Kirche neu erleben

Zell u. A.  Gut 30 Zeller feierten in der Martinskirche das Einweihungsfest des bundesweiten Modellprojekts "Unsere Kirche im Dorf. Arbeitsgruppen stellten Ergebnisse vor, eine lebhafte Diskussion schloss sich an.

Der Kirchenraum der Zeller Martinskirche präsentiert sich den Besuchern mit verändertem Aussehen. Die vorderen Kirchenbänke sind heraus genommen, dafür steht ein hölzerner Altar in der Mitte der frei gewordenen Fläche.

"Wir laden Sie zu einem meditativen Imbiss ein, wobei die Kartoffel ja recht erdverbunden ist", sagt Gerald Klahr schmunzelnd mit Blick auf Kartoffeln mit Kräuterquark. Der Architekt ist einer der drei "Kirchentrojaner", die die evangelische Kirchengemeinde durch das Projekt "Unsere Kirche im Dorf" begleiten. Zeitlich begrenzte Umbau- und Umgestaltungsideen können aufzeigen, wie mögliche Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten gestaltet werden können.

"Die Ehrfurcht vor den Fresken muss bestehen bleiben", sagt Dr. Ernst Schumacher als Vertreter der "Freskengruppe". Neben Bildern von der Neuen Stadt Gottes und dem jüngsten Gericht soll die Auferstehungsgeschichte neu dazukommen - ein Zusammenspiel der Fresken in Verbindung mit unserem Leben in der heutigen Zeit entstehen.

Der Arbeitskreis "Auferstehung" könnte sich vorstellen, dass im Anbau der Martinskirche eine Galerie entstehe. "Damit wäre vervollständigt, was bisher fehlt und der Seitenraum würde mehr in die Kirche geholt", erklärt Gabriele Schühle.

Die "Kirchentrojaner" haben mit Helfern aus den Arbeitsgruppen ein flexibles Möbelstück aus Holz gebaut, das setzkastenähnlich verändert werden kann. Die Gruppe "Flexibilität" möchte es in diesem Jahr immer wieder umstellen oder die Atmosphäre durch farbiges Transparentpapier verändern, um unterschiedliche räumliche Wirkungen zu erzeugen.

Zwei Zeller Schulklassen erlebten die Kirche an zwei Tagen als einen "Spielraum des Glaubens, in dem ein sehr höflicher, respektvoller Umgang herrschte", wie es Religionslehrerin Anne Kunzmann beschreibt. Siebtklässler Steven Bernauer erklärt den Zuhörern den Ablauf mit Tagessegen und gemeinsamem Essen in der Kirche - "das ist ja wie beim Abendmahl", war der Eindruck eines Schülers.

Vertreter der Arbeitskreise Interreligiosität, Leinwand /Beamer und Ruhe und Andacht stellten ihre Ideen vor, bevor sich die Anwesenden zum Projekt an sich äußerten. "Es entwickelt sich ein Aktionismus, diese Woche wird dies gemacht, in der nächsten Woche jenes - manche Gottesdienstbesucher bleiben dadurch ganz weg", warnt Siegfried Fauth. Kirchengemeinderätin Marga Schumacher weist auf unzureichende Informationen zu Beginn des Projekts hin - "mir geht es um die Kommunikation".

Die Architekten betonen die Chancen, die Einzigartigkeit der Arbeit, bei der sich jeder einbringen könne und sich eine Diskussionskultur innerhalb der Gemeinde entwickeln könne. "Wir möchten verschiedenen Menschen unterschiedliche Möglichkeiten geben, Gottes Wort über Empfindungen zu erleben", ergänzt Klahr. Wichtig sei es, dass sich gerade die kritischen Gemeindemitglieder in den Entstehungsprozess einbrächten - von denen an diesem Abend allerdings nur wenige gekommen waren.


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Autor: MONIKA ULDRIAN | 31.07.2010

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