INTERVIEW · IRIS SIEGFRIED, MITBEGRÜNDERIN VON "SALUT SALON": Das Geheimnis unsres Erfolgs ist, dass es uns selbst solchen Spaß macht

Mit ihrer Mischung aus Klassik, Chanson, Folk, Rock und Komik begeistert das Damen-Quartett "Salut Salon" sein Publikum und wird in den Feuilletons gefeiert. Wir sprachen mit der Mitbegründerin Iris Siegfried.

Sie verbinden anspruchsvolle Klassik mit unterschiedlichsten anderen Stilen sowie mit Comedy. Ist Ihr Publikum entsprechend gemischt?

IRIS SIEGFRIED: Ja, unser Publikum ist sehr unterschiedlich, was uns freut. Es hängt aber auch ein wenig davon ab, wo wir spielen. Wenn wir etwa wie letzte Woche in der Nürnberger Staatsoper auftreten, kommt eher klassisch gebildetes Publikum, spielen wir in der Comedia in Köln, wo oft Kabarettisten gastieren, erwartet das Publikum eher auch mal einen "Schenkelklopfer".

Also kommen durchaus auch Klassik-Muffel?

SIEGFRIED: Es gibt schon Leute - das merken wir immer nach den Konzerten an unserem CD-Stand - die sind mitgeschleppt worden, etwa von ihrer Frau. Die waren tatsächlich noch nie in einem klassischen Konzert, hatten ein bisschen Angst davor und sagen dann danach: Das war ja überhaupt nicht schlimm... (lacht)

Wie beim Zahnarzt. . .

SIEGFRIED: Ja, manche sind richtig erleichtert und freuen sich, dass sie sich nicht gelangweilt haben und keine Angst hatten, vielleicht an der falschen Stelle zu klatschen. Aber es gibt natürlich auch Besucher, die sich richtig auskennen. Unlängst war jemand von der Deutschen Grammophon da, der sich über jedes erkannte Musikzitat unheimlich freute. Aber man muss eben diese Zitate nicht erkennen, um unsere Musik zu genießen.

Wenn man Sie auf der Bühne sieht, spürt man den Spaß, den Ihnen diese Mischform macht. Springt dieser Funke auf Ihr Publikum über?

SIEGFRIED: Ich denke, das ist das Geheimnis unseres Erfolges, dass es uns selbst solchen Spaß macht. Die Leute spüren, dass wir vier Musikerinnen sind, die das, was sie tun, mit Leib und Seele verkörpern.

Wann haben Sie angefangen, Klassik mit Humor darzubieten?

SIEGFRIED: Angelika Bachmann und ich kennen uns ja seit Schulorchesterzeiten. Wir haben früher durchaus ernsthaft Klassik gespielt, etwa Bach-Doppelkonzerte. Aber wir haben uns schon damals überlegt, was die Leute mitreißen könnte. Wir veranstalteten jeden letzten Freitag im Monat in einer Hamburger Altbauwohnung eine Art musikalischen Salon. Dabei probierten wir verschiedene Dinge aus, die immer auch einen gewissen Unterhaltungswert hatten.

Sie sind nicht nur in Deutschland aufgetreten, sondern unter anderem auch in China: Reagieren die Besucher dort anders als hier?

SIEGFRIED: Die Chinesen reagieren sehr, sehr spontan, wenn ihnen etwas gefällt. In Deutschland ist man ja so erzogen, dass man erst mal abwartet, bis das Stück zu Ende ist. Wenn aber in China unsere Puppe Oskar auf der Bühne erscheint, bekommt sie sofort Szenen-Applaus. Wir haben auch ein populäres chinesisches Lied im Programm. Sobald der erste Ton erklingt, stehen die Chinesen auf und klatschen und singen mit. Das ist Wahnsinn.

Sie haben Musik und Jura studiert und sind Kulturmanagerin. Brauchen Sie da überhaupt noch einen Musikagenten?

SIEGFRIED: Wir haben das auch lang selber gemacht, als es noch unser Sonntagsnachmittagsspaß war. Aber irgendwann verzettelt man sich, wenn man zuviel gleichzeitig macht. Und in eigener Sache ist man immer besonders schlecht. Anwältin in eigener Angelegenheit ist eine Katastrophe (lacht).

Apropos: Warum haben Sie ausgerechnet Jura studiert? Weil man normalerweise vom Musikmachen allein nicht leben kann?

SIEGFRIED: Die Musik war für mich immer ein besonderes Hobby. Das hat sich erst im Lauf der Zeit anders entwickelt.

Wenn Sie nicht gerade auf Tour sind, arbeiten Sie in einer Hamburger Kanzlei an den Colonnaden als Rechtsanwältin. Fällt Ihnen das schnelle Umschalten zwischen diesen beiden Welten schwer? Oder ist das bereichernd?

SIEGFRIED: Ich finde das sehr bereichernd! Jeder Mensch sollte eigentlich drei Berufe ausüben. Ich bin aber auch Anwältin, weil ich die Idee von der Musik als "Hobby" und der besonderen Liebe dazu nicht verlieren möchte.

Gibt es vielleicht sogar verborgene Verbindungen zwischen Musik machen und Paragrafen auslegen?

SIEGFRIED: Eher nicht, die Arbeit ist sehr unterschiedlich. Aber ich bin teilweise im Urheberrecht tätig und hab dadurch auch Mandanten, die aus dem künstlerischen Bereich kommen. Manchmal ist es hilfreich, sich in die Situation der Künstler hineinversetzen zu können.

Ist es schon vorgekommen, dass ein Konzertbesucher plötzlich merkt, dass das da vorne ja seine Anwältin ist?

SIEGFRIED: Es gibt schon Mandanten, die in meine Konzerte kommen. Aber die wissen schon vorher, zu wem sie kommen. . . (lacht)

Sie haben es mit Ihrer Art der Musikvermittlung bis ins Feuilleton der Welt und ins heute-journal geschafft. Kommt da Stolz auf?

SIEGFRIED: Darauf stolz bin ich nicht. Wir machen das aus einem inneren Drang heraus und freuen uns, wenn dies entsprechend wahrgenommen wird. Aber ich empfinde das nicht als Ritterschlag. Wir würden das, was wir tun, auch ohne entsprechende Resonanz tun.

Andererseits hat das jetzige Medienecho sicherlich einen Schub bei Ihren Besucherzahlen ausgelöst.

SIEGFRIED: In der Tat! Fernsehen ist sehr wichtig, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu bekommen und dann auch große Säle zu füllen. Das heute-journal beispielsweise sehen drei bis vier Millionen Menschen. Wir haben das im Anschluss sofort am Feedback auf unserer Website gesehen, wo es hunderte von Zuschriften gab.

Ist der Druck jetzt größer, weil es eine große Erwartungshaltung gibt?

SIEGFRIED: Nee, das macht noch genauso viel Spaß wie am Anfang. Druck ist schon auch da, aber eher beim Erarbeiten des Programms. Das machen wir jedes Jahr neu und präsentieren es dann am Thalia-Theater in Hamburg. Immer wieder etwas Neues zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber das ist das eigentlich Spannende an unserer Arbeit. Und es ist auch wichtig, sich immer ein bisschen weiterzuentwickeln.

Info "Salut Salon" gastiert am Samstag, 19. Februar, ab 20 Uhr im Haug-Erkinger-Festsaal in Rechberghausen. Vorverkauf: Telefon: (07161) 5 15 33.


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Autor: MARCUS ZECHA | 29.01.2011

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