellung in Abbildungen, wie Meyer betont. "Ihr Buch funktioniert wie ihre Kunst: von der Grafik über deren Bedeutung als Link ins Internet zum Inhalt des Kunstwerks", nämlich ins Handy-Film-Archiv der Künstlerinnen. Die QR-Codes können mit dem Handy fotografiert und somit dekodiert werden. Auf dem Smartphone erscheinen dann Handyfilme von Jugendlichen, die Eva Paulitsch und Uta Weyrich künstlerisch verarbeitet haben.

Das Handyfilmarchiv enthält kurze Filme, in denen Jugendliche mit dem Handy spontan eine Situation dokumentieren, die sie als einen mitteilenswerten Moment verschicken, nun durch die Künstlerinnen zu kurzen Loops verdichtet. Über den Umweg Kunst landet das Filmmaterial wieder dort, wo es entsteht und wahrgenommen wird - im Handy. Cross Media wird hier zum Kunstprinzip. Damit haben es die beiden immerhin zweimal ins ZKM nach Karlsruhe gebracht.

Statt schwarzer Striche auf weißem Grund scheinen sich nun in den QR-Code-Bildern an der Oberfläche konstruktiv konkrete Kunst (Formen) mit Pop Art (Farben) zu treffen.

Mit ihrem Handyfilmarchiv im Netz und den QR-Code-Bildern in der Galerie verknüpfen die Künstlerinnen eine Reihe von Wahrnehmungszusammenhängen, die von der Alltagskultur der Jugendlichen über die abstrakte Geometrie eines Archivsystems bis zur Ästhetik der künstlerischen Verdichtung und Verschlüsselung im Sinne des Kunstwerks reicht.

Das Künstlergespräch am Sonntag bietet Einblicke in dieses Handyfilmarchiv und in die beschriebenen Zusammenhänge.

Info www.pw-videoblog.de


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Autor: MARCUS ZECHA | 10.02.2012

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