Kälte hat Landkreis im Griff

Göppingen.  Arktische Temperaturen haben den Landkreis fest im Griff. Die Kälte birgt auch Risiken für Fahrzeuge und sanitäre Anlagen. Wer nicht frühzeitig Vorsorge trifft, den erwartet oft eine böse Überraschung.

Klirrende Kälte bis Ende der Woche. Sie bringt derzeit nicht nur Autofahrer sondern auch Energielieferanten in Bedrängnis.

Autowerkstätten in und um Göppingen haben zurzeit alle Hände voll zu tun. "Wir haben im Moment 30 Prozent mehr Kundschaft", freut sich Andreas Estner, Serviceberater beim Autohaus Vogel in Uhingen. Am meisten Probleme bereiten leere Batterien und Zündungsanlagen sowie Dieselmotoren. "Bei minus 20 Grad bekommt ein Auto Benzin, aber teilweise keinen Zündstrom", erklärt Kraftfahrzeug-Meister Klaus Palmer von der Autowerkstatt Palmer in Göppingen. Er rät gerade bei älteren Fahrzeugen zu einer regelmäßigen Inspektion, um Kälteschäden zu verhindern. Bei Dieselautos besteht zusätzlich das Risiko der Versulzung. "Schon ab minus zehn Grad kann Diesel sich von einer flüssigen zu einer puddingähnlichen Konsistenz verändern", beschreibt Estner. "Um dieses Problem zu vermeiden, kann man an der Tankstelle einen Zusatzstoff kaufen, der die Versulzung des Diesels verhindert", fügt er hinzu. Eine Gefahr für die Batterie stellen Kurzstreckenfahrten dar. Dabei wird mehr Strom abgenommen als in die Batterie eingespeist wird. "Zu den Energiedieben gehören neben Licht und heizbarer Heckscheibe auch die Sitzheizung", erläutert Rainer Krohn von der Burger Schloz Automobile GmbH. Das Resultat sind häufig Startprobleme. "Man sollte die Autobatterien schon im Herbst prüfen und bei Bedarf durchladen lassen", rät Friedrich Kolinsky vom Autohaus Kummich in Göppingen.

Problematisch kann in der nächsten Woche nicht nur das Autofahren werden. Mit den frostigen Temperaturen geraten auch Energielieferanten an ihre Grenzen. "Zurzeit liegt der Gasverbrauch im Landkreis Göppingen etwa zehnmal so hoch wie im Sommer", bemerkt Dr. Martin Bernhart, Leiter der Energieversorgung Filstal (EVF). "Das hatten wir hier noch nie". Er ist seit elf Jahren bei EVF tätig.

Für den normalen Verbrauch speichert die EVF Erdgas. Bei Notsituationen wird allerdings auch auf sogenannte Spitzendeckungs-Rücklagen zurückgegriffen - eine Mischung aus verflüssigtem Erdgas und Flüssiggas. Das Flüssiggas besteht aus Propan und Butan und wird vor Ort gemischt. Der Netzbetreiber"Gasversorgung Süddeutschland" (GVS) als Vorlieferant stellt zusätzlich bis zu 42 500 Kubikmeter Gas bereit. Teilweise hat die EVF noch Zugriff auf fünf Prozent mehr, doch auf Grund der Kälte in Süddeutschland ließ die GVS die Mehrentnahme durch ein Gesetz verbieten. "Dabei fallen nun 2550 Kubikmeter Gas weg", bemängelt der Leiter der EVS. "Nun müssen wir auf eigene Vorräte zurückgreifen". Nächstes Wochenende sollen vier Eisenbahnkesselwagen eintreffen, die für Nachschub von Propan und Butan sorgen. Laut Bernhart ist dennoch kein Grund zur Sorge: "Die Lage ist ernst, aber bewältigbar". Sollte die Kälte jedoch noch zwei bis drei Wochen andauern, könnte es zu einem Engpass der Ressourcen kommen. "Wir sind kein Produzent", gibt der Chef der EVS zu verstehen.

Lang andauernde Kälte erhöht zudem das Risiko eines Rohrbruchs im Wasserleitungssystem. "Wenn das Wasser gefriert, erhöht sich sein Volumen bis zu einem Siebtel", erklärt Bernhart. Der Druck steigt und schädigt so vor allem ältere oder spröde Rohre. Bernhart rät, das Wasser in unbeheizten Räumen sowie im Garten schon vor Wintereinbruch abzustellen und Wasserleitungen zu entleeren.


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Autor: JAKOB KOTH CARLA SAURER | 07.02.2012

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