Kliniken: Der steinige Weg zur schwarzen Null
Kreis Göppingen. Sparzwang und Investitionsstau, Personalabbau und Umorganisationen: Die Kreiskliniken sehen arbeitsreichen Jahren entgegen, wie der Bericht des Kaufmännischen Direktors Wolfgang Schmid verdeutlicht.
Es war schwere Kost, die den Kreisräten gestern Nachmittag im Verwaltungsausschuss serviert wurde. Dennoch waren die Bürgervertreter froh, "einen Überblick zu bekommen", meinte SPD-Fraktionschef Peter Feige stellvertretend. Wolfgang Schmid, Kaufmännischer Direktor der Kliniken des Landkreises Göppingen, berichtete Aktuelles - beispielsweise zum Stand der Dinge beim Geislinger Geburtshaus - warf aber auch einen Blick ins Jahr 2015. Dann nämlich soll das Jahresergebnis der Kliniken eine schwarze Null zieren. Im Jahr 2010 betrug das Defizit der Göppinger Klinik am Eichert und der Geislinger Helfenstein-Klinik zusammen fünf Millionen Euro - immerhin fast eine Million weniger als noch im Jahr zuvor, betonte Schmid. In diesem Jahr hofft der Direktor, dass der Abmangel sich bei 3,7 Millionen Euro einpendelt.
"Insgesamt sind wir auf einem guten Weg", fasste Wolfgang Schmid zusammen und erntete Zustimmung von Landrat Edgar Wolff, der einräumte: "In keinem Bereich ist es so schwierig, die Qualität zu halten und zeitgleich die Kosten zu senken." Hoffnung schöpfen die Kreiskliniken nach der Unterzeichnung des grün-roten Koalitionsvertrags: "Wir haben uns gefreut", meinte Schmid, da der Investitionsstau sukzessive abgetragen werden und die Mittel für Investitionen bis zum Jahr 2016 Schritt für Schritt erhöht werden sollen.
Sanierung und Modernisierung seien auch in der Göppinger Klinik am Eichert dringend notwendig, unterstrich der Kaufmännische Direktor gestern einmal mehr. "Deshalb sollte der Landkreis im Sommer Farbe bekennen", sagte Schmid im Gespräch mit der NWZ und spielte dabei auf die aktuelle Debatte an. Das Christophsbad schlägt nämlich vor, auf dem Gelände zwischen Öde und Berufsschule ein neues Klinikzentrum zu bauen statt Millionen in die Sanierung zu stecken. "Es bleibt spannend, und wir sind da ergebnisoffen", machte Schmid in der Ausschusssitzung deutlich. Nach aktuellen Berechnungen würden die Investitionen in das Sanierungspaket rund 170 Millionen Euro verschlingen, der Neubau 300 Millionen Euro. Ende Juni werden sich alle Beteiligten nochmals zusammensetzen, dann wird der Kreistag beraten und beschließen, wie es weitergeht.
Während heftig über die Zukunft nachgedacht wird, zückt die Klinikleitung auch - wie bereits berichtet - den Rotstift: Insgesamt 135 Stellen werden dieses Jahr an den Kliniken abgebaut, aktuell sind bereits 95 Arbeitsplätze weggefallen, berichtete Schmid. Dass dieser Stellenabbau vor allem die Geislinger Helfenstein-Klinik betreffe, sei jedoch nicht richtig, widersprach der Direktor einem Eindruck, der offenbar in der Geislinger Bevölkerung vorherrsche. "Im Gegenteil, wir werden eher den Geislinger Standort stärken."
Damit leitete Schmid zum Thema Geburtshaus über, das nach der Schließung der Geburtsabteilung an der Helfenstein-Klinik diskutiert werde. "Noch ist nichts spruchreif", so Schmid. Nur so viel: Drei Hebammen hätten Interesse angemeldet, es müssten aber noch viele Detailfragen geklärt werden. "Es wäre auf jeden Fall eine gute Sache und eine Tür-an-Tür-Lösung", trommelte die Klinikleitung für die Idee des Geburtshauses. Im übrigen sei bereits spürbar, dass Geislinger Mütter häufiger in Göppingen entbinden, "wobei die Geburtenrate insgesamt im Landkreis leicht rückläufig ist".
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Autor: SUSANN SCHÖNFELDER | 18.05.2011
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Die Kreiskliniken haben große Ziele: Sie wollen nicht nur kräftig investieren, sondern müssen auch eisern sparen. Foto: Giacinto Carlucci
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