JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Blödes Fußvolk!
Der Berg, der will sein Opfer haben. Eines davon: Wir sind kurz davor, uns einem Hohenstaufen-Schreibmarathon zu stellen. Zeile für Zeile quälen wir uns nun schon die dritte Woche den einstigen Stammsitz der Staufer hinauf, bis wir oben am Gipfel der Ratlosigkeit sind. Dabei dürfen wir gar nicht hinauflaufen, sagt zumindest das Göppinger Forstamt.
Das Gewicht eines einzigen frei laufenden Menschen reicht aus, die landwirtschaftlichen Wege derart zu zerstören, dass nachher kein tonnenschwerer Traktor mehr darauf fahren kann. Und seien wir ehrlich: Bei Veranstaltungen wie dem Barbarossa-Berglauf oder dem Alb-Marathon bleibt es nie und nimmer bei einem einzigen Menschen. Nein, es sind Tausende, die sich bei solchen Veranstaltungen wie einst die Vandalen zusammentun, um den Berg kraft ihrer rastlosen Extremitäten einfach platt zu machen. Ja, platt.
Nein, da bleibt kein Stein auf dem anderen. Mit der zerstörerischen Kraft eines Turnschuhs graben sich die Füße der Sportler in die Wege ein und hinterlassen verrannte Erde, wohin man nur schaut. Jeder noch so kleine Grashalm, der sich frech am Wegesrand aufrichtet, muss fürchten, martialisch gefällt zu werden. Blödes Fußvolk!
Wie gut, dass es bei uns Behörden gibt, die es mit der Bergwacht ernst nehmen. Gerade noch rechtzeitig, bevor den bedrohten Wanderwegen endgültig das Schicksal des Austretens droht, hat das Göppinger Forstamt die Gefahr messerscharf erkannt und in einem seltenen Akt von Graswurzelbürokratie die Berg-Marathonläufer endlich zum Innehalten aufgerufen. Eine Krisensitzung ist angesagt, die nur eines bedeuten kann: Nichts geht - oder besser - läuft mehr. Das ist gut so. Wo kämen wir denn da hin, wenn im freiheitlichsten Land der Welt jeder einfach den Berg hinauf laufen könnte. Denkt denn niemand an die armen Steine, die als Opfer solch sportlicher Massenanwandlungen quasi am Boden zerstört und mit beturnschuhten Füßen getreten werden?
Kein Wunder, dass die tapferen Hüter des Landeswaldgesetzes da ihrerseits mit den Füßen scharren. Nein, so können die Marathonläufer nicht weitergehen. Der jüngste Gipfelsturm war sogar am Muttertag. Das muss man sich mal vorstellen: Tausende unschuldiger Mamas mit Kinderwagen, die auf unberührten Waldwegen vor Horden eintönig daherstampfender Marathonläufer flüchten. Gut, bisher ist eine solche Stampede ausgeblieben, aber das muss nicht immer so ein.
Noch schlimmer als Marathonbergläufer sind eigentlich nur noch Touristen. Die trampeln in ihrem waldgesetzbrecherischen Entdeckungswahn erst recht alles nieder. Aber wenigstens vor ihnen brauchen wir im Stauferkreis keine Angst zu haben.
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Autor: SWP | 22.10.2011
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